Flughafen London-Gatwick (Foto: Gatwick Airport).
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Flughafen Gatwick: Streik der Gepäckkontrolleure droht

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Der Londoner Flughafen Gatwick (LGW) sieht sich mit einem drohenden Streik seiner Gepäckkontrolleure konfrontiert, der den Flugbetrieb in der arbeitsreichsten Zeit des Jahres erheblich stören könnte. Die Gewerkschaft Unite kündigte an, daß die Angestellten des Dienstleisters ICTS ihre Arbeit in zwei Phasen niederlegen werden: vom 22. bis 26. August sowie vom 29. August bis zum 2. September 2025.

Da diese Termine das wichtige August Bank Holiday Weekend einschließen, sind Tausende von Reisenden, die die letzten Ferientage genießen oder sich auf den Heimweg machen wollen, von möglichen massiven Verzögerungen betroffen. Der Kern des Konflikts ist ein Lohnstreit, in dem die Gewerkschaft die geringe Bezahlung der Arbeiter der signifikanten Gewinnsteigerung des Unternehmens gegenüberstellt. Während das Flughafenmanagement versucht, die Passagiere zu beruhigen, macht die Gewerkschaft den Arbeitgeber direkt für das drohende Chaos verantwortlich.

Die Wurzeln des Konflikts: Geringe Löhne versus hohe Unternehmensgewinne

Der Streikaufruf ist das Ergebnis eines langwierigen Lohnkonflikts, der die Gepäckkontrolleure und die Sicherheitskräfte des Dienstleisters ICTS an den Verhandlungstisch treiben soll. Die Gewerkschaft Unite vertritt die Angestellten und argumentiert, daß diese zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitskräften am Flughafen gehören, da ihre Löhne nur „knapp über dem Mindestlohn“ lägen. Dies stehe in krassem Gegensatz zur finanziellen Entwicklung des Arbeitgebers.

Unite-Vertreter präsentierten öffentlich Zahlen, die belegen sollen, daß die finanzielle Lage von ICTS eine faire Lohnerhöhung zulasse. Demnach sei der Umsatz des Unternehmens seit 2020 um 110 Prozent auf 170,59 Millionen Pfund im Jahre 2024 gestiegen. Gleichzeitig habe sich der Gewinn vor Steuern auf 6,1 Millionen Pfund erhöht, was einer Steigerung von 46,9 Prozent innerhalb eines Jahres entspreche.

Sharon Graham, die Generalsekretärin von Unite, kommentierte die Situation mit deutlichen Worten: „ICTS hat mehr als genug Geld, um diesen Arbeitern eine faire Lohnerhöhung anzubieten. Das nicht zu tun, ist einfach nur Gier eines Konzerns.“ Sie versprach den streikenden Arbeitern die volle Unterstützung ihrer Gewerkschaft, „so lange es dauert“. Ben Davis, regionaler Vertreter von Unite, fügte hinzu, daß ICTS „alleine für die Störungen verantwortlich“ sei, die den Passagieren in Gatwick entstehen würden.

Dieser Arbeitskampf ist symptomatisch für die angespannte Lage in der britischen Luftfahrt, wo Arbeitnehmer in der Nach-Pandemie-Ära versuchen, die Inflation auszugleichen und von der wieder gestiegenen Nachfrage und den Gewinnen der Unternehmen zu profitieren.

Drohendes Chaos zur Hauptreisezeit

Die Streiktermine wurden von der Gewerkschaft bewußt in eine der arbeitsreichsten Perioden des Jahres gelegt, um den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen. Die erste Streikwelle betrifft das August Bank Holiday Weekend, welches in Großbritannien ein langes Wochenende und eine der letzten Gelegenheiten für Kurztrips in den Sommerferien darstellt. Die zweite Welle findet in den letzten Augusttagen und den ersten Septembertagen statt, wenn traditionell der große Rückreiseverkehr der Sommerferien einsetzt.

Die Gepäckkontrolleure bei ICTS sind für die Sicherheit des Gepäcks verantwortlich. Ihre Aufgabe ist es, alle Gepäckstücke, die in den Frachtraum der Flugzeuge verladen werden, mit Röntgensystemen auf gefährliche oder verbotene Gegenstände zu überprüfen. Ohne ihre Arbeit können keine Gepäckstücke in die Flugzeuge geladen werden, was den gesamten Abfertigungsprozeß zum Erliegen bringen würde. Dies hat nicht nur Folgen für die aufgegebenen Gepäckstücke, sondern könnte auch zu massiven Verzögerungen beim Check-in und bei den Sicherheitskontrollen führen.

