Der internationale Flughafen Alexandros Papadiamantis auf der griechischen Insel Skiathos steht erneut wegen anhaltender Sicherheitsrisiken für Schaulustige in der öffentlichen Diskussion. Im August 2026 wurden zwei Personen durch den starken Abgasstrahl startender Verkehrsflugzeuge von den Beinen geweht und zogen sich dabei erhebliche Verletzungen zu.
Der Verkehrslandeplatz ist bei Flugzeugbeobachtern weltweit bekannt, da die Start- und Landebahn nur wenige Meter von einer öffentlichen Straße und einem Strandabschnitt entfernt liegt. Trotz Hinweisschildern und Barrieren suchen dort täglich zahlreiche Menschen die unmittelbare Nähe zu den Triebwerken, um das Abheben und Aufsetzen von Verkehrsmaschinen aus geringer Distanz zu beobachten. Die jüngsten Vorfälle haben eine erneute Debatte über den Schutz von Zuschauern und die Wirksamkeit bestehender Sicherheitsmaßnahmen an diesem Standort ausgelöst.
Verletzungen durch Triebwerksdruck im August 2026
Der erste Vorfall ereignete sich am Montag, 10. August 2026. Eine italienische Staatsbürgerin hielt sich im Bereich der Sicherheitszone hinter der Startbahn auf, als ein Flugzeug für den Start beschleunigte. Der von den Triebwerken ausstoßende Luftstrahl warf die Frau um, woraufhin sie mit dem Kopf auf einer Betonfläche aufschlug. Nach der erstversorgenden Behandlung durch Rettungskräfte vor Ort und der Einlieferung in ein lokales Medizinisches Zentrum ergab eine Computertomographie eine Hirnblutung sowie weitere Kopfverletzungen. Die Patientin musste mit einem Rettungshubschrauber in das allgemeine Krankenhaus der Stadt Volos auf dem griechischen Festland geflogen werden, um dort spezialisiert behandelt zu werden.
Nur wenige Tage später kam es am Donnerstag, 13. August 2026, zu einem weiteren Zwischenfall am selben Standort. Eine weitere Person aus Italien verlor durch die Einwirkung des Triebwerksdrucks das Gleichgewicht, stürzte auf den Untergrund und erlitt dabei einen schweren Armbruch. In beiden Fällen ist bislang unklar, von welchen Fluggesellschaften oder Flugzeugtypen der Luftstrahl ausging. Die lokalen Sicherheitsbehörden haben Ermittlungen aufgenommen, um die genauen Umstände der Vorfälle zu prüfen und die Risikolage an den Zugangsstraßen neu zu bewerten.
Geografische Besonderheiten und Betriebsparameter des Flughafens Skiathos
Der Flughafen Skiathos trägt den IATA-Code JSI sowie den ICAO-Code LGSK und wird von einem Konsortium aus dem deutschen Flughafenbetreiber Fraport AG und der griechischen Copelouzos-Gruppe betrieben. Aufgrund der topografischen Verhältnisse der Insel wurde die Start- und Landebahn durch Landgewinnung im Meer errichtet, wodurch die Inseln Skiathos und Lazareta miteinander verbunden wurden. Die Asphaltbahn mit der Kennung 01/19 weist eine Länge von lediglich 1.628 Metern auf. Damit gehört sie zu den kürzeren Landebahnen im europäischen Passagierverkehr und kann Flugzeuge bis zur Größe einer Boeing 757-200 aufnehmen.
Aufgrund der geringen Bahnlänge müssen startende Flugzeuge ihre Triebwerke im Stand oft auf hohe Leistung hochfahren, bevor die Bremsen gelöst werden. Dadurch entsteht im Nahbereich hinter der Pistenschwelle ein Hochgeschwindigkeitsluftstrahl. Die unmittelbare Nähe der öffentlichen Straße Paraliakos zur Flughafenbegrenzung ermöglicht es Besuchern, sich direkt in der Verlängerung der Piste aufzuhalten. Diese Kombination aus technischer Notwendigkeit bei der Flugzeugsteuerung und der leichten Zugänglichkeit des Geländes führt regelmäßig zu Gefahrensituationen für Personen auf den umliegenden Wegen.
Warnhinweise und anhaltendes Publikumsinteresse
Entlang des Perimeters des Flughafens Skiathos sind mehrere Warnschilder und Absperrungen installiert, die vor den Gefahren des Triebwerksdrucks warnen und das Verlassen der gesicherten Zonen untersagen. Dennoch ignorieren viele Personen die Hinweise, um Foto- oder Videoaufnahmen anzufertigen oder die physikalischen Kräfte startender Maschinen aus nächster Nähe zu erleben. Auch nach den Unfällen im August 2026 versammelten sich weiterhin Schaulustige an den Zäunen des Geländes.
Der Flughafen auf Skiathos wird in Fachkreisen häufig als europäisches Gegenstück zum Flughafen Princess Juliana auf der Karibikinsel Saint Martin bezeichnet, an dem in der Vergangenheit ebenfalls schwere Unfälle durch Triebwerksdruck registriert wurden. Ob der Betreiber Fraport oder die zuständigen griechischen Behörden nach den Vorfällen vom August 2026 bauliche Veränderungen oder erweiterte Halteverbote auf den angrenzenden Straßen umsetzen werden, blieb auf Anfrage zunächst unbeantwortet.