ATR72-500 (Foto: MarcelX42).
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Flottenproblem: Blue Islands muss Sommerflugplan 2025 kürzen

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Die auf den Kanalinseln ansässige regionale Fluggesellschaft Blue Islands hat einschneidende Maßnahmen ergriffen und 28 Flüge ihres Sommerflugplans, was etwa 13 Prozent des Gesamtangebots entspricht, bis Mitte Juli gestrichen. Dieser Schritt wurde notwendig, um die zuletzt beeinträchtigte Servicezuverlässigkeit wiederherzustellen.

Die operativen Störungen der vergangenen Zeit waren primär auf umfangreiche Wartungsarbeiten an der Flugzeugflotte sowie auf anhaltende Verzögerungen in den globalen Lieferketten der Luftfahrtindustrie zurückzuführen. Die Fluggesellschaft steht vor der Herausforderung, ihren Passagieren einen verlässlichen Flugbetrieb zu gewährleisten, sieht sich aber durch externe Faktoren erheblich eingeschränkt.

Die Reduzierung des Flugplans betrifft konkret vier der insgesamt achtzehn geplanten Sommerrouten von Blue Islands. Reisende, die Verbindungen von Jersey nach Birmingham, Bristol International und Exeter gebucht haben, sowie Passagiere auf der Strecke von Guernsey nach Southampton müssen mit Flugausfällen rechnen. In einer offiziellen Erklärung versicherte Blue Islands jedoch, dass ein täglicher Mindestverkehr zu den Destinationen Bristol und Exeter aufrechterhalten werde. Ebenso sollen die mehrmals täglich bedienten Verbindungen zwischen Guernsey und Southampton weiterhin größtenteils planmäßig stattfinden. Darüber hinaus betonte die Fluggesellschaft die Sicherstellung wichtiger Dienste wie dringende Patiententransfers zwischen den Inseln und dem Festland sowie den kontinuierlichen Frachttransport, welche Priorität genießen sollen.

Ursachen der Betriebsstörungen: Globale Lieferketten und unerwartete Wartungsbedarfe

Als Hauptursache für die aktuellen Flottenprobleme nannte Blue Islands die anhaltenden Schwierigkeiten in den globalen Luftfahrt-Lieferketten. Diese Probleme betreffen die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Kapazitäten für notwendige Wartungsarbeiten. Konkret führte die Fluggesellschaft aus, dass die Auslieferung eines neuen Flugzeugs, das die Flotte verstärken sollte, sich aufgrund langwieriger Wartungsmaßnahmen durch den Leasinggeber um nahezu vier Monate verzögert habe. Ein weiteres Flugzeug der bestehenden Flotte ist derzeit ausser Betrieb, nachdem es durch die Aufnahme von Fremdkörpern ins Triebwerk zu einem Schaden gekommen war. Die Reparatur dieses Schadens wird zusätzlich erschwert durch den weltweiten Mangel an benötigten Ersatzteilen und Ersatztriebwerken. Diese unglückliche Kombination aus verspäteter Flugzeuglieferung und unerwarteten Ausfällen innerhalb der bestehenden Flotte hat die operative Planung von Blue Islands erheblich beeinträchtigt.

Ein Blick auf die Flotte von Blue Islands, basierend auf Daten des ch-aviation Commercial Aviation Aircraft Data Moduls, verdeutlicht die angespannte Situation. Zwei der insgesamt fünf ATR72-500 Turboprop-Flugzeuge, registriert als G-ISLK (Seriennummer 0634) und G-ISLN (Seriennummer 0884), sind gegenwärtig aus Wartungsgründen am Boden. Hinzu kommt, dass das erste ATR72-600 der Fluggesellschaft, obwohl bereits im Vereinigten Königreich als G-ISLP (Seriennummer 1167) zugelassen, sich weiterhin in Exeter in der Wartung vor der eigentlichen Auslieferung an Blue Islands befindet. Diese Umstände verdeutlichen die unmittelbaren Auswirkungen auf die Einsatzfähigkeit der Flotte und zwingen die Fluggesellschaft zu den nun angekündigten Flugstreichungen.

Zwiespältige Bilanz: Hohe operative Leistung im März trifft auf aktuelle Engpässe

Es erscheint bemerkenswert, dass Blue Islands trotz dieser gegenwärtigen Herausforderungen im März dieses Jahres noch eine hohe operative Leistung erbrachte. Laut eigenen Angaben und unter Berufung auf Daten der britischen Zivilluftfahrtbehörde (Civil Aviation Authority) führte die Fluggesellschaft im März beeindruckende 98,5 Prozent ihrer geplanten Flüge durch. Diese Zahl unterstreicht das Bestreben von Blue Islands, einen zuverlässigen Service zu bieten, und die aktuellen Probleme scheinen somit primär auf die genannten externen Faktoren zurückzuführen zu sein.

Das Streckennetz von Blue Islands umfasst regulär 214 wöchentliche Flüge, die die Kanalinseln untereinander sowie mit Zielen im Vereinigten Königreich und Kontinentaleuropa verbinden. Glücklicherweise bleiben zahlreiche andere Routen von den aktuellen Anpassungen des Sommerflugplans unberührt. Dazu gehören beispielsweise die Verbindungen von Jersey nach Southampton, Guernsey, Nottingham East Midlands, Norwich International, Newcastle, Paris Charles de Gaulle, Zürich und Rotterdam sowie die Strecken von Guernsey nach Jersey, Exeter, East Midlands, Newcastle, Norwich und Rotterdam. Dies dürfte zumindest einen Teil der Reisenden auf den Kanalinseln und in der Region beruhigen.

Die nun notwendigen Flugstreichungen stellen für Blue Islands einen empfindlichen Rückschlag dar, insbesondere zu Beginn der wichtigen Sommersaison. Die Fluggesellschaft steht vor der großen Aufgabe, die Probleme in der Flottenwartung und den Lieferketten schnellstmöglich zu lösen, um die Auswirkungen auf ihre Passagiere so gering wie möglich zu halten und die Servicezuverlässigkeit wieder vollständig zu gewährleisten. Betroffene Reisende werden sich nun auf mögliche Umbuchungen und Reiseplanänderungen einstellen müssen. Es bleibt abzuwarten, wie rasch Blue Islands die operationellen Herausforderungen bewältigen und zu einem stabilen Flugbetrieb zurückkehren kann. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um das Vertrauen der Passagiere in die Zuverlässigkeit der regionalen Fluggesellschaft zu festigen.

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