Im fernen Osten Rußlands ist eine Antonow An-24 Passagiermaschine der Fluggesellschaft Angara Airlines abgestürzt. Dies bestätigte der russische Zivilschutz in einer knappen Mitteilung. Medienberichten zufolge hatte die Flugsicherung den Kontakt zu dem Linienflug mit der Flugnummer 2311, der von Chabarowsk kommend auf dem Weg nach Tynda war, kurz vor der geplanten Landung verloren.
An Bord des Unglücksflugzeuges befanden sich nach ersten Angaben der lokalen Behörden 49 Menschen – 43 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Über das Schicksal der Insassen, also mögliche Todesopfer oder Verletzte, gab es zunächst keine gesicherten Informationen, was die Besorgnis über den Vorfall verstärkt.
Der Flugweg und das Verschwinden vom Radar
Der Flug 2311 der Angara Airlines hatte seinen Startpunkt in Chabarowsk, einer großen Stadt im Fernen Osten Rußlands nahe der chinesischen Grenze. Das Ziel war Tynda, eine Stadt, die ebenfalls in dieser entlegenen Region liegt und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, insbesondere an der Baikal-Amur-Magistrale (BAM). Die Route gilt als Routineflug für Regionalfluggesellschaften in diesem weitläufigen Gebiet, das oft durch schwieriges Gelände und wechselhaftes Wetter gekennzeichnet ist.
Nach Berichten der Nachrichtenagentur TASS verschwand die An-24 kurz vor der Landung in Tynda vom Radar. Der Verlust des Radarkontaktes in der Endphase eines Fluges ist ein kritischer Moment, der sofortige Alarmierungen auslöst. Die Flugsicherung versuchte umgehend, den Kontakt zu der Maschine wiederherzustellen, jedoch ohne Erfolg. Solche Situationen lassen auf eine plötzliche und schwerwiegende Störung schließen, die den Piloten keine Möglichkeit gab, eine Notmeldung abzusetzen oder eine kontrollierte Landung einzuleiten. Die genauen Umstände des Verschwindens und des Absturzes sind Gegenstand intensiver Untersuchungen, die voraussichtlich in den kommenden Tagen und Wochen weitere Klarheit bringen werden.
Die Tatsache, daß der russische Zivilschutz den Absturz bestätigte, deutet darauf hin, daß Trümmer oder die Absturzstelle lokalisiert wurden, was die traurige Gewißheit über den Vorfall brachte. Die Region um Tynda ist dünn besiedelt und geprägt von ausgedehnten Wäldern und teils unzugänglichem Terrain, was Such- und Rettungsaktionen erschweren kann.
Das Unglücksflugzeug: Eine An-24RV aus sowjetischer Produktion
Bei der abgestürzten Maschine soll es sich um eine An-24RV mit der Registrierung RA-47315 handeln. Dieses Modell, die Antonow An-24, ist ein zweimotoriges Turboprop-Passagierflugzeug, das in den 1960er Jahren in der Sowjetunion entwickelt und gebaut wurde. Die Variante An-24RV verfügt über ein zusätzliches Strahltriebwerk im rechten Triebwerksgondel, das bei Start und Steigflug zur Leistungssteigerung zugeschaltet werden kann. Die Serienproduktion der An-24 erfolgte von 1959 bis 1979, wobei insgesamt über 1.000 Einheiten dieses Typs gefertigt wurden. Viele dieser Flugzeuge sind auch heute noch in Rußland und anderen postsowjetischen Staaten im Einsatz, insbesondere auf Regionalrouten, wo ihre Robustheit und Fähigkeit, von weniger gut ausgebauten Flugplätzen zu operieren, geschätzt werden.
Die Unglücksmaschine RA-47315 wurde im Jahr 1976 produziert, was bedeutet, daß sie zum Zeitpunkt des Absturzes ein Alter von 49 Jahren hatte. Obwohl Flugzeuge bei regelmäßiger Wartung und entsprechenden Modernisierungen jahrzehntelang sicher betrieben werden können, rückt das Alter der Flotte in Rußland und einigen anderen GUS-Staaten immer wieder in den Fokus von Sicherheitsdiskussionen. Viele der dort eingesetzten Regionalflugzeuge stammen noch aus sowjetischer Produktion, was Fragen bezüglich der Verfügbarkeit von Ersatzteilen, der Einhaltung moderner Wartungsstandards und der Anpassung an aktuelle Sicherheitsvorschriften aufwirft.
