Die US-amerikanische Regierung strebt eine direkte Beteiligung von Unternehmen aus den Vereinigten Staaten am Bau des neuen internationalen Flughafens in Bishoftu nahe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba an.
Bei einer Medienrunde im Rahmen des Africa Logistics and Communications Symposium in Äthiopien erklärte der stellvertretende US-Handelsminister für den Nahen Osten und Afrika, Mark Mitchell, dass das mit 12,5 Milliarden US-Dollar veranschlagte Großprojekt Gegenstand von Gesprächen mit der äthiopischen Regierung sowie der Führung von Ethiopian Airlines war. Ziel der US-Initiative ist es, die Infrastrukturförderung vor Ort eng mit weiteren Lieferverträgen für zivile Verkehrsflugzeuge des Herstellers Boeing zu verknüpfen.
Der künftige Flughafen, rund 45 Kilometer außerhalb von Addis Abeba gelegen, soll nach Fertigstellung die Kapazitätsgrenzen des bisherigen Drehkreuzes aufheben und als zentraler Umsteigepunkt auf dem afrikanischen Kontinent dienen. Ethiopian Airlines hat die Präqualifikationsphase für die Vergabe der Hauptgewerke abgeschlossen. Zu den in die engere Auswahl gezahlten Bieterkonsortien für die Abschnitte Terminalbau, Infrastruktur und Anbindung gehören Bauunternehmen aus China, Europa, dem Nahen Osten, der Türkei, Indien und Russland. Die Vorarbeiten auf dem Gelände laufen seit Anfang 2026, wobei Erdarbeiten im Wert von rund 610 Millionen US-Dollar für das laufende Jahr anstehen. Die Finanzierung erfolgt zu 20 bis 30 Prozent aus Eigenmitteln der Fluggesellschaft, während der verbleibende Betrag über internationale Kreditgeber wie die Afrikanische Entwicklungsbank aufgebracht werden soll.
Die Bemühungen Washingtons stehen in direktem Zusammenhang mit der Flottenpolitik von Ethiopian Airlines, die traditionell eine hohe Anzahl von Boeing-Flugzeugen mit Triebwerken des US-Herstellers GE Aerospace betreibt. Die Fluggesellschaft wandelte kürzlich Optionen über sechs Boeing 787-9 in Festbestellungen um und erwartet derzeit die Auslieferung von mehr als zwei Dutzend Maschinen dieses Typs. Darüber hinaus befinden sich Maschinen des Typs Boeing 777-9 in den Auftragsbüchern. Die US-Regierung versucht über das Handelsministerium, den wirtschaftlichen Einfluss amerikanischer Lieferanten in Äthiopien gegenüber der internationalen Konkurrenz – insbesondere aus Ostasien – zu sichern und auszubauen.
Wirtschaftsbeobachter verweisen jedoch auf die finanziellen und politischen Risiken des Vorhabens. Die Aufbringung des Fremdkapitals in Milliardenhöhe setzt eine dauerhafte politische Stabilität in der Region sowie verlässliche Rahmenbedingungen für ausländische Investoren voraus. Zudem führt die enge Verknüpfung von staatlicher Bauauftragsvergabe und Flugzeugeinkäufen zu einem erhöhten Wettbewerbsdruck auf dem afrikanischen Luftfahrtmarkt. Ob die US-Unternehmen bei den anstehenden Ausschreibungsverfahren den Zuschlag gegenüber den konkurrierenden internationalen Konsortien erhalten, hängt vom Ausgang der finalen Verhandlungen ab.