Das Verschwinden des Malaysia-Airlines-Fluges MH370 im März 2014 gehört zu den größten Rätseln der Luftfahrtgeschichte.
Nach mehr als zehn Jahren intensiver Suche und unzähligen Spekulationen über den Verbleib der Maschine gibt es nun möglicherweise neue Erkenntnisse. Vincent Lyne, ein australischer Wissenschaftler von der University of Tasmania, behauptet, das Wrack der vermissten Maschine lokalisiert zu haben – und zwar in einem der tiefsten und unzugänglichsten Teile des Indischen Ozeans. Seine Studie, die kürzlich im „Journal of Navigation“ veröffentlicht wurde, bringt frischen Wind in die Diskussion um das Schicksal der Boeing 777, die mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwand.
Vincent Lyne hat in seiner jüngsten Studie einen Ort ausfindig gemacht, der möglicherweise das finale Versteck von Flug MH370 beherbergt. Laut Lyne befindet sich das Wrack in einem 6.000 Meter tiefen Loch am Ende des Broken Ridge, einem ozeanischen Plateau im südöstlichen Indischen Ozean. „Ein perfektes Versteck“, beschreibt Lyne diesen Ort, der durch seine extreme Tiefe und die zerklüftete Umgebung den bisherigen Suchaktionen entgangen sein könnte. Diese Entdeckung, so Lyne, könnte erklären, warum das Wrack trotz intensiver und teurer Suchaktionen nicht gefunden wurde.
Die Studie von Lyne basiert auf der Analyse von Geodaten und dem Vergleich mit früheren Suchergebnissen. Laut Lyne sind die geophysikalischen Eigenschaften des Gebiets – inklusive der starken Strömungen und der komplexen Unterwasserlandschaft – entscheidend für das Verständnis, warum das Wrack bislang nicht entdeckt werden konnte.
Die Ursachen des Absturzes: Absichtliches Landemanöver oder Notlage?
Neben der lokalen Entdeckung wirft Lyne auch eine kontroverse Theorie über die Ursachen des Absturzes auf. Er vertritt die Ansicht, dass der Absturz nicht durch Treibstoffmangel, wie vielfach vermutet, verursacht wurde, sondern durch ein absichtliches Landemanöver des Kapitäns Zaharie Shah. Lyne stützt diese Theorie auf die Schäden an den Flügeln und dem Klappensystem der gefundenen Wrackteile. Diese Schäden ähneln denen, die bei einer kontrollierten Notlandung wie der von Chesley „Sully“ Sullenberger auf dem Hudson River im Jahr 2009 auftraten.
Larry Vance, ein kanadischer Luftfahrtexperte, hat ebenfalls auf Schäden an einem Wrackteil hingewiesen, die seiner Meinung nach auf eine kontrollierte Notlandung hindeuten. Lyne kombiniert in seiner Analyse auch Daten aus dem Heim-Simulator des Piloten und den Längengrad der Landebahn des malaysischen Flughafens Penang, um die genaue Position des Wracks zu ermitteln. Der Schnittpunkt dieser Daten soll sich in dem besagten tiefen Loch befinden, in dem sich MH370 möglicherweise befindet.
Ob die Maschine aufgrund eines technischen Problems oder aus anderen Gründen absichtlich im Meer gelandet wurde, bleibt unklar. Die Studie wirft die Frage auf, ob der Kapitän sich aus einer Notlage heraus oder absichtlich für eine Wasserlandung entschieden hat. Diese Fragen bleiben trotz der neuen Entdeckungen und Theorien offen. Lyne fordert die zuständigen Behörden auf, den von ihm lokalisierten Standort mit höchster Priorität zu untersuchen, um den Angehörigen der Vermissten möglicherweise endlich Klarheit und Frieden zu bringen.
Reaktionen und Ausblick
Die neu veröffentlichten Ergebnisse von Vincent Lyne könnten den Verlauf der weiteren Ermittlungen maßgeblich beeinflussen. Die internationale Gemeinschaft, die über Jahre hinweg zahlreiche Theorien und Suchaktionen hervorgebracht hat, wird gespannt auf die Überprüfung der neuen Entdeckung blicken. Lyne appelliert an die Behörden, die von ihm ermittelte Stelle im Indischen Ozean zu untersuchen, um vielleicht eine der größten Fragen der Luftfahrtgeschichte zu beantworten.
Die Untersuchung des neuen möglichen Wrackorts könnte nicht nur neue Erkenntnisse über das Schicksal von MH370 liefern, sondern auch wichtige Erkenntnisse darüber, wie Flugzeugabstürze in schwer zugänglichen und extremen Umgebungen besser untersucht werden können. Bis eine endgültige Bestätigung erfolgt, bleibt das Schicksal von Flug MH370 eines der größten ungelösten Rätsel der Luftfahrtgeschichte.