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Flammenhölle in den südlichen Urlaubsregionen: Waldbrände wüten auf Chios und der dalmatinischen Küste

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Mit dem Einzug des Sommers steigt in den südlichen Lieblingsdestinationen der Österreicher, wie im gesamten Mittelmeerraum, die akute Gefahr von verheerenden Waldbränden. Nachdem im vergangenen Jahr ein Großbrand auf Rhodos die Tourismusindustrie in Atem gehalten hatte, lodern in diesem Jahr erneut Flammen auf der griechischen Insel Chios und entlang der malerischen dalmatinischen Küste Kroatiens.

Die aktuellen Ereignisse fordern den Einsatz hunderter Feuerwehrleute und wecken Befürchtungen hinsichtlich wirtschaftlicher und persönlicher Verluste. Besonders beunruhigend ist der Verdacht der Brandstiftung, der in beiden Fällen im Raum steht und die Ermittler auf den Plan ruft. Die dramatischen Bilder von den betroffenen Gebieten verdeutlichen einmal mehr die unerbittliche Macht der Natur, die durch menschliches Handeln – sei es fahrlässig oder vorsätzlich – noch verstärkt wird.

Chios in Flammen: Evakuierungen und Sorge um die Mastix-Ernte

Seit dem zweiten Tag in Folge kämpft die Feuerwehr auf der griechischen Insel Chios gegen drei große Brände, die fast zeitgleich ausgebrochen sind. Die Ägäis-Insel, die nahe der türkischen Küste liegt, ist schwer betroffen. Bereits 17 Ortschaften und ein Auffanglager für Migranten mußten evakuiert werden, wodurch Hunderte von Menschen in Sicherheit gebracht werden konnten. Berichten zufolge waren Touristen in den betroffenen Gebieten nicht direkt gefährdet, was eine gewisse Erleichterung für die Reiseveranstalter und die Besucher der Insel darstellt. Jedoch erschweren starke Winde die Löscharbeiten der Feuerwehrleute erheblich und fachen die Flammen immer wieder an, wie griechische Medien berichten.

Der Kampf gegen die Flammen ist ein kräftezehrendes Unterfangen. Nach Angaben der örtlichen Behörden sind fast 200 Feuerwehrleute mit 38 Löschfahrzeugen im Einsatz, unterstützt von zahlreichen Löschhubschraubern und -flugzeugen, die unablässig Wasser aus der Luft abwerfen. Zusätzlich wurde Verstärkung per Boot vom Festland entsandt, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Videos des Insel-Onlineportals „politischios.gr“ zeigten das verheerende Ausmaß der Flammen, die sich durch die Landschaft fressen und eine Spur der Zerstörung hinterlassen.

Besondere Sorge gilt auf Chios nicht nur den Häusern der Bewohner, sondern auch den wertvollen Mastix-Plantagen. Die Sträucher der Pistazien-Pflanze „pistacia lentiscus“ wachsen weltweit ausschließlich auf Chios, und dort auch nur im Süden der Insel. Aus ihrem Harz wird Mastix gewonnen, ein begehrtes Naturprodukt, das in vielfältigen Bereichen Verwendung findet: von Kaugummis und Likör über Süßspeisen und Kosmetik bis hin zu medizinischen Produkten. Die Mastix-Produktion ist eine tragende Säule der lokalen Wirtschaft, und viele Inselbewohner sind direkt oder indirekt in diesem Sektor beschäftigt. Bereits bei den verheerenden Bränden im Jahre 2010 war fast die Hälfte der Mastix-Haine zerstört worden, was zu erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen auf die Inselbewohner führte. Die aktuelle Brandkatastrophe droht nun erneut, diese einzigartige Ressource und die Existenzgrundlage vieler Menschen zu gefährden.

Verdacht der Brandstiftung: Eine ernste Anschuldigung

Die Ursache der Brände auf Chios ist Gegenstand intensiver Ermittlungen. Ein Kommunalpolitiker äußerte sich gegenüber dem Nachrichtensender ERT News eindeutig: Es sei ausgeschlossen, daß die Brände zufällig entstanden seien. Die Tatsache, daß die Feuer fast zeitgleich an mehreren Stellen ausgebrochen seien, spreche klar für Brandstiftung. Ermittler seien bereits vor Ort, um die genauen Umstände zu klären und mögliche Täter zu identifizieren.

