Die niederländische Fluggesellschaft KLM hat am 2. Oktober 2026 ihren ersten Airbus A350-900 am Flughafen Amsterdam Schiphol in Empfang genommen.
Das Langstreckenflugzeug mit dem Namen „Nachtwache“ – angelehnt an das berühmte Gemälde von Rembrandt van Rijn – soll in den kommenden Wochen im Passagierbetrieb eingesetzt werden und feiert sein Debüt auf der Route nach Toronto. Mit der Auslieferung beginnt bei der Fluggesellschaft ein schrittweiser Generationswechsel auf den Interkontinentalstrecken. Gleichzeitig wird der operative Start von bürokratischen Hürden bei den behördlichen Genehmigungsverfahren für die Kabinenausstattung begleitet.
Kulturelles Namenskonzept und technische Parameter der Flotte
Für die Namensgebung ihrer neuen A350-Flotte greift die Fluggesellschaft auf Meisterwerke der niederländischen Kunstgeschichte zurück. Während das erste Flugzeug nach Rembrandts Monumentalgemälde benannt ist, soll die zweite Maschine den Namen „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ tragen, inspiriert von Johannes Vermeer. Die Flugzeuge sind Teil einer im Jahr 2023 getätigten Großbestellung des Mutterkonzerns Air France-KLM über insgesamt 50 Festbestellungen für den Airbus A350 mit Optionen auf weitere 40 Einheiten. Mindestens 22 Maschinen des Typs A350-900 sind dabei für die Flotte von KLM vorgesehen.
Die Einflottung der A350-Serie dient dem schrittweisen Ersatz älterer Langstreckenmuster. Die Maschinen lösen in den kommenden Jahren die zweistrahligen Boeing 777-200ER sowie die Airbus-Muster A330-200 und A330-300 ab. Der Flugzeughersteller Airbus verweist bei dem Modell auf eine modernisierte Aerodynamik, leichte Verbundwerkstoffe sowie Triebwerke des Typs Rolls-Royce Trent XWB, die im Vergleich zu früheren Flugzeuggenerationen eine Verringerung des Treibstoffverbrauchs um rund 25 Prozent ermöglichen. Für die Passagiere bietet das Flugzeug unter anderem vergrößerte Gepäckfächer, eine erweiterte Kabinenbeleuchtung sowie einen Satelliten-Internetdienst mit hoher Bandbreite.
Bürokratische Hürden bei der Zertifizierung der Business Class
Trotz der feierlichen Übergabe überschatten regulatorische Anforderungen den Start der neuen Flotte. Die europäische Zivilluftfahrtbehörde EASA hat die Überprüfung der neu installierten Business-Class-Sitze zum Zeitpunkt der Auslieferung noch nicht abgeschlossen. Grund dafür sind geänderte Auslegungsrichtlinien der Sicherheitsbehörden für Schalensitze im Flugverkehr. Dies führt zu der außergewöhnlichen Situation, dass die 34 Einzelsuiten des Herstellers Stelia Aerospace im vorderen Teil der Kabine beim bevorstehenden Betriebsstart auf der Strecke nach Toronto vorübergehend unbesetzt bleiben müssen.
Die Zuweisung der Plätze im Buchungssystem beschränkt sich daher vorerst auf die 26 Sitze der Klasse Premium Comfort und die 271 Plätze der Economy Class. In einer offiziellen Mitteilung zur Auslieferung gab KLM bekannt, dass die EASA die Testergebnisse der Sitzhersteller inzwischen gebilligt hat, womit das formelle Zertifizierungsverfahren eingeleitet werden konnte. Ob die Freigabe rechtzeitig vor den ersten kommerziellen Linienflügen vorliegt oder ob das Flugzeug zunächst mit abgesperrter Business-Class-Kabine abhebt, ließ die Fluggesellschaft bislang offen. Ähnliche Zulassungsverzögerungen bei neuartigen Premium-Kabinen hatten im Jahresverlauf bereits andere internationale Fluggesellschaften betroffen.
Streckennetz und operative Planung
Nach dem geplanten Erstflug auf der Nordatlantikroute nach Toronto am 23. Oktober 2026 plant die Airline den schrittweisen Einsatz der A350-900 auf weiteren Langstreckenverbindungen. Zu den festgelegten Zielorten gehören unter anderem Montreal in Kanada sowie afrikanische Destinationen wie Kilimandscharo, Dar es Salaam, Nairobi und Sansibar.
Der Umbau der Langstreckenflotte ist Teil eines umfassenden Investitionsprogramms des Konzerns in Höhe von sieben Milliarden Euro. Neben der A350-900 für den Passagierverkehr umfasst dieses Programm auch die Frachtvariante A350F, den Zulauf von Mittelstreckenflugzeugen des Typs Airbus A321neo sowie die Erneuerung der Regionalflotte der Tochtergesellschaft KLM Cityhopper durch Maschinen des Typs Embraer E2. Mit dem Zulauf der neuen Großraumflugzeuge strebt die Fluggesellschaft eine Vereinheitlichung der Wartungsabläufe und eine Senkung der Betriebskosten auf den internationalen Hauptrouten an.