Die US-amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA hat eine Untersuchung zu einem Zwischenfall im Luftraum über der US-Hauptstadt eingeleitet, an dem der Hubschrauber des US-Präsidenten, Marine One, beteiligt war.
Der Vorfall ereignete sich am 5. August nahe dem Ronald Reagan Washington National Airport (DCA), nachdem der Präsidentenhubschrauber vom Weißen Haus in Richtung des Militärflugplatzes Joint Base Andrews gestartet war. Nach ersten Angaben der Behörde bestand keine unmittelbare Kollisionsgefahr, da die Flugpfade der beteiligten Maschinen nicht direkt aufeinander zuliefen. Dennoch steht der Verdacht im Raum, dass die vorgeschriebenen Mindestabstände im stark frequentierten Luftraum unterschritten wurden.
In das Geschehen war unter anderem ein von Envoy Air für American Airlines durchgeführter Regionalflug auf dem Weg nach Pensacola eingebunden. Das Flugzeug des Typs Embraer E170 startete kurz nach dem Abheben von Marine One, wobei die gesetzlich festgelegte Mindestdistanz zwischen beiden Luftfahrzeugen mutmaßlich nicht eingehalten werden konnte. Ein zweites Passagierflugzeug der Republic Airways im Anflug aus Raleigh-Durham musste vorsorglich ein Durchstartmanöver einleiten, bevor es wenig später sicher landen konnte. Die Bestimmungen verlangen in diesem Luftraumbereich einen horizontalen Abstand von mindestens 2,4 Kilometern sowie einen vertikalen Sicherheitsabstand von rund 150 Metern.
Der Vorfall sorgt insbesondere deshalb für Aufmerksamkeit, weil am Flughafen Reagan National nach einer schweren Kollision im Januar 2025 strengere Flugregeln eingeführt worden waren. Damals stießen ein Regionaljet und ein Militärhubschrauber zusammen, was zu 67 Todesopfern führte und umfassende Sicherheitsempfehlungen der Unfalluntersuchungsbehörde NTSB nach sich zog. Seitdem gilt die Vorgabe, den kommerziellen Start- und Landebetrieb vorübergehend komplett einzustellen, sobald Marine One im Nahbereich des Flughafens operiert, um simultane Flugbewegungen von Hubschraubern und Verkehrsflugzeugen auszuschließen.
Warum die Luftverkehrssteuerung den zivilen Flugbetrieb am 5. August vor dem Start des Präsidentenhubschraubers nicht rechtzeitig stoppte, soll nun ein von der FAA einberufenes Expertenteam klären. Branchenkenner verweisen auf die hohe Komplexität und Dichte des Luftraums rund um Washington D.C., wo kommerzieller Flugverkehr, Militärpräsenz und Sonderrechte für Regierungsflüge aufeinandertreffen. Die Untersuchung soll aufzeigen, ob operative Abstimmungsfehler der Fluglotsen oder Lücken im aktuellen Protokoll für die Abstandsverletzung verantwortlich waren.