Flughafen Linz (Foto: Michael David).
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Flughafen Linz am Scheideweg: Strategische Neuausrichtung soll die Zukunft sichern

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Die Zukunft des Flughafens Linz steht vor einer entscheidenden Wende. Nach fünf Jahren mit anhaltenden Verlusten und weitgehend aufgebrauchten Rücklagen haben die Eigentümer, die Stadt Linz und das Land Oberösterreich, einen Gesellschafterzuschuss in Höhe von acht Millionen Euro beschlossen.

Diese finanzielle Unterstützung, die die Liquidität des Flughafens sichern soll, ist an einen umfassenden Strategieprozeß geknüpft, dessen Ergebnisse im September vorliegen und dem Aufsichtsrat präsentiert werden. Die jüngsten Entwicklungen, darunter die stark gesunkenen Passagierzahlen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie und eine auf acht Prozent gefallene Eigenkapitalquote, unterstreichen die Dringlichkeit, die strategische Ausrichtung des Flughafens an die veränderten Marktbedingungen anzupassen. Während der Frachtbereich als wichtiger Lichtblick gilt, sucht der Flughafen nach neuen Wegen, um sich aus der Verlustzone zu befreien.

Fünf Jahre in der Verlustzone: Die wirtschaftliche Schieflage des Flughafens

Die wirtschaftliche Situation des Flughafens Linz, der sich zu gleichen Teilen im Besitz der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich befindet, hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Bis zum Jahre 2019, also vor dem Ausbruch der Coronapandemie, konnte der Flughafen noch eine positive Bilanz vorweisen. Seither jedoch schreibt der Airport Verluste und mußte seine Rücklagen weitgehend aufbrauchen. Die Eigenkapitalquote, die noch bis 2023 im hohen zweistelligen Bereich lag, ist nun auf kritische acht Prozent gesunken. Vizebürgermeisterin Tina Blöchl (SPÖ) bezifferte das finanzielle Delta auf 3,6 Millionen Euro, was die Dringlichkeit der Lage verdeutlichte.

Einer der Hauptgründe für die finanzielle Schieflage ist der starke Einbruch der Passagierzahlen. Während im Jahre 2019 noch 436.018 Fluggäste den Flughafen nutzten, sank diese Zahl im Jahre 2024 auf lediglich 180.694. Dies entspricht einem Rückgang von über 58 Prozent. Als Gründe für diesen Rückgang wurden die vorübergehende Aussetzung der wichtigen Verbindung nach Frankfurt sowie Engpässe im Charterflugverkehr genannt. Da der Flughafen als rein öffentliches Unternehmen keine Covid-Hilfen erhalten konnte, verschärfte sich die Situation zusätzlich.

Um die Liquidität zu sichern und die Eigenmittelsituation zu stärken, haben die Eigentümer nun einen Gesellschafterzuschuss in Höhe von acht Millionen Euro beschlossen. Das Land Oberösterreich zahlt seine vier Millionen Euro noch im laufenden Jahr, die Stadt Linz verteilt ihren Anteil von 4 Millionen Euro auf zwei Tranchen: 2,2 Millionen Euro im Jahre 2025 und 1,8 Millionen Euro im Jahre 2026. Dieser Zuschuss ist an den laufenden Strategieprozeß gekoppelt, um sicherzustellen, daß die Gelder zur Sicherung der Zukunft des Flughafens eingesetzt werden. Eine Insolvenz sei trotz der kritischen Lage kein Thema, versicherte der Flughafen, da die Liquidität durch das zugeführte Kapital gesichert sei.

Ein Lichtblick im Frachtbereich: Ein mögliches Zukunftsmodell

Während der Passagierverkehr am Flughafen Linz weiterhin stagniert, hat sich der Frachtbereich in den letzten Jahren erfreulich entwickelt. Im Jahre 2024 verzeichnete das Frachtaufkommen ein Plus von rund zehn Prozent und stieg von 48.000 auf 49.000 Jahrestonnen. Dieser positive Trend steht im klaren Gegensatz zu den Verlusten im Passagiergeschäft und dürfte daher eine zentrale Rolle in der strategischen Neuausrichtung des Flughafens spielen.

