Der Flughafen Bremen hat im aktuellen Flughafencheck der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit e. V. (VC) mit einer Gesamtnote von 1,47 den vierten Platz im Gesamtranking von insgesamt 31 bewerteten Verkehrsflughäfen in Deutschland und der Schweiz erreicht.
Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich der norddeutsche Airport um zwei Plätze und rangiert im bundesweiten Vergleich hinter den Flughäfen München und Leipzig/Halle auf dem dritten Rang. In der gesonderten Kategorie der Regionalflughäfen belegte Bremen den ersten Platz. Die Bewertung der gewerkschaftlichen Arbeitsgruppe Airport and Ground Environment basiert auf technischen und infrastrukturellen Kriterien, die aus Sicht von Verkehrspiloten für den sicheren Flugbetrieb maßgeblich sind.
Für den jährlichen Sicherheitsvergleich zieht die Vereinigung Cockpit Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO), der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) sowie Richtlinien des weltweiten Pilotenverbandes IFALPA heran. Bewertet werden unter anderem Pistenbeleuchtungen, Mängelanzeigen, Befeuerungssysteme, Anflugführungssysteme und die Zugänglichkeit von Rettungswegen. Der Bremer Airport profitierte bei der Beurteilung von technischen Aufrüstungen der Pisteninfrastruktur und der Anflugsysteme, die in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt umgesetzt wurden, um den Anforderungen moderner Verkehrsflugzeuge gerecht zu werden.
Trotz der guten Noten durch die Vereinigung Cockpit steht die methodische Ausrichtung des Flughafenchecks in der Luftfahrtbranche nicht gänzlich ohne Kritik da. Branchenkenner und Flughafenbetreiber verweisen darauf, dass alle genehmigten Verkehrsflughäfen in Deutschland die gesetzlich vorgeschriebenen EASA-Sicherheitsstandards verpflichtend erfüllen müssen, um überhaupt eine Betriebserlaubnis zu erhalten. Der VC-Check erfasst darüber hinausgehende Wunschausstattungen der Piloten, weshalb schlechtere Noten bei einzelnen Airports nicht zwangsläufig auf ein Defizit bei den gesetzlich geforderten Mindeststandards hinweisen.
Der Betrieb am Bremer Flughafen ist zudem weiterhin von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und schwankenden Passagierzahlen geprägt. Die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung hoher technischer Ausrüstungsstandards erfordert kontinuierliche Reinvestitionen des Flughafenbetreibers, dessen Gesellschafter die Freie Hansestadt Bremen ist. Die Bewältigung dieser Instandhaltungskosten bei gleichzeitig eng kalkulierten Einnahmen aus dem Linien- und Charterverkehr bleibt eine der wesentlichen betriebswirtschaftlichen Aufgaben für das Management des Standorts.