LH Allegris First Class (Foto: Lufthansa).
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Flugbegleiter kritisieren Mängel in Lufthansas Allegris-First-Class

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Die Einführung des neuen „Allegris“-Kabinenkonzepts der Lufthansa, insbesondere der ersten Klasse, wird von den eigenen Mitarbeitern scharf kritisiert. In einem internen Schreiben haben die Personalvertreter der Flugbegleiter erhebliche Mängel in der Ausführung und im geplanten Personaleinsatz der neuen Premium-Kabine bemängelt.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die „Suite Plus“, die als Herzstück der neuen ersten Klasse beworben wurde, aber in der praktischen Anwendung, insbesondere für zwei Personen, Schwächen aufweist. Darüber hinaus sorgt die geplante Reduzierung des Personals in der ersten Klasse für Unruhe und Burcht die Servicequalität nachhaltig zu mindern. Der Konzern, der mit „Allegris“ sein Premium-Angebot aufwerten wollte, sieht sich nun mit Bedenken bezüglich der Funktionalität und des Passagiererlebnisses konfrontiert.

Mängel im Design der Allegris-Kabine

Die „Allegris“-Produktlinie, die nach zahlreichen Verzögerungen und Zertifizierungsproblemen endlich debütierte, sollte die Lufthansa in der Premium-Klasse konkurrenzfähig halten. Insbesondere die „Suite Plus“, eine Doppel-Suite mit einem ausklappbaren Doppelbett, sollte ein herausragendes Merkmal sein. Dieses Konzept ähnelt dem, was andere Premium-Airlines wie Singapore Airlines in ihren A380-Jets eingeführt haben. Die Kritik der Crew-Vertreter zielt jedoch genau auf die praktische Umsetzung dieses Konzepts ab.

Laut dem internen Schreiben, über das auch das Fachmagazin „aeroTELEGRAPH“ berichtete, hat die „Suite Plus“ mehrere Mängel. So verfügt sie für zwei Personen lediglich über einen einzigen Bildschirm und einen einzigen Tisch. Zudem wird die fehlende Privatsphäre und das Gefühl der Enge bemängelt. Die Crew-Vertreter schrieben in ihrem Brief: „Paare haben selten die gleichen Schlafgewohnheiten oder Filmvorlieben. Statt einer exklusiven, komfortablen Atmosphäre entsteht ein Gefühl der Enge und des Drucks – keine Spur von einem Premium-Erlebnis.“ Desweiteren sei der Stauraum für zwei Reisende geringer als in den Einzelsuiten. Auch fehlender Stauraum für die Bettwäsche der ersten Klasse wurde beanstandet. Die Crew ist gezwungen, die Bettwäsche in den Gepäckfächern der benachbarten Business Class zu verstauen.

Personalabbau gefährdet Servicequalität

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die Reduzierung des Kabinenpersonals in der ersten Klasse. Bisher wurde die erste Klasse, die bis zu acht Passagiere fassen konnte, von zwei Flugbegleitern exklusiv betreut. Mit der neuen „Allegris“-Konfiguration, die in den Airbus A350-900 Jets der Lufthansa verbaut ist, wird das Personal in der ersten Klasse auf nur einen exklusiven Flugbegleiter reduziert. Die Gesamtbesetzung der Allegris-Crew soll von zwölf auf elf Personen sinken.

Die Vertreter der Kabinenbesatzung sehen darin eine massive Reduzierung der Interaktionszeit mit den Gästen, die den hohen Anspruch der Lufthansa, eine der weltweit besten ersten Klassen zu unterhalten, massiv gefährdet. Insbesondere da das Produkt neu ist und den Gästen, die es zum ersten Mal nutzen, erklärt werden muß, sei dies nicht nachvollziehbar. Die Lufthansa selbst erwägt Modelle, in denen der Flugbegleiter der ersten Klasse auch für die Business Class zuständig ist. Eine Lösung, die von der Crew als unpraktisch und arbeitsintensiv abgelehnt wird. Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte, daß die Reduzierung auf elf Besatzungsmitglieder von Anfang an geplant war, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu reduzieren.

Weitere Probleme mit der neuen Flotte

Die Kritik an der „Allegris“-Kabine ist nur ein weiterer Rückschlag für die Lufthansa in ihrer Modernisierungsstrategie. Die Einführung der neuen Kabine war von zahlreichen technischen Problemen und Verzögerungen überschattet. Zunächst konnte die Lufthansa ihre neuen Airbus A350-900 Jets nicht mit der ersten Klasse betreiben, da diese nicht über die erforderliche FAA-Zertifizierung verfügte. Erst im November konnte die erste Klasse ihren Dienst antreten. Doch die Probleme setzen sich fort: Selbst in der Economy-Klasse können die Sitze in der ersten Reihe nicht verkauft werden, da auch hier die Zertifizierung der Airbags noch aussteht.

Zusätzlich zu den Schwierigkeiten mit dem A350-Programm gibt es Berichte über Probleme mit den Business-Class-Sitzen in der neuen Flotte der Boeing 787-9. Die Auslieferungen dieser Jets haben sich bereits verzögert. Diese Business-Class-Sitze, die von einem anderen Hersteller, Collins Aerospace, stammen, müssen einen eigenen Zertifizierungsprozess durchlaufen. Die Lufthansa hat nun bekannt gegeben, daß sie die Flugzeuge auch ohne vollständige Zertifizierung der Sitze in Empfang nehmen wird, mit der Option, die entsprechenden Plätze blockiert zu lassen. Diese Entscheidung zeigt, wie dringend der Konzern die neuen Flugzeuge benötigt.

Die Summe dieser Probleme, von den Designmängeln in der ersten Klasse bis zu den technischen Schwierigkeiten bei der Zertifizierung, wirft Fragen nach der Qualitätssicherung und der Effizienz der Modernisierungspläne auf. Während die Lufthansa auf ihrer Modernisierung beharrt, deuten die Rückmeldungen der Flugbegleiter und die technischen Probleme darauf hin, daß der Weg zur vollständigen Implementierung der neuen Kabinenkonzepte noch steinig sein wird.

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