Der Flughafen Newark Liberty International, eines der zentralen Drehkreuze für die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines, sieht sich mit anhaltenden und tiefgreifenden Betriebsbeschränkungen konfrontiert. Nach einer Serie von technischen Pannen und umfangreichen Pistenarbeiten in diesem Jahr hat die US-Luftfahrtbehörde FAA die Flugbewegungen bis weit in das Jahr 2026 hinein begrenzt.
Diese ungewöhnliche und weitreichende Maßnahme, die auf Engpässe in der Flugsicherung zurückgeführt wird, hat bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die Fluggesellschaften und wird auch künftig die Kapazitäten im dicht frequentierten Luftraum des Großraums New York massiv einschränken. Fluggesellschaften hatten gehofft, daß die Beschränkungen bald aufgehoben würden, doch die offizielle Ankündigung der FAA macht deutlich, daß der Normalbetrieb auf absehbare Zeit nicht wiederhergestellt werden kann.
Serie von Pannen und Bauarbeiten: Der Weg zu den Beschränkungen
Die Probleme am Flughafen Newark begannen im Frühjahr des Jahres 2025. In den Monaten April und Mai kam es zu gleich zwei kritischen technischen Pannen in der Flugsicherung. Gleich zweimal brach der Funkkontakt zwischen Piloten in und um Newark und der zuständigen Flugsicherung für jeweils 90 Sekunden ab. Obwohl diese Zeitspanne kurz erscheinen mag, handelt es sich um ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem, da die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten die wichtigste Grundlage für einen sicheren Flugbetrieb darstellt. Ein solcher Funkabriß kann bei hohem Verkehrsaufkommen zu Chaos und gefährlichen Situationen führen.
Parallel zu diesen Vorfällen fanden am Flughafen Newark umfangreiche Pistenarbeiten statt, die ebenfalls eine Einschränkung des Flugbetriebs zur Folge hatten. Aus Sorge um die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen sah sich die FAA gezwungen, sofort zu reagieren. Die Luftfahrtaufsichtsbehörde schaltete den Betrieb in Newark vorübergehend auf einen sogenannten Notlauf. Als unmittelbare Konsequenz wurde die Anzahl der Flugbewegungen stark gedrosselt, auf nur noch 28 Starts und 28 Landungen pro Stunde. Dies steht in scharfem Kontrast zum Normalbetrieb, bei dem der Flughafen eine Kapazität von bis zu 77 Flugbewegungen pro Stunde hat.
Fluglotsenmangel: Die verborgene Ursache des Dauerproblems
Nach den sofortigen Einschränkungen in der Folge der technischen Pannen war die Hoffnung bei Fluggesellschaften und Reisenden groß, daß sich der Betrieb schnell wieder normalisieren würde. Die FAA lockerte die Beschränkungen zwar schrittweise auf 68 Starts und Landungen pro Stunde. Nun aber hat die Behörde in einer amtlichen Mitteilung bekannt gegeben, daß die Kapazitäten langfristig gedeckelt bleiben. Ab Oktober soll eine weitere Lockerung auf maximal 72 Flugbewegungen pro Stunde gelten, doch diese Beschränkung soll dann für zwölf Monate in Kraft bleiben. Dies bedeutet, daß die Fluggesellschaften auch für den gesamten Winterflugplan 2026/2027 mit erheblichen Einschränkungen rechnen müssen.
Die FAA begründet diese Entscheidung mit anhaltenden Engpässen in der Flugsicherung. Die An- und Abflüge in Newark werden nicht von einem Kontrollturm am Flughafen selbst, sondern von der Kontrollstation in Philadelphia gesteuert. Dort fehlt es an qualifizierten Fluglotsen, um das gewohnte hohe Verkehrsaufkommen sicher zu bewältigen. Der Mangel an Fluglotsen ist ein landesweites Problem in den Vereinigten Staaten. Viele erfahrene Lotsen gehen in Rente, während die Ausbildung neuer Mitarbeiter aufgrund der Komplexität des Berufs langwierig und anspruchsvoll ist. Die FAA bemüht sich zwar, die Lücke zu schließen, doch der Prozeß ist langwierig, und bis sich die Situation in Philadelphia entspannt, muß der Flugverkehr am Flughafen Newark gewiß gedrosselt bleiben.
Die Auswirkungen auf United Airlines und den Flugbetrieb
Die anhaltenden Beschränkungen treffen vor allem United Airlines hart. Der Flughafen Newark ist das zweitgrößte internationale Drehkreuz im Großraum New York und dient United als wichtigster Hub an der Ostküste. Die Fluggesellschaft wickelt dort mehr als zwei Drittel aller Flüge ab und muß sich nun den strengen Vorgaben der FAA beugen. Schon in diesem Jahr mußte United einige Frequenzen aus dem Programm nehmen und die Flugplanung anpassen. Die Verlängerung der Deckelung bis in das nächste Jahr hinein wird nun zu einer massiven Herausforderung für die langfristige Strategie des Unternehmens. Es erschwert die Einführung neuer Routen und zwingt die Airline, Kapazitäten zu verlagern, was zu finanziellen Einbußen führen kann.
Für eine Fluggesellschaft, deren Geschäftsmodell auf einem effizienten Hub-System beruht, ist eine solche langanhaltende Einschränkung ein ernstzunehmendes Problem. Es beeinflußt nicht nur die direkten Flugverbindungen von und nach Newark, sondern hat auch Auswirkungen auf die gesamten Netzwerke, da die Kapazität von Newark ausstrahlt. United, das in Newark mit Mitbewerbern wie American Airlines und Delta Air Lines konkurriert, steht unter erheblichem Druck, eine Lösung zu finden, um die Auswirkungen auf das eigene Geschäft zu minimieren.
Folgen für Reisende und das New Yorker Luftraumsystem
Die Kapazitätsbegrenzungen am Flughafen Newark haben nicht nur Konsequenzen für die Fluggesellschaften, sondern auch für Reisende. Die Reduzierung der Flugbewegungen führt zwangsläufig zu einem knapper werdenden Angebot, was die Ticketpreise auf vielen Strecken steigen lassen könnte. Zudem erhöhen sich die Wahrscheinlichkeiten für Flugverspätungen, da der Flugplan nun weniger Spielraum für Unregelmäßigkeiten bietet.
Der Fall Newark zeigt aber auch, wie empfindlich das gesamte Luftraumsystem des Großraums New York ist. Die Region, die mit den Flughäfen JFK, LaGuardia (LGA) und Newark eines der verkehrsreichsten Lufträume der Welt besitzt, ist auf eine reibungslose Koordination angewiesen. Ein Problem an einem Flughafen kann schnell einen Dominoeffekt auf die anderen auslösen und das gesamte System ins Wanken bringen. Die Entscheidung der FAA dient somit auch dazu, die Sicherheit und Stabilität des gesamten New Yorker Luftraums zu gewährleisten, indem sie die Belastung durch ein überlastetes Kontrollzentrum reduziert.