Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat auf mögliche Mängel an den Sitzschienen von ATR-Flugzeugen reagiert und eine Lufttüchtigkeitsanweisung herausgegeben. Die Anweisung betrifft die Betreiber von Flugzeugen der Typen ATR 42 und ATR 72 mit Sitzschienen neuerer Serien. Berichten zufolge wurden bei der Endmontage und bei Wartungsarbeiten fehlerhafte Sitzschienen entdeckt.
Untersuchungen legen nahe, daß die strukturelle Integrität der Schienen im Falle einer Notlandung beeinträchtigt sein könnte, was dazu führen könnte, daß Passagiersitzreihen aus ihrer Verankerung brechen. Die EASA fordert die Betreiber auf, die betroffenen Sitzschienen zu überprüfen und bei Bedarf kurzfristig zu ersetzen.
Hintergründe der Warnung
Die Lufttüchtigkeitsanweisung (Airworthiness Directive oder AD) ist eine der wichtigsten Maßnahmen, die eine Luftfahrtbehörde wie die EASA ergreift, um die Sicherheit im Flugverkehr zu gewährleisten. Sie wird erlassen, wenn eine unsichere Bedingung bei einem Flugzeug, Triebwerk, Propeller oder einer Komponente festgestellt wird. Im vorliegenden Fall reagiert die EASA auf „mehrere gemeldete Fälle“, in denen defekte Sitzschienen gefunden wurden. Die EASA hat die genaue Ursache der strukturellen Schwachstelle nicht im Detail dargelegt, doch solche Anweisungen folgen in der Regel einer gründlichen Untersuchung durch die Behörde und den Hersteller.
Die Warnung betrifft speziell die Sitzschienen, die unter Belastungsbedingungen einer Notlandung brechen könnten. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die Sitzverankerungen so konstruiert sein müssen, daß sie den Kräften bei einer Notlandung standhalten, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Die Tatsache, daß die Mängel sowohl bei der Endmontage als auch bei Wartungsarbeiten festgestellt wurden, deutet auf ein möglicherweise systemisches Problem bei der Herstellung oder dem Material hin.
Die ATR 42 und ATR 72 sind turboprop-Flugzeuge, die weltweit, insbesondere auf Regionalstrecken, weit verbreitet sind. Sie werden von zahlreichen Fluggesellschaften für Kurz- und Mittelstreckenflüge eingesetzt. Zu den Hauptnutzern der ATR-Flotte gehören Fluggesellschaften wie Air New Zealand, FedEx Express, Scandinavian Airlines und viele andere. Die Anweisung der EASA hat daher eine globale Reichweite und erfordert von den Betreibern eine rasche Reaktion.
Reaktion der Fluggesellschaften und die Umsetzung der Anweisung
Die Fluggesellschaften sind nun verpflichtet, die Lufttüchtigkeitsanweisung der EASA umzusetzen. Dies beinhaltet eine detaillierte Inspektion der betroffenen Sitzschienen. Falls Mängel festgestellt werden, müssen die Schienen umgehend ausgetauscht werden. Solche Anweisungen beinhalten oft strikte Fristen, innerhalb derer die Überprüfungen und Reparaturen abgeschlossen sein müssen, um den weiteren Betrieb der Flugzeuge zu gewährleisten. Die Fluggesellschaften müssen die Einhaltung der Anweisung dokumentieren und den Aufsichtsbehörden melden.
Die Sicherheit von Flugzeugsitzen ist ein zentrales Element in der Flugsicherheit. Sitze sind so konzipiert, daß sie die bei Notlandungen auftretenden Kräfte aufnehmen und die Passagiere schützen. Die strukturelle Schwachstelle, die die EASA in den ATR-Sitzschienen festgestellt hat, ist daher eine sehr ernste Angelegenheit. Die genaue Anzahl der betroffenen Flugzeuge ist nicht bekannt, aber die weite Verbreitung der ATR-Flotte läßt vermuten, daß es sich um eine größere Anzahl von Flugzeugen handelt.
Die ATR-Flugzeuge sind für ihre Effizienz auf kurzen Strecken bekannt. Die ATR 42 hat typischerweise zwischen 40 und 50 Sitzplätze, während die ATR 72 60 bis 70 Passagiere befördert. Die potenziellen Konsequenzen des Fehlers bei einer Notlandung, bei der die Sitze aus den Schienen brechen, könnten fatal sein. Die Tatsache, daß die EASA so schnell reagiert hat, unterstreicht die Dringlichkeit der Situation.
Der Prozeß der Lufttüchtigkeitsanweisung
Eine Lufttüchtigkeitsanweisung wird von einer nationalen oder internationalen Luftfahrtbehörde herausgegeben. Wenn eine Behörde wie die EASA einen Mangel an einem Flugzeugtyp feststellt, wird eine Anweisung veröffentlicht, die die notwendigen Schritte zur Behebung des Problems detailliert beschreibt. Die Anweisung enthält Informationen über das spezifische Problem, die betroffenen Modelle und Seriennummern, die erforderlichen Maßnahmen und die Fristen für die Umsetzung. Fluggesellschaften und Wartungsbetriebe sind gesetzlich verpflichtet, diese Anweisungen zu befolgen.
In diesem Fall wird die EASA in enger Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller ATR und den betroffenen Fluggesellschaften stehen, um sicherzustellen, daß die Anweisung ordnungsgemäß umgesetzt wird. Die Hersteller sind oft an der Entwicklung der Behebung beteiligt, indem sie modifizierte Teile liefern oder Reparaturanweisungen bereitstellen. Die Luftfahrtindustrie hat strenge Sicherheitsstandards, und solche Anweisungen sind ein wesentlicher Bestandteil, um diese Standards aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, daß Flugzeuge sicher betrieben werden können.