Die Deutsche Lufthansa AG strebt im Rahmen ihrer geschäftlichen Ausrichtung bis zum Jahr 2030 eine operative Marge zwischen acht und zehn Prozent an. Als ein wesentlicher Faktor für das Erreichen dieses Renditeziels gilt die schrittweise Einführung des Kabinenkonzepts Allegris auf der Langstrecke.
Nach Verzögerungen bei Zulassung und Produktion verzeichnet der Konzern im laufenden Betrieb auf den damit ausgestatteten Strecken eine erhöhte Zahlungsbereitschaft im Premiumsegment. Vor dem Hintergrund der Buchungsentwicklung prüft das Unternehmen eine Anpassung der Bestuhlung für künftig auszuliefernde Langstreckenflugzeuge, um den Anteil an höherpreisigen Sitzplätzen weiter zu steigern. Im Oktober 2026 erwartet die Fluggesellschaft das erste Exemplar des Airbus A350-1000 am Drehkreuz München. Das mit knapp 74 Metern Länge größte Modell der A350-Baureihe wird ab Werk mit der neuen Kabinenausstattung ausgeliefert und ist für eine Gesamtkapazität von 300 Passagieren ausgelegt, womit der Fokus klar auf den gehobenen Beförderungsklassen liegt.
Entwicklung des Kabinenlayouts und Verteilung der Beförderungsklassen
Die Konfiguration der ersten A350-1000 verdeutlicht die stärkere Gewichtung höherer Ticketkategorien im Vergleich zu früheren Flottengenerationen. Der Sitzplan sieht Aufteilungsmöglichkeiten für bis zu vier Gäste in der First Class vor, während sich die Business Class über 49 Sitzplätze erstreckt. In der Premium Economy Class sind 35 Plätze vorgesehen. Im direkten Vergleich zu den bereits eingesetzten Mustern des Typs A350-900 mit Vier-Klassen-Bestuhlung bedeutet dies einen Zuwachs von jeweils elf Sitzplätzen in der Business Class und der Premium Economy Class.
In der Standard-Klasse, der Economy Class, werden im A350-1000 bis zu 212 Passagiere untergebracht. Das sind ebenfalls elf Plätze mehr als in der kleineren Variante A350-900. Prozentual betrachtet wächst das Angebot in den oberen Preissegmenten damit deutlich stärker als im hinteren Teil der Kabine. Die Premium Economy gilt innerhalb des Konzerns seit geraumer Zeit als jene Reiseklasse mit dem höchsten Deckungsbeitrag pro Quadratmeter Kabinenfläche. Während der Wettbewerb im Standardsegment vor allem über den Endpreis geführt wird, verzeichnet die Fluggesellschaft im Premium-Bereich eine stabilere Nachfrage von Geschäfts- und Privatreisenden.
Überlegungen zur weiteren Erhöhung der Premiumsitz-Kapazitäten
Aufgrund der aktuellen Nachfrageentwicklung berät die Konzernführung über eine noch stärkere Ausrichtung der Flotte auf höherpreisige Segmente. Vorstandschef Carsten Spohr deutete bei einer internen Veranstaltung im Juni 2026 an, dass das Angebot an Premiumsitzen auf bestimmten Strecken und in einzelnen Flugzeugtypen an Kapazitätsgrenzen stoße. Es werde daher geprüft, die Zahl dieser Plätze bei künftigen Flugzeugbestellungen und Kabinenkonfigurationen weiter aufzustocken.
Diese Überlegungen stehen in direktem Zusammenhang mit den Ertragserwartungen für das Produkt Allegris. Nach Angaben der Unternehmensführung lassen sich in der neuen Business Class um bis zu zehn Prozent höhere Durchschnittserlöse im Vergleich zu den bisherigen Standartmodellen erzielen. Um die geplanten finanziellen Vorgaben zu erreichen, muss das Unternehmen zeitnah Entscheidungen über die endgültigen Layouts treffen. Der Zeitplan sieht vor, dass bis Ende 2026 ein Drittel der Langstreckenflotte der Kernmarke mit der neuen Inneneinrichtung ausgestattet ist. Bis zum Jahr 2027 soll dieser Anteil auf mehr als zwei Drittel steigen.
Umrüstung bestehender Flugzeuge und Flottenzulauf
Neben der Auslieferung fabrikneuer Maschinen läuft parallel ein Programm zur Nachrüstung bestehender Flugzeuge. Die Flotte der kleineren A350-900 wird schrittweise vollständig umgebaut. Bei den Maschinen des Typs Boeing 747-8 ist eine teilweise Erneuerung der Passagierkabinen vorgesehen. Im Jahr 2027 wird mit der Boeing 777-9 ein weiteres Langstreckenmodell zur Flotte stoßen. Diese Flugzeuge sollen am Drehkreuz Frankfurt eingesetzt werden und dort unter anderem die älteren Einheiten der Reihe Boeing 747-400 ersetzen. Nach derzeitigen Planungen werden die ersten gelieferten Einheiten der Boeing 777-9 ohne First Class, jedoch mit einer vergrößerten Business Class in den Dienst gestellt.
Die Verteilung des neuen Produkts war in der Anfangsphase durch erhebliche Verzögerungen geprägt. Die ursprüngliche Ankündigung des Konzepts erfolgte bereits im Jahr 2017, wobei der operative Einsatz ursprünglich für das Jahr 2020 vorgesehen war. Durch Unterbrechungen in den Lieferketten, Produktionsengpässe bei den Sitzherstellern und langwierige Zertifizierungsverfahren verzögerte sich der Ersteinsatz bis ins Jahr 2024, wobei erste Flüge zunächst ausschließlich ab München durchgeführt wurden.
Betriebliche Hürden am Drehkreuz Frankfurt
Am Standort Frankfurt konnte die Buchung des Allegris-Angebots erst im Jahr 2025 auf neuen Flugzeugen des Typs Boeing 787-9 aufgenommen werden. Der Start verlief jedoch nicht ohne administrative Komplikationen. Wegen einer ausstehenden Zulassung der Sitzbefestigungen in der Business Class durch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration mussten in den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme mehrere Sitzreihen im Premiumsegment unbesetzt bleiben. Dieser Umstand verringerte das verfügbare Sitzplatzangebot vorübergehend und führte zu Mindereinnahmen im laufenden Flugbetrieb.
Mit dem fortschreitenden Abbau der Genehmigungsstaus und der kontinuierlichen Flottenerneuerung setzt der Konzern darauf, die Ertragslage im Interkontinentalverkehr nachhaltig zu festigen. Die strategische Festlegung auf eine erweiterte Bestuhlung im gehobenen Preissegment bleibt dabei der zentral ausgewiesene Hebel, um die angestrebte Zielmarge im globalen Wettbewerb zu sichern.