Experten gehen davon aus, daß der Großteil der Wald- und Buschbrände, die Griechenland jeden Sommer heimsuchen, von Menschen verursacht wird. Dies kann sowohl durch fahrlässige Handlungen geschehen, wie beispielsweise unachtsames Grillen im Freien, weggeworfene Zigarettenstummel oder Arbeiten mit Funkenschlag, als auch durch absichtliche Brandstiftung. Die Motive für Brandstiftung sind vielfältig und reichen von Vandalismus über Streitigkeiten bis hin zu Versuchen, Land für andere Zwecke urbar zu machen. Die Aufklärung solcher Fälle ist komplex und erfordert umfassende Ermittlungen.

Auch bei den Feuern an der kroatischen Adriaküste liegt der Verdacht nahe, daß diese vorsätzlich verursacht wurden. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, daß in der Nähe des Ortes Makarska auf einem kleinen Areal an drei verschiedenen Stellen gleichzeitig Feuer ausgebrochen sei. Solche synchronen Brandausbrüche sind selten zufällig und verstärken den Verdacht der kriminellen Absicht. Die wiederkehrenden Brandkatastrophen in den Sommermonaten stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Natur, die Bevölkerung und die Tourismuswirtschaft in den betroffenen Regionen dar.

Teil-Entwarnung in Kroatien: Kampf gegen die Flammen geht weiter

An der kroatischen Adria-Küste haben sich viele Urlauber und Bewohner vor heftigen Flächenbränden in Sicherheit bringen müssen. Die Feuer haben mehrere beliebte Touristenorte auf einer Strecke von etwa 50 Kilometern südlich von Split am Meer betroffen, darunter bekannte Ferienorte, die in der Hochsaison stark frequentiert sind. Die Bilder von den Evakuierungen und den brennenden Landschaften sorgten weltweit für Besorgnis.

Am Sonntagabend gab es jedoch eine leichte Teil-Entwarnung: Der größte Brandherd, der sich zwischen den Orten Omis und Makarska ausgedehnt hatte, konnte unter Kontrolle gebracht werden. Dies erklärte die Feuerwehr nach Angaben des Nachrichtenportals „index.hr“, was eine Erleichterung für die betroffenen Gemeinden und die dort verbliebenen Einsatzkräfte darstellt. Auch ein Feuer am Stadtrand von Split, das die Großstadt bedrohte, wurde den Angaben zufolge gelöscht. Ein zunächst wegen des Feuers gesperrter Abschnitt der wichtigen Küstenautobahn wurde am Montag wieder für den Verkehr freigegeben, was die logistische Situation entspannt.

Trotz dieser Teilerfolge bleibt die Lage angespannt, und die Einsatzkräfte sind weiterhin in höchster Alarmbereitschaft, da sich die Witterungsbedingungen schnell ändern können und neue Brände jederzeit ausbrechen können.

Flucht in Notunterkünfte: Hilfe für Urlauber und Bewohner

Die Auswirkungen der Brände auf die Bevölkerung und die Touristen waren massiv. Mehrere Gemeinden hatten im Laufe des gestrigen Tages Notunterkünfte für die in Sicherheit gebrachten Menschen eingerichtet. Dutzende Touristen machten von diesen Schutzmöglichkeiten Gebrauch und fanden dort vorübergehend Unterschlupf und Versorgung. Das Rote Kreuz entsandte Sanitäter und Ärzte in die betroffenen Gebiete, die verschiedene Leichtverletzte behandelten und medizinische Hilfe leisteten. Helfer versorgten die Menschen zudem mit Nahrungsmitteln und Wasser, um die Grundbedürfnisse der Evakuierten zu decken. Das Feuer war zunächst etwa 30 Kilometer südlich von Split im Gebiet der Siedlungen Pisak und Marusici ausgebrochen. Insbesondere Marusici, ein Küstenort mit etwa 200 Einwohnern und vielen Touristen, mußte vollständig evakuiert werden.

Die Wasserpolizei spielte eine entscheidende Rolle bei der Rettung vieler Menschen, die per Schiff in Sicherheit gebracht wurden, da die Landwege durch die Flammen blockiert waren. Zahlreiche Häuser und Autos brannten in den betroffenen Gebieten aus, was für die Eigentümer einen immensen Verlust bedeutet und die Zerstörungskraft der Brände eindringlich vor Augen führt. Die Ereignisse in Griechenland und Kroatien sind eine Mahnung an die Notwendigkeit umfassender Präventionsmaßnahmen und einer schnellen, koordinierten Reaktion im Falle von Waldbränden, um Menschenleben zu schützen und materielle Schäden zu minimieren.

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