Der Flughafen Brüssel erweitert angesichts erheblicher Verzögerungen im Passagierbetrieb seine Grenzkontrollinfrastruktur im Ankunftsbereich.
Wie die Betreibergesellschaft Ende Oktober 2026 mitteilte, werden bis Dezember 2026 acht zusätzliche manuelle Kontrollschalter in Dienst gestellt, was einer Kapazitätserhöhung im Ankunftsbereich um 66 Prozent entspricht. Zusammen mit den bereits 2025 vorgenommenen Anpassungen verdoppelt der Flughafen damit seine manuelle Schalterkapazität innerhalb von zwölf Monaten. Anfang 2027 folgen sechs weitere E-Gates zur Erhöhung der automatisierten Passagierabfertigung.
Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf die Einführung des Europäischen Ein-/Ausreisesystems (EES), das die digitale und biometrische Erfassung von Nicht-EU-Bürgern an den Schengener Außengrenzen vorschreibt. Die zeitintensive Registrierung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern führte an europäischen Verkehrsflughäfen in den Morgenstunden zu zwei- bis dreimal längeren Bearbeitungszeiten pro Passagier. In Brüssel wie an anderen europäischen Drehkreuzen bildeten sich in den vergangenen Monaten regelmäßig Wartezeiten von zwei bis vier Stunden.
Trotz der Bereitstellung von 60 Vorregistrierungskiosken verzögert sich die Nutzung der E-Gates für Drittstaatsangehörige, da technische Schnittstellenprobleme auf Seiten der behördlichen IT-Lieferanten den Betrieb hemmen. Der Flughafen Brüssel unterstützt daher die Forderungen der Branchenverbände ACI Europe und Airlines for Europe (A4E) nach Nachbesserungen auf EU-Ebene. Gefordert werden unter anderem eine voll funktionsfähige mobile Registrierungs-App sowie die Erlaubnis zur flexiblen, vorübergehenden Aussetzung biometrischer Erfassungen bei extremen Passagierstaus.
Luftfahrtbeobachter werten die erneuten Ausbauten am Flughafen Brüssel als Beleg für die strukturellen Engpässe bei der operativen Durchsetzung der neuen EU-Sicherheitsvorgaben. Zwar sichern zusätzliche Kontrollschalter die administrative Abwicklung ab, doch verlagern die langen Abfertigungszeiten die Kosten für Personal und Logistik einseitig auf die Flughafenbetreiber und Bundespolizeibehörden. Das Gelingen der Maßnahmen wird maßgeblich von der zügigen Bereitstellung behördlicher IT-Lösungen und der personellen Besetzung der Schalter abhängen.