Die finnische Fluggesellschaft Finnair hat angekündigt, Verhandlungen mit ihren Piloten über mögliche Stellenstreichungen aufzunehmen. Hintergrund sind anhaltende Streiks der finnischen Transportpilotenvereinigung (SLL), die sich für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen einsetzt. Sollte die Arbeitsniederlegung zu Änderungen in den Kooperationsverträgen der Airline führen, könnten bis zu 90 der rund 1.000 Finnair-Piloten vorübergehend oder dauerhaft von Personaleinsparungen betroffen sein.
Der Tarifkonflikt zwischen Finnair und der Pilotengewerkschaft dauert bereits seit Herbst 2024 an. In dieser Zeit hat die SLL ihre Streikmaßnahmen ausgeweitet, zuletzt auch durch das Verbot von Bereitschaftsdiensten für Flüge, die von Partnerfluggesellschaften durchgeführt werden. Dies betrifft nicht nur die eigentlichen Einsätze, sondern auch die Flüge, mit denen Piloten zu ihren Einsätzen transportiert werden.
Da diese Einschränkungen den operativen Betrieb von Finnair erheblich beeinträchtigen, sieht sich die Fluggesellschaft gezwungen, über neue Optionen für ihre Kooperationsverträge nachzudenken – einschließlich einer möglichen Beendigung dieser Vereinbarungen. Eine solche Maßnahme hätte direkte Auswirkungen auf das Arbeitsaufkommen der Piloten und könnte Personalkürzungen unausweichlich machen.
Kaisa Aalto-Luoto, Chief People Officer von Finnair, äußerte ihr Bedauern über die angespannte Situation: „Es ist traurig, daß die langanhaltenden Arbeitskampfmaßnahmen der Pilotengewerkschaft uns in eine Lage gebracht haben, in der wir über Stellenkürzungen sprechen müssen.“ Sie betonte, daß Finnair in seiner über 100-jährigen Geschichte noch nie aus rein operativen Gründen Pilotenkapazitäten reduzieren mußte – nicht einmal nach der Schließung des russischen Luftraums, die das Geschäftsmodell der Airline erheblich beeinträchtigte.
Streitpunkt: verpflichtende Stand-by-Dienste für Piloten
Ein zentraler Punkt des Tarifstreits ist die Einführung von verpflichtenden Stand-by-Schichten für Piloten. Während Finnair dies als eine gängige Praxis in der Luftfahrtbranche betrachtet, lehnt die Gewerkschaft eine generelle Verpflichtung ab und fordert, daß Stand-by-Dienste weiterhin auf freiwilliger Basis bleiben.
„Ich glaube, daß jeder Finnair-Pilot die Bedeutung von Stand-by-Diensten für den Flugbetrieb kennt“, erklärte Aalto-Luoto. „Da die Gewerkschaft sich weigert, dies zu akzeptieren, bereiten wir uns nun darauf vor, Stand-by-Pflichten verbindlich in die Arbeitsverträge aller Piloten aufzunehmen.“
Fünf Monate ohne Einigung – wie geht es weiter?
Die Tarifverhandlungen zwischen der SLL und Finnair dauern mittlerweile über fünf Monate an, bislang jedoch ohne nennenswerte Fortschritte. Finnair wirft der Gewerkschaft vor, mehrere Lösungsvorschläge abgelehnt zu haben, während die Pilotenvereinigung auf bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung pocht.
Die geplanten Verhandlungen am 12. Februar werden zeigen, ob eine Einigung in Sicht ist oder ob Finnair tatsächlich gezwungen sein wird, Piloten zu entlassen. Sollten die Gespräche scheitern, könnten die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen der Airline und ihren Beschäftigten weiter eskalieren – mit möglichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die Passagiere.