Der Londoner Flughafen Gatwick ist nach London Heathrow der zweitgrößte Flughafen des Vereinigten Königreichs und ein wichtiges Drehkreuz für Fluggesellschaften wie easyJet, die ihn als Hauptbasis nutzen. Die drohenden Störungen könnten Tausende von Flügen betreffen und die Urlaubspläne von hunderttausenden Passagieren beeinträchtigen. Die Gewerkschaft Unite hat zudem gewarnt, daß die Arbeitsniederlegungen „intensiviert“ werden könnten, sollte es zu keiner Einigung kommen.

Die Position der Beteiligten: Distanzierung und Verantwortung

Das Flughafenmanagement von Gatwick hat auf die Streikankündigung mit einer Stellungnahme reagiert, die eine klare Distanzierung vom Konflikt erkennen läßt. Ein Sprecher des Flughafens erklärte gegenüber der Zeitung „The Independent“, es handle sich um eine „industrielle Angelegenheit mit einem Drittanbieter“. Das Management des Flughafens Gatwick ist in der Regel nicht direkt in die Lohnverhandlungen mit den Angestellten seiner Dienstleister involviert, ist jedoch letztlich für den reibungslosen Betrieb verantwortlich.

Der Sprecher drückte seine Hoffnung aus, daß ICTS und die Gewerkschaft eine Lösung finden würden und gab sich zuversichtlich: „Wir arbeiten mit unseren Dienstleistern zusammen, um Auswirkungen zu vermeiden, und wir erwarten, an diesen Tagen einen normalen Flugplan für unsere Airlines und Passagiere zu betreiben.“ Diese Aussage, die auf eine Minimierung der öffentlichen Sorgen abzielt, steht jedoch im Widerspruch zu den Warnungen der Gewerkschaft und der praktischen Bedeutung der Gepäckkontrolleure für den Flugbetrieb.

Gewerkschaftsvertreter Ben Davis forderte den Flughafen Gatwick explizit auf, in den Streit einzugreifen. „Gatwick sollte einschreiten und Druck auf ICTS ausüben, ein verbessertes Angebot vorzulegen“, so Davis. Die Gewerkschaft möchte, daß der Flughafen als Hauptauftraggeber die Verantwortung für die Löhne und Arbeitsbedingungen der Angestellten in seinem Wirkungsbereich übernimmt, auch wenn diese von einem externen Unternehmen beschäftigt werden.

Ein breiteres Problem: Die angespannte Lage in der britischen Luftfahrt

Der drohende Streik am Flughafen Gatwick ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom für die angespannte Lage in der britischen Luftfahrtindustrie. In den letzten Monaten gab es eine Reihe von Vorfällen, die den Flugverkehr in Großbritannien massiv beeinträchtigt haben.

  • Das nationale Flugsicherungssystem NATS war vor kurzem von technischen Problemen betroffen, die zu einer vorübergehenden Einstellung der Flugplanung und zu Hunderten von Flugausfällen führten.
  • Auch an anderen britischen Flughäfen, wie etwa in Heathrow, gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Streiks und Arbeitskämpfe, die den Flugbetrieb behinderten.

Diese Ereignisse zeigen, wie fragil und anfällig die moderne Luftfahrtinfrastruktur ist. Die Nachwirkungen der Coronapandemie, die zu massiven Entlassungen in der Branche führten, und die gegenwärtig hohe Inflation haben einen Nährboden für Arbeitskonflikte geschaffen. Die Gewerkschaften fordern Lohnerhöhungen, die mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt halten, während die Unternehmen versuchen, die Gewinne zu maximieren. Der Streik der Gepäckkontrolleure in Gatwick ist somit mehr als nur ein lokaler Arbeitskonflikt. Er ist ein Indikator für eine größere Unzufriedenheit in der Branche und eine Warnung an die Fluggesellschaften und Flughäfen, daß der reibungslose Betrieb nicht selbstverständlich ist. Die Passagiere, die in den kommenden Wochen reisen wollen, sind gut beraten, sich auf mögliche Störungen einzustellen und die Entwicklungen genau zu verfolgen.

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