Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic bereitet vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden Finanzkrise und Flottenverkleinerung personelle Einschnitte an ihren Standorten vor.
Wie der Verwaltungsratsvorsitzende Andrejs Martinovs am 20. Oktober 2026 im lettischen Rundfunk bestätigte, tritt die Fluggesellschaft nach gescheiterten Tarifverhandlungen in die operative Phase von Massenentlassungen ein. Ein Vorstoß der Unternehmensführung, den Personalbedarf durch kollektive Arbeitszeitverkürzungen – darunter ein Modell mit 85-prozentigem Beschäftigungsgrad – ohne Kündigungen abzufedern, fand bei den Arbeitnehmervertretern keine Zustimmung. Künftig werden Anträge auf Teilzeitarbeit nur noch auf individueller Basis geprüft.
Der geplante Stellenabbau steht in direktem Zusammenhang mit einer drastischen Verkleinerung der operativen Flotte. Bis Ende 2026 soll der Bestand von bisher 54 Flugzeugen des Typs Airbus A220-300 auf 36 Maschinen reduziert werden. Erst im Verlauf der verbleibenden Dekade plant die Carrier-Führung eine schrittweise Aufstockung auf 40 Flugzeuge bis zum Jahr 2030. Um den Betrieb bei reduzierter Liquidität aufrechtzuerhalten, strebt die Airline eine Neuordnung ihrer Verbindlichkeiten im Rahmen eines Gläubigerschutzverfahrens nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts an, wofür bereits Zwischenfinanzierungen zugesagt wurden.
Im Vorfeld hatte die Unternehmensleitung einen Abbau von 500 bis 700 Arbeitsplätzen an den Basen in Riga, Vilnius und Tallinn angedeutet. Eine endgültige Gesamtzahl oder ein präziser Zeitplan für den Vollzug der Kündigungen stehen laut Martinovs jedoch noch aus, da freiwillige Abgänge das Ausmaß der Kündigungen kontinuierlich beeinflussen. Befürchtungen einer ungeordneten Fluktuation des Fachpersonals trat die Führung entgegen.