Der Schweizer Flughafen Altenrhein begeht sein hundertjähriges Bestehen mit einer mehrtägigen Jubiläumsveranstaltung. Die geografische Nähe zur österreichischen Grenze – das Vorarlberger Gemeindegebiet Gaißau liegt lediglich rund sechs Kilometer entfernt – prägte die Geschichte des Standorts von Beginn an.
Der Flughafen geht auf die Initiativen von Claude Dornier im Jahr 1926 zurück und entwickelte sich über die Jahrzehnte von einem Werksflugplatz und militärischen Ausbesserungswerk zu einem Regionalflughafen für den Personen- und Businessflugverkehr. Mit dem Eigentümerwechsel an den Vorarlberger Unternehmer Markus Kopf im Jahr 2011 und der Gründung der hauseigenen Fluggesellschaft People’s erlangte der Standort eine spezifische Funktion für die Anbindung der Bodenseeregion an das internationale Streckennetz und die österreichische Bundeshauptstadt Wien.
Anfänge und industrieller Hintergrund im 20. Jahrhundert
Die Entstehung des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein ist eng verknüpft mit den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs und den Bestimmungen des Vertrages von Versailles. Dieser verbot die Flugzeugproduktion auf deutschem Territorium. Der Luftfahrtpionier Claude Dornier, der seine berufliche Laufbahn im Zeppelin-Konzern begonnen hatte, wich daher im März 1926 auf die Schweizer Seite des Bodensees aus. Auf einem überwiegend sumpfigen Geländekomplex in Altenrhein begannen die Bauarbeiten für Produktionshallen und eine 600 Meter lange Graspiste.
Das Areal diente zunächst als Erprobungsgelände für Flugzeugentwicklungen wie das Flugboot Dornier Do X, das für den Transport von bis zu 175 Passagieren konzipiert war. Bereits 1927 wurden erste regelmäßige Linienverbindungen nach Basel, Innsbruck und München eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Ausbau der Start- und Landebahn auf eine Länge von 1.200 Metern. In den darauffolgenden Jahrzehnten stand die Nutzung der Infrastruktur für die Fertigung, Wartung und Revision von Militärflugzeugen im Vordergrund der betrieblichen Abläufe.

Anflug auf Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: Jan Gruber). 
Flughafen Altenrhein (Foto: René Steuer). 
Hangar in Altenrhein (Foto: AAL AG). 
Embraer 170 (Foto: René Steuer). 
Peoples-Eigentümer Markus Kopf vor dem Flughafen Altenrhein (Foto: René Steuer).
Etablierung des Linienflugbetriebs und die Ära Rheintalflug
Ein struktureller Wandel vollzog sich im Jahr 1988 mit der Verlegung des Sitzes der Fluggesellschaft Rheintalflug von Hohenems nach Altenrhein. Das Unternehmen war 1973 von dem Vorarlberger Unternehmer Rolf Seewald gegründet worden. Mit der Ansiedlung in Altenrhein begann der Aufbau einer regelmäßigen Linienverbindung nach Wien, die für die regionale Wirtschaft im Raum Vorarlberg und der Ostschweiz eine direkte Anbindung an den Standort Wien ermöglichte.

Die Unternehmensgeschichte der Rheintalflug war 1989 von einem schweren Luftverkehrsunfall betroffen. Am 23. Februar 1989 stürzte eine zweimotorige Maschine vom Typ Aero Commander 690B beim Landeanflug auf den Flugplatz Altenrhein in den Bodensee. Bei dem Absturz kamen alle elf Insassen ums Leben, darunter die Pilotin Brigitte Seewald und der damalige österreichische Sozialminister Alfred Dallinger. Ungeachtet des Zwischenfalls führte das Unternehmen den Linienbetrieb fort. Im Jahr 2001 wurde die Rheintalflug von der Fluggesellschaft Austrian Airlines übernommen, die die Flugverbindung nach Wien in den darauffolgenden Jahren weiterführte, bevor das Angebot im Jahr 2013 eingestellt wurde.
Übernahme durch die People’s Air Group und aktuelle Flottenstruktur
Nach mehreren Eigentümerwechseln im Flugplatzbetrieb übernahm der Vorarlberger Investor Markus Kopf im Jahr 2011 die Gesamteigentümerschaft über die Flugplatzinfrastruktur sowie die neu gegründete Fluggesellschaft People’s (ursprünglich People’s Viennaline). Seit dem Rückzug von Austrian Airlines im Jahr 2013 bedient People’s die Strecke nach Wien als einziger Linienanbieter ab Altenrhein. Das Unternehmen setzt für diesen Flugdienst sowie für saisonale Charterverbindungen zu europäischen Zielorten Regionalflugzeuge vom Typ Embraer 190 ein.
Ergänzend zum Linien- und Charterverkehr wird der Flughafen St. Gallen-Altenrhein regelmäßig von Maschinen des allgemeinen Luftverkehrs sowie der Business-Aviation genutzt. Durch die Lage im Dreiländereck dient der Platz als Landepunkt für den individuellen Werks- und Geschäftsreiseverkehr der in der Region ansässigen Industrieunternehmen.

Das Jubiläumsprogramm und die Debatte um Flugvorführungen
Anlässlich des hundertjährigen Bestehens organisiert der eigens gegründete Verein 100 Jahre Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ein dreitägiges Programm, für das Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Schweizer Franken veranschlagt wurden. Die Finanzierung erfolgt über Ticketverkäufe sowie Sponsoringbeiträge. Der Veranstalter rechnet für den Zeitraum der Feierlichkeiten mit einem Aufkommen von bis zu 70.000 Besucherinnen und Besuchern. Die Historie des Standorts wurde zudem in einer separaten Jubiläumspublikation aufgearbeitet.
Bestandteil der Flugvorführungen am 29. August 2026 ist ein Auftritt der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse der Schweizer Luftwaffe mit Flugzeugen des Typs Northrop F-5 Tiger. Da die Ausmusterung dieses Flugzeugtyps bei den Schweizer Streitkräften für das Jahr 2027 angekündigt ist, gehört die Vorführung zu den letzten Auftritten der Formation in dieser Konfiguration.
Die im Vorfeld beantragten Überflugrechte führten in den angrenzenden österreichischen Bodenseegemeinden Gaißau, Höchst und Fußach zu Diskussionen hinsichtlich der Lärmemissionen und der Flugsicherheit im Nahbereich von Wohngebieten. Die Landesregierung von Vorarlberg erteilte nach Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen die Genehmigung für die Nutzung des grenznahen Luftraums während der Veranstaltungstage.