Die österreichischen Flughäfen insgesamt haben in den letzten Jahren ein leichtes Passagierplus verzeichnet, was sich auch am Linz Airport bemerkbar macht. Im ersten Quartal 2025 stieg die Zahl der Fluggäste um 61,5 Prozent auf 110.678 Passagiere im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres. Norbert Draskovits, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) und zugleich Geschäftsführer des Linz Airport, äußerte sich optimistisch: „Die Urlaubssaison hat sehr vielversprechend begonnen, und wir erwarten an allen Flughäfen einen reibungslosen Ablauf mit sehr guten Passagierzahlen für die Sommermonate.“

Diese positiven Signale im Passagier- und Frachtbereich geben Hoffnung, sind aber noch nicht ausreichend, um die langfristigen finanziellen Probleme zu lösen. Es liegt nun am Strategieprozeß, der im März gestartet wurde, die zukünftige Ausrichtung zu definieren. Die Verantwortlichen des Flughafens betonten, daß es darum gehe, die strategische Ausrichtung an die geänderten Marktbedingungen anzupassen. Das Endergebnis des Prozesses wird im September dem Aufsichtsrat präsentiert.

Verunsicherung bei der Belegschaft: Die Neuregelung des Urlaubsgeldes

Die wirtschaftliche Schieflage des Flughafens hat nicht nur die Geschäftsleitung, sondern auch die Mitarbeiter verunsichert. Eine zusätzliche Irritation entstand kürzlich durch eine Umstellung bei der Auszahlung des Urlaubsgeldes, das ursprünglich nicht wie gewohnt ausgezahlt wurde. Der Flughafen erklärte, daß man der einzige österreichische Airport gewesen sei, der das Urlaubsgeld früher als im Kollektivvertrag (KV) geregelt ausbezahlt habe. Die jährlichen KV-Verhandlungen wurden oft erst nach der Auszahlung der Mai-Gehälter abgeschlossen, was zu einem erheblichen Mehraufwand durch Aufrollungen führte.

Um diesen Aufwand zu minimieren, wird nun die kollektivvertragliche Regelung angewendet, wonach das Urlaubsgeld erst mit dem Juni-Gehalt ausbezahlt wird. Die Belegschaft wurde Ende Juli in einer Sitzung über diesen Wandel informiert. Diese interne Anpassung, die trotz der schwierigen Gesamtlage vorgenommen wurde, sorgte kurzzeitig für Unruhe, wurde aber vom Management mit der Vereinfachung der internen Abläufe begründet.

Der Vergleich mit anderen Regionalflughäfen: Eine Branche im Wandel

Der Flughafen Linz steht mit seinen Problemen nicht allein da. Viele Regionalflughäfen in Europa haben in den letzten Jahren mit sinkenden Passagierzahlen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. Die Konkurrenz durch große, zentrale Drehkreuze, die immer mehr Flugverbindungen anbieten, sowie der wachsende Wettbewerb im Charterflugverkehr setzen die kleineren Flughäfen unter Druck.

Die strategische Neuausrichtung des Flughafens Linz könnte ein Beispiel für andere Regionalflughäfen in Österreich und Europa sein. Der Fokus auf den Frachtbereich, der sich als widerstandsfähiger erwiesen hat, könnte ein vielversprechender Ansatz sein. Die Kombination aus einem stärkeren Frachtgeschäft und der Suche nach neuen Nischen im Passagierverkehr könnte eine nachhaltige Lösung bieten. Der Flughafenchef Norbert Draskovits, der auch Präsident der AÖV ist, ist in einer guten Position, die Erfahrungen aus Linz mit den anderen österreichischen Flughäfen zu teilen und so möglicherweise zu einer branchenweiten strategischen Diskussion beizutragen. Das Endergebnis des Strategieprozesses im September wird daher mit Spannung erwartet. Die Empfehlungen, die dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, werden nicht nur die Zukunft des Flughafens Linz maßgeblich bestimmen, sondern auch ein Signal an die gesamte regionale Luftfahrtbranche in Österreich senden.

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