Die staatliche rumänische Fluggesellschaft Tarom hat das erste Flugzeug des Typs Boeing 737-Max-8 in ihre Flotte übernommen. Die fabrikneue Maschine mit der Kennung YR-BGO traf nach ihrer Überführung aus den Vereinigten Staaten am Abend des 8. September 2026 auf dem Heimatflughafen Bukarest Henri Coanda ein.
Die Einflottung des Passagierflugzeugs erfolgt in einer Phase, in der das Management der Fluggesellschaft den bestehenden Restrukturierungsplan überarbeitet, um die langjährigen finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens zu bewältigen. Neben diesem ersten Neuzugang erwartet das Unternehmen in Kürze die Auslieferung einer zweiten Maschine desselben Typs, während insgesamt acht weitere Einheiten der Baureihe Boeing 737-Max-8 im Auftragsbuch des amerikanischen Herstellers stehen. Die Modernisierung des Fluggeräts ist ein zentrales Element im operativen Betrieb der Gesellschaft, die zeitgleich unter dem Druck steht, ihre Betriebskosten zu senken und die Effizienz des Streckennetzes zu steigern.
Ablauf der Überführung und technische Details der Flottenerweiterung
Die Erstauslieferung des Typs Boeing 737-Max-8 an Tarom vollzog sich über mehrere Etappen. Das Flugzeug mit der Werksnummer 60196 wurde am 19. August 2026 unter einem Flugcode des Herstellers vom Produktionsstandort Renton zum Flughafen Seattle Boeing Field überführt. Nach der formalen Eigentumsübertragung in Seattle trat die Maschine den Überführungsflug nach Europa an. Der Flugweg führte über den nordamerikanischen Kontinent mit einer Zwischenlandung auf dem Flughafen Reykjavik Keflavik am 7. September 2026, bevor der Weiterflug nach Bukarest am darauffolgenden Tag abgeschlossen wurde.
Das zweite Flugzeug dieses Typs mit der Registrierung YR-BGN und der Werksnummer 66425 steht ebenfalls vor der unmittelbaren Auslieferung und soll innerhalb weniger Tage am Drehkreuz der Fluggesellschaft eintreffen. Die Bestuhlung und Konfiguration der neuen Mittelstreckenflugzeuge richtet sich nach dem aktuellen Einsatzkonzept der Fluggesellschaft, das sowohl europäische Linienverbindungen als auch verbleibende Routen im Nahen Osten abdeckt. Die neuen Modelle ersetzen schrittweise ältere Einheiten der Flugzeugfamilie Boeing 737, die seit vielen Jahren im Dienst der Gesellschaft stehen.
Aktuelle Flottenzusammensetzung und operative Kapazitäten
Mit dem Eintreffen der ersten Boeing 737-Max-8 setzt sich der operative Flugzeugpark von Tarom aus verschiedenen Baugruppen zusammen. Im Segment der Turboprop-Maschinen betreibt die Gesellschaft zwei Flugzeuge des Typs ATR 72-500 sowie vier modernere Einheiten der Baureihe ATR 72-600. Diese Regionalflugzeuge werden primär auf innerrumänischen Strecken sowie auf Verbindungen in nahegelegene Nachbarstaaten eingesetzt. Für das Mittelstreckennetz verfügt das Unternehmen neben der neu zugegangenen Maschine über drei ältere Modelle des Typs Boeing 737-700 und vier Einheiten der Variante Boeing 737-800.
Die bestehenden Bestellungen über insgesamt neun weitere Maschinen der Reihe Boeing 737-Max-8 stellen eine langfristige Festlegung auf diesen Flugzeugtyp dar. Ziel dieser Flottenvereinheitlichung ist es, die Ausgaben für Wartung, Ersatzteilhaltung und die Schulung des Flug- und Bodenpersonals zu reduzieren. Durch die Heterogenität der bisherigen Flotte entstanden in der Vergangenheit vergleichsweise hohe fixe Betriebskosten, die das operative Ergebnis der Fluggesellschaft belasteten.
Finanzielle Restrukturierung und behördliche Vorgaben
Die Auslieferung der neuen Flugzeuge überschneidet sich zeitlich mit tiefgreifenden organisatorischen und finanziellen Verhandlungen. Tarom befindet sich seit mehreren Jahren in einer wirtschaftlichen Krise und ist auf staatliche Beihilfen sowie Umstrukturierungsprogramme angewiesen. Die Europäische Kommission prüfte in der Vergangenheit mehrfach die Konformität der staatlichen Beihilfen mit dem europäischen Wettbewerbsrecht. Um die Genehmigung für Finanzhilfen des rumänischen Staates zu erhalten, musste das Unternehmen einen Umstrukturierungsplan vorlegen, der unter anderem den Abbau von Personal, die Veräußerung von Vermögenswerten und die Reduzierung unrentabler Flugverbindungen vorsah.
Das neu eingesetzte Management der Fluggesellschaft arbeitet derzeit an einer Überarbeitung dieses Sanierungskonzepts. Die Anpassungen sind erforderlich, da die ursprünglichen finanziellen Ziele und Konsolidierungsschritte durch veränderte Marktbedingungen, gestiegene Treibstoffpreise und verzögerte Auslieferungen von Fluggerät nicht in vollem Umfang erreicht werden konnten. Der Erfolg der Sanierung hängt maßgeblich davon ab, ob die Fluggesellschaft mit dem neuen Fluggerät wieder profitabel arbeiten und die Vorgaben der europäischen Wettbewerbsbehörden erfüllen kann.
Wettbewerbsumfeld am Standort Bukarest
Der Heimatmarkt von Tarom ist durch einen intensiven Konkurrenzdruck gekennzeichnet. Am Flughafen Bukarest Henri Coanda stehen die staatliche Fluggesellschaft und andere traditionelle Netzwerkträger in starkem Wettbewerb mit europäischen Billigfluggesellschaften. Anbieter wie Wizz Air und Ryanair haben ihre Marktanteile in Rumänien in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und bedienen einen Großteil des Passagieraufkommens im Direktverkehr nach West- und Mitteleuropa.
In diesem Marktumfeld muss Tarom eine nachhaltige Nische finden. Die Fokussierung auf Kernstrecken, der Ausbau von Kooperationen innerhalb von Luftfahrtallianzen sowie die Modernisierung der Kabinenausstattung gelten als wesentliche Bausteine, um Geschäftsreisende und Umsteiger an das Unternehmen zu binden. Die Inbetriebnahme der neuen Boeing 737-Max-8 soll dazu beitragen, die Verlässlichkeit des Flugbetriebs zu erhöhen und die betrieblichen Aufwendungen auf den Hauptstrecken zu senken.