Einst galt der Flughafen Lugano als ein pulsierendes Drehkreuz im Tessin, von dem bis zu 32 Linienflüge starteten. Nach einem Konkurs und einer längeren Phase der Unsicherheit steht der Flugplatz nun erneut am Scheideweg. Die Verantwortlichen in der Stadt Lugano träumen von einer Rückkehr zu alter Größe und suchen nach privaten Investoren, die mit mindestens 30 Millionen Franken die dringend benötigte Sanierung finanzieren sollen.
Doch diese ambitionierten Pläne könnten durch eine unerwartete Entwicklung aus Bern zunichte gemacht werden: Der Schweizer Bundesrat plant, die finanziellen Förderungen für Regionalflughäfen einzustellen. Dies würde den Flugplatz Lugano um einen beträchtlichen Teil seiner Einnahmen bringen und die Suche nach privaten Investoren erheblich erschweren.
Ein Flugplatz im Dornröschenschlaf: Die aktuelle Lage in Lugano
Wer heute den Flughafen Lugano betritt, findet eine funktionstüchtige, aber ungenutzte Infrastruktur vor. Check-in-Schalter, Gepäckaufgabe und Zollkontrolle sind vorhanden, werden aber nicht genutzt, da es keine Linienflüge mehr gibt. Flughafendirektor Davide Pedrioli führt mit einer Mischung aus Stolz und Wehmut durch die Anlagen. Er betont, daß alles funktionieren würde, aber die notwendigen Passagiere fehlen. Nach dem Konkurs der früheren Betreibergesellschaft und dem Wegfall der Linienflüge, wie sie einst von Swissair Express und später von Darwin Airline, d. h. Adria Airways Switzerland, durchgeführt wurden, dient der Flughafen heute hauptsächlich der Privatfliegerei und Geschäftsleuten. Rund 10.000 Menschen nutzen den Flugplatz pro Jahr, vor allem aus dem Tessin und Italien, um geschäftlich in das europäische Ausland zu reisen.
Trotz der aktuellen Stagnation gibt man in Lugano die Hoffnung nicht auf. Der Flugplatz wird als ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft der Region Lugano angesehen, und die Stadt ist entschlossen, in seine Wiederbelebung zu investieren. Laut Flughafendirektor Pedrioli besteht dringender Sanierungsbedarf. Insbesondere die Büros und das Restaurantgebäude sind veraltet. Die größte und kostspieligste Notwendigkeit ist jedoch ein neuer und größerer Hangar, um den Flugbetrieb wieder aufnehmen und erweitern zu können. Für diese umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die eine Investition von mehreren Millionen Franken erfordern, sucht die Stadt nun nach privaten Investoren.
Öffentlich-private Partnerschaft: Eine Strategie zur Finanzierung
Die Suche nach Investoren wird von Stadtrat Filippo Lombardi, einem ehemaligen Tessiner Mitte-Ständerat, vorangetrieben. Er betont, daß der Ausbau des Flughafens Lugano eine hohe Priorität habe, aber die Stadt keine Steuergelder investieren wolle. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Konzept für eine öffentlich-private Partnerschaft entwickelt. Dieses Konzept soll demnächst dem Gemeinderat von Lugano zur Abstimmung vorgelegt werden. Bei einer Zustimmung würde eine Ausschreibung folgen, die private Investoren anlocken soll. Lombardi spricht von einem Finanzierungsbedarf in Höhe von mindestens 30 Millionen Franken, der von privaten Geldgebern beigesteuert werden soll.
Die Hoffnung ist, daß durch diese Partnerschaft der Flugbetrieb wiederbelebt und möglicherweise auch wieder Linien- oder Charterflüge nach Lugano zurückkehren. Die strategische Lage des Flughafens, nahe der italienischen Grenze und in einer wirtschaftlich florierenden Region, wird als ein wichtiges Verkaufsargument für die Investoren gesehen. Die Verantwortlichen der Stadt sind überzeugt, daß es eine Nachfrage nach Flugverbindungen ins europäische Ausland gibt und daß der Flugplatz das Potential hat, ein rentables Unternehmen zu werden.
Ein „Riesenschlag“ aus Bern: Das Ende der Subventionen
Die ehrgeizigen Pläne der Stadt Lugano könnten jedoch durch die Sparmaßnahmen des Bundes erschwert werden. Viel mehr Kopfzerbrechen als die Suche nach Investoren bereiten Filippo Lombardi die Vorschläge aus Bern, wonach Regionalflughäfen wie Lugano künftig keine Gelder mehr für die Flugsicherheit erhalten sollen. Dabei handelt es sich, so Lombardi, um die Rückerstattung der Hälfte der Kerosinsteuer, die durch die Regionalflughäfen generiert wird. Allein für Lugano würde diese Streichung einen Verlust von 5 Millionen Franken oder fast 40 Prozent der Einnahmen bedeuten. Lombardi bezeichnet dies als einen „Riesenschlag“, der die Suche nach privaten Investoren erheblich erschweren würde. Es wäre kaum mehrheitsfähig, diese fehlenden Einnahmen durch öffentliche Gelder von Stadt und Kanton zu ersetzen.
Die einzige verbleibende Option, so Lombardi, wäre eine Erhöhung der Start- und Landegebühren für die Kunden des Flugplatzes. Diese Erhöhung würde die Kosten für die Privatflieger und Geschäftsleute, die den Flugplatz nutzen, erheblich steigern. Diese Aussicht stößt bei Befürwortern der Sparmaßnahmen auf Zustimmung. Caroline Camponovo vom VCS Tessin, einer Organisation, die sich für eine vernünftige Verkehrspolitik einsetzt, vertritt die Meinung, daß es nicht richtig sei, daß die öffentliche Hand bis zu 88 Prozent der Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Lugano subventioniere. Sie argumentiert, daß die Nutzer des Flugplatzes, die Privatjetbesitzer, über die finanziellen Mittel verfügen, um die Sicherheitskosten selbst zu tragen.
Warten auf die Entscheidung: Ungewisse Aussichten für Lugano
Flughafendirektor Davide Pedrioli hofft, daß die Verantwortlichen in Bern noch einlenken. Er verweist auf die Hürden, die das Sparprogramm noch nehmen muß. Die Entscheidung des Bundesrates und des Parlaments wird für den Herbst erwartet. Bis dahin ist am Flughafen Lugano Geduld gefragt, und die Verantwortlichen müssen mit dem Szenario umgehen, daß die finanzielle Situation sich weiter verschlechtert.
Die geplante Ausschreibung für private Investoren wird daher in eine unsichere Phase fallen. Das Ergebnis der parlamentarischen Debatte in der Schweiz wird maßgeblich darüber entscheiden, wie attraktiv eine Investition in den Flughafen Lugano für private Geldgeber ist. Sollten die staatlichen Subventionen tatsächlich gestrichen werden, könnte dies nicht nur die Sanierungspläne der Stadt Lugano gefährden, sondern auch das Konzept der öffentlich-privaten Partnerschaft in Frage stellen.
Die Zukunft des Flugplatzes Lugano hängt somit nicht nur von den lokalen Bemühungen und der Nachfrage nach Flugverbindungen ab, sondern auch von der übergeordneten Sparpolitik des Schweizer Bundes. Die Entscheidung aus Bern wird ein Signal an die gesamte regionale Luftfahrt in der Schweiz senden und könnte weitreichende Konsequenzen für die kleineren Flughäfen des Landes haben.
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