Die Einführung des neuen europäischen Einreise- und Ausreisesystems (Entry/Exit System, kurz EES) sorgt an zahlreichen europäischen Flughäfen für massive Verzögerungen und führt zu erheblichen Spannungen zwischen Fluggesellschaften und Behörden.
Die Fluglinien Ryanair, Jet2 und Easyjet berichten von Wartezeiten an den Passkontrollen von bis zu vier Stunden, was vermehrt dazu führt, dass Reisende ihre Flüge verpassen. Ein besonders drastischer Vorfall ereignete sich am Flughafen Mailand-Linate, als eine Maschine der Easyjet nach Manchester mit 122 fehlenden Passagieren starten musste, da diese in den Warteschlangen der Grenzbehörden feststeckten. Das System, das seit dem 10. April 2026 vollumfänglich in Betrieb ist, erfordert die Erfassung biometrischer Daten von Nicht-EU-Bürgern, was den Kontrollprozess pro Person deutlich verlängert.
Ryanair kritisiert die Implementierung des IT-Systems scharf und bezeichnete die Einführung mitten in der Reisezeit als Fehlplanung. Die Fluggesellschaft fordert insbesondere die französischen und italienischen Behörden auf, die biometrischen Kontrollen bis September auszusetzen, um den Ansturm während der Sommermonate bewältigen zu können. Als rechtliche Grundlage führt die Airline die EU-Verordnung 2025/1534 an, die unter bestimmten Umständen Flexibilitäten bei Grenzübertritten ermöglicht. Das Ziel ist es, die Konnektivität und den reibungslosen Ablauf des Luftverkehrs während der Hochsaison sicherzustellen, ohne dass Familien und Geschäftsreisende unverhältnismäßige Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
Griechenland hat bereits auf die Problematik reagiert und die EES-Kontrollen für britische Staatsangehörige vorübergehend ausgesetzt, um die Abfertigung zu beschleunigen. Dieser Schritt wird von Jet2 ausdrücklich begrüßt, verbunden mit der Forderung an andere EU-Mitgliedstaaten, diesem Beispiel zu folgen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die personelle Ausstattung an vielen Grenzübergängen nicht ausreicht, um die zusätzliche Zeit für die Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsscans zu kompensieren. Während die EU-Kommission auf der Sicherheit und der Digitalisierung der Außengrenzen beharrt, warnen die Carrier vor einem drohenden Chaos in den kommenden Ferienmonaten, sollten keine administrativen Erleichterungen geschaffen werden.
Die betroffenen Fluggesellschaften haben ihre Passagiere bereits angewiesen, deutlich früher an den Flughäfen zu erscheinen. Dennoch zeigt die aktuelle Lage, dass selbst eine Ankunft drei Stunden vor Abflug keine Garantie für das Erreichen des Flugzeugs bietet. Die Forderungen nach einer temporären Rückkehr zu den manuellen Kontrollverfahren nehmen zu, da die operative Stabilität der Flugpläne gefährdet ist. Neben den personellen Ressourcen am Boden gerät auch die Infrastruktur der Flughafenterminals an ihre Grenzen, da die Wartebereiche für die stundenlangen Verzögerungen oft nicht ausgelegt sind.