Bei der US-amerikanischen Fluggesellschaft American Airlines wachsen die Spannungen zwischen dem Management und der Kabinenbesatzung. Die Gewerkschaft Association of Professional Flight Attendants (APFA), die mehr als 30.000 Flugbegleiter vertritt, wirft der Unternehmensleitung eine übermäßige Beaufsichtigung und Mikromanagement vor.
Auslöser der Kritik ist eine im Juni 2025 von Vizepräsidentin Bobbi Wells eingeleitete Umstrukturierung der Inflight-Sparte. Laut Gewerkschaftsangaben führte diese Maßnahme zu einer Zunahme von verpflichtenden Dienstgesprächen, internen Untersuchungen und Dienstenthebungen des Kabinenpersonals.
Nach Zahlen der Gewerkschaft wurden Flugbegleiter allein im Juni 2026 für insgesamt 4.076 Tage von ihren geplanten Einsätzen entbunden, um an Disziplinar- oder Aufklärungsgesprächen teilzunehmen. Grund für die Untersuchungen seien häufig vage Kundenbewertungen, anonyme Beschwerden oder administrative Vorgänge wie der Verlust von Arbeitsgeräten. Die APFA bemängelt, dass Mitarbeiter auch nach Notfällen oder Zwischenfällen mit Passagieren formellen Befragungen unterzogen werden, was zu einer Belastung des Arbeitsklimas führt und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit verletzt.
Die häufigen Entnahmen aus dem Dienstplan haben direkte Auswirkungen auf den laufenden Flugbetrieb. Um die entstehenden Lücken im Besatzungsraster zu füllen, muss die Fluggesellschaft verstärkt auf Reservepersonal zurückgreifen. Dies schränkt die Flexibilität bei der Dienstplangestaltung ein und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Umbuchungen bei Flugverzögerungen. Die Vertretung der Besatzungen argumentiert, dass betriebliche Ressourcen durch administrative Vorgänge gebunden werden, anstatt die operative Stabilität im Netz von American Airlines zu unterstützen.
Um das Ausmaß der Maßnahmen zu dokumentieren, plant die Gewerkschaft in den kommenden Wochen eine systemweite Befragung ihrer Mitglieder. Die Ergebnisse zur Wirkung der neuen Managementstrukturen sollen anschließend der Konzernleitung vorgelegt werden. Vonseiten der Fluggesellschaft wird betont, dass Befragungen und Qualitätskontrollen notwendig seien, um die Service- und Sicherheitsstandards an Bord einzuhalten. Der Streit verdeutlicht die Herausforderungen bei der Personalführung im dicht getakteten US-Inlandsluftverkehr.