Der Flughafen Brüssel verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 eine positive Entwicklung bei den Verkehrs- und Transportzahlen. Die Passagierzahlen stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an, sodass insgesamt 11.684.976 Fluggäste registriert wurden.
Dieses Wachstum wurde durch eine kontinuierliche Erweiterung des Streckennetzes gestützt, das um acht neue Destinationen ergänzt wurde. Unter den neuen Routen befinden sich Verbindungen von Air China nach Chengdu sowie eine Direktverbindung nach São Paulo durch Latam, die den ersten Nonstop-Dienst zwischen Belgien und Südamerika seit über 25 Jahren markiert.
Diese Betriebsergebnisse wurden unter schwierigen Rahmenbedingungen erzielt, da der Flughafen im Frühjahr mit erblichen externen Störungen konfrontiert war. Zwei landesweite Streiktage im März und Mai führten zu Beeinträchtigungen für rund 55.000 Fluggäste. Zudem erzwang ein unangekündigter Ausstand beim Flugsicherungsdienstleister skeyes Anfang Juni die Annullierung des gesamten Flugbetriebs für einen Tag, wovon weitere 25.000 Passagiere betroffen waren. Hinzu kamen die Auswirkungen des Nahostkonflikts, die zu vorübergehenden Flugstreichungen nach Tel Aviv und Kapazitätsreduzierungen in der Golfregion führten.
Im Frachtbereich setzte der Flughafen Brüssel seinen Wachstumskurs deutlicher fort. Mit einem Umschlag von fast 420.000 Tonnen im ersten Halbjahr stieg das Frachtvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung war das Segment der reinen Frachtflüge mit einem Zuwachs von 16,7 Prozent sowie der Lkw-Ersatzverkehr, der um 16,2 Prozent zulegte. Die Beiladefracht in Passagierflugzeugen verzeichnete aufgrund der krisenbedingten Routenstreichungen im Nahen Osten dagegen nur ein minimales Plus von 0,1 Prozent. Als primäre Import- und Exportmärkte für das Brüsseler Luftfrachtdrehkreuz etablierten sich erneut Asien und Nordamerika.
Branchenbeobachter bewerten die Zahlen als Beleg für eine solide Positionierung des belgischen Hauptstadtflughafens, geben jedoch zu bedenken, dass die wiederkehrenden Arbeitskämpfe im belgischen Luftfahrtsektor die Verlässlichkeit des Standorts im europäischen Wettbewerb belasten. Während die Ausweitung der Langstreckenverbindungen nach Asien und Südamerika die internationale Anbindung stärkt, bleibt das operative Geschäft anfällig für geopolitische Risiken und Tarifkonflikte bei den Dienstleistern. Die Stabilisierung der durchschnittlichen Passagierauslastung bei 146 Fluggästen pro Flug zeigt zudem, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten sehr präzise steuern müssen, um in einem volatilen Marktumfeld profitabel zu bleiben.