Die staatliche türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines baut im Zuge ihrer langfristigen Flottenvergrößerung die eigenen Kapazitäten für die Pilotenausbildung weiter aus. Wie das Unternehmen und der heimische Technologiekonzern Havelsan bekannt gaben, wurde eine Vereinbarung über die Lieferung von insgesamt zwölf neuen Flugsimulatoren unterzeichnet.
Der Vertrag umfasst acht Full-Flight-Simulatoren sowie vier Flight-Training-Devices. Die Systeme sollen in das neue Ausbildungszentrum der Fluggesellschaft integriert werden, dessen erster Bauabschnitt nach dem Spatenstich im Januar 2026 im Jahr 2027 in Betrieb genommen werden soll. Die Fertigstellung der gesamten Anlage ist für das Jahr 2028 geplant.
Mit der Beschaffung reagiert die Fluggesellschaft auf den steigenden Bedarf an Cockpitpersonal, der aus der angestrebten Vergrößerung der Flotte auf mehr als 800 Flugzeuge bis zum Jahr 2033 resultiert. Durch den Einsatz der in der Türkei entwickelten Simulationsgeräte weitet das Unternehmen nicht nur den Eigenbedarf für das eigene Personal aus, sondern plant künftig auch Schulungskapazitäten für Drittanbieter und fremde Fluggesellschaften anzubieten. Der Auftrag stellt zudem einen Entwicklungsschritt für den Hersteller Havelsan dar, der mit dieser Vereinbarung erstmals Simulationssysteme für Großraumflugzeuge im zivilen Sektor bereitstellt.
Die engere Einbindung heimischer Zulieferer entspricht der Industriepolitik des Landes, die auf eine höhere Wertschöpfung im eigenen Land und die Reduzierung technischer Importe im Luftfahrtsektor abzielt. In den bestehenden Schulungszentren von Turkish Airlines kommen bereits mehrere von Havelsan gefertigte und nach internationalen Standards zertifizierte Simulatoren für die Flugzeugtypen Airbus A320 sowie Boeing 737 zum Einsatz.
Kritische Marktbeobachter verweisen jedoch darauf, dass der ambitionierte Ausbau des Streckennetzes und der Flotte erhebliche Anforderungen an die Rekrutierung und die kontinuierliche Qualität der Ausbildung stellt. Das Erreichen der operativen Ziele hängt maßgeblich davon ab, ob die Fertigstellung der neuen Infrastruktur im vorgesehenen Zeitrahmen gelingt und ob die Verfügbarkeit von qualifiziertem Ausbildungspersonal mit dem raschen Wuchs der Flugzeugflotte Schritt halten kann.