Am Flughafen Frankfurt hat am Mittwoch ein Pilotprojekt zur Verbesserung der akustischen Informationsübermittlung begonnen. In Kooperation mit dem Flughafenbetreiber Fraport und namhaften Technologieunternehmen wie Google, Samsung und der Bluetooth Special Interest Group werden Durchsagen am Flugsteig A direkt auf die Endgeräte der Passagiere übertragen. Zum Einsatz kommt dabei der neue Bluetooth-Standard „Auracast“, der es ermöglicht, Audiosignale simultan an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern in der direkten Umgebung zu senden. Der Testlauf ist zunächst auf zwei Gates beschränkt und erfordert die aktive Zustimmung der Nutzer über deren Smartphones, Kopfhörer oder kompatible Hörsysteme.
Die technische Umsetzung erfolgt durch die Einbindung spezialisierter Steuerungssysteme der Firma Sittig Technologies, die für die Automatisierung von Flughafendurchsagen zuständig ist. Ziel des Versuchs ist es, die Informationsbarrieren für Reisende mit Hörbeeinträchtigungen abzubauen. Bisher stellt die Geräuschkulisse in großen Terminals eine erhebliche Herausforderung für die Sprachverständlichkeit dar, da herkömmliche Lautsprechersysteme oft durch Echoeffekte und Umgebungslärm überlagert werden. Durch die digitale Direktübertragung landet die Information ohne Qualitätsverlust unmittelbar im Ohr des Fluggastes, was die Verlässlichkeit bei wichtigen Durchsagen zum Boarding oder zu kurzfristigen Gate-Wechseln steigert.
Branchenexperten sehen in dem Frankfurter Projekt einen wegweisenden Schritt für die internationale Luftfahrt. Die „Auracast“-Technologie, die Teil des Bluetooth-LE-Audio-Standards ist, gilt als Nachfolger klassischer Induktionsschleifen, die bisher in öffentlichen Gebäuden für Hörgeräteträger installiert wurden. Der Vorteil der neuen Lösung liegt in der breiten Kompatibilität mit moderner Unterhaltungselektronik. Da immer mehr Smartphones und kabellose In-Ear-Kopfhörer den Standard unterstützen, erreicht das System eine deutlich größere Zielgruppe als bisherige Nischenlösungen. Fraport nutzt den Testzeitraum, um die Stabilität der Funkverbindung in der stark frequentierten Infrastruktur des Terminals zu evaluieren.
Die beteiligten Partner betonen, dass die Digitalisierung der Kundenansprache die Effizienz am Gate erhöhen kann. Wenn Passagiere Informationen präziser erhalten, verringert sich die Anzahl von Nachfragen beim Bodenpersonal und Verzögerungen beim Einsteigen können reduziert werden. Nach Abschluss der Testphase am Flugsteig A soll über eine mögliche Ausweitung auf den gesamten Flughafen entschieden werden. Damit positioniert sich der Standort Frankfurt als einer der ersten europäischen Hubs, der konsequent auf die Vernetzung von Flughafeninfrastruktur und persönlichen Endgeräten zur Unterstützung der barrierefreien Kommunikation setzt.