Die An-24 ist für ihre Zuverlässigkeit bekannt, hat aber im Laufe ihrer langen Betriebsgeschichte auch eine Reihe von Zwischenfällen und Unfällen verzeichnet. Dies ist teilweise auf die große Anzahl der gebauten Flugzeuge, die langen Betriebszeiten und die teils anspruchsvollen Betriebsbedingungen zurückzuführen.
Angara Airlines: Eine Fluggesellschaft mit Unfallhistorie
Die betroffene Fluggesellschaft, Angara Airlines, hat ihren Sitz in Irkutsk, einer weiteren wichtigen Stadt in Sibirien. Die Airline ist ein regionaler Betreiber, der hauptsächlich Flüge innerhalb Sibiriens und des Fernen Ostens Rußlands anbietet. Ihre Flotte besteht neben An-24-Flugzeugen auch aus anderen russischen Typen sowie teils neueren westlichen Modellen.
Leider ist dieser Absturz nicht der erste tödliche Unfall in der Geschichte von Angara Airlines:
- Juli 2011: Eine An-24 der Gesellschaft war auf dem Weg von Tomsk nach Surgut, als es zu einem Triebwerksversagen kam. Die Besatzung versuchte eine Notwasserung auf dem Fluß Ob. Bei diesem Unfall kamen sieben Personen an Bord ums Leben.
- Juni 2019: Eine weitere An-24 von Angara Airlines war auf dem Weg von Ulan-Ude nach Nischnjeangarsk, als sie nach einer Notlandung mit einer Wasseraufbereitungsanlage kollidierte. Bei diesem Unglück überlebten zwei Besatzungsmitglieder nicht. Der Unfall wurde durch den Ausfall eines Triebwerkes kurz nach dem Start verursacht.
Diese Serie von Unglücken wirft unweigerlich Fragen nach den Sicherheitsstandards und der Wartungspraxis der Fluggesellschaft auf. Luftfahrtbehörden in Rußland führen nach solchen Vorfällen in der Regel umgehende und umfassende Untersuchungen durch, um die genauen Ursachen zu ermitteln und gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung der Flugsicherheit zu ergreifen. Die Kombination aus älteren Flugzeugtypen und einer bereits belasteten Unfallhistorie wird sicherlich eine intensive Prüfung durch die Aufsichtsbehörden nach sich ziehen.
Die Situation des Flugverkehrs in Rußland
Der Flugverkehr in Rußland ist in den letzten Jahren, insbesondere seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und den darauf folgenden internationalen Sanktionen, mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Viele westliche Flugzeugtypen, die einen Großteil der modernen russischen Flotten ausmachten, können aufgrund von Sanktionen nicht mehr ordnungsgemäß gewartet oder mit Originalersatzteilen versorgt werden. Dies führt dazu, daß russische Fluggesellschaften zunehmend auf ältere, sowjetische Flugzeugtypen zurückgreifen oder versuchen, eigene Wartungskapazitäten aufzubauen.
Die regionalen Fluggesellschaften in Rußland sind oft besonders betroffen, da sie häufig älteres Material im Einsatz haben und auf weniger frequentierten Routen operieren, wo die Wirtschaftlichkeit ohnehin eine größere Rolle spielt. Die weiten Distanzen und die geografischen Gegebenheiten Rußlands machen den Flugverkehr jedoch zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Infrastruktur, insbesondere in entlegenen Gebieten des Fernen Ostens und Sibiriens.
Die genauen Ursachen des Absturzes der An-24 müssen von der russischen Luftfahrtbehörde und der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Dabei werden Faktoren wie der Zustand der Maschine, die Wartungshistorie, die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Absturzes, mögliche technische Defekte und menschliches Versagen berücksichtigt. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen können Monate oder sogar Jahre dauern, bis sie vollständig vorliegen und veröffentlicht werden. Der Absturz der An-24 der Angara Airlines im russischen Fernen Osten ist ein tragisches Ereignis, das erneut die Risiken des Flugverkehrs in sich birgt, insbesondere wenn ältere Flugzeugtypen auf schwierigen Regionalrouten eingesetzt werden. Die Besorgnis um die 49 Menschen an Bord ist groß, da bislang keine Informationen über Überlebende vorliegen. Die Unglücksmaschine, eine 49 Jahre alte An-24RV, und die bisherige Unfallhistorie von Angara Airlines werden sicherlich im Mittelpunkt der anstehenden Untersuchungen stehen. Dieser Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen und strengen Überwachung der Flugsicherheit, insbesondere in Regionen, in denen der Flugverkehr eine zentrale Rolle spielt und die Flotte ein hohes Durchschnittsalter aufweist. Die Weltgemeinschaft wird die Ermittlungen genau verfolgen, um aus diesem tragischen Ereignis Lehren für die globale Flugsicherheit zu ziehen.