Tropic Air (Foto: Mike Murga).
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Flugzeugentführung über Belize endet tödlich: Passagier erschießt Täter nach Messerangriff

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Am Morgen des 17. April 2025 kam es über Belize zu einem dramatischen Zwischenfall: Ein Passagier eines Inlandsfluges der Fluggesellschaft Tropic Air versuchte, das Flugzeug zu entführen. Während des Vorfalls attackierte er den Piloten sowie zwei weitere Passagiere mit einem Messer. Ein bewaffneter Mitreisender konnte schließlich eingreifen und den Entführer tödlich verletzen. Die Maschine landete trotz der dramatischen Ereignisse sicher.

Der betroffene Flug wurde mit einer Cessna Grand Caravan EX (Kennung V3-HIG) durchgeführt und war auf dem Weg von Corozal nach San Pedro, zwei beliebten Zielen im Norden und auf der Insel Ambergris Caye. An Bord befanden sich 14 Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder. Der Start erfolgte um 08:17 Uhr Ortszeit. Bereits sechs Minuten später, um 08:23 Uhr, wurde der Notfallcode 7700 gesendet – ein international standardisierter Transpondercode, der eine generelle Notlage signalisiert.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Flugzeug in einer Höhe von rund 1.000 Fuss. Wie später bekannt wurde, hatte ein männlicher Passagier kurz vor oder während des Steigfluges die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen versucht. Er forderte, das Flugzeug solle Belize verlassen, und verlangte zusätzliches Kerosin, offenbar mit dem Ziel, ein anderes Land zu erreichen. Laut Aussagen von Augenzeugen hatte der Mann bereits vor dem Abflug auffälliges Verhalten gezeigt.

Die Eskalation in der Luft

Während das Flugzeug über dem Gebiet von Belize City kreiste, eskalierte die Lage weiter. Der Entführer, bewaffnet mit einem Messer, verletzte mindestens drei Personen – darunter den Piloten sowie zwei weitere Passagiere. Das genaue Motiv des Täters war zunächst unklar, doch wie die Behörden später mitteilten, handelte es sich um einen US-amerikanischen Staatsbürger, der nur wenige Tage zuvor an der Einreise nach Belize gehindert worden war.

Wie der Mann trotz der verweigerten Einreise an Bord gelangen konnte, bleibt Gegenstand laufender Ermittlungen. Fest steht, dass Sicherheitsvorkehrungen an kleineren Flughäfen in Belize, wie dem in Corozal, deutlich weniger streng ausfallen als an internationalen Flughäfen.

Eingreifen eines bewaffneten Passagiers

Entscheidend für den weiteren Verlauf war das Eingreifen eines anderen Passagiers, der – im Besitz einer legalen Feuerwaffe – den Entführer durch einen gezielten Schuß in die Brust außer Gefecht setzte. Laut Aussagen der Behörden und des Flugpersonals geschah dies in einem Moment größter Gefahr, in dem der Entführer offenbar plante, weitere Insassen zu verletzen.

Der Pilot konnte trotz seiner Verletzungen das Flugzeug sicher zum Philip S. W. Goldson International Airport bei Belize City bringen. Die Landung erfolgte um 10:11 Uhr Ortszeit. Medizinisches Personal stand bereit, um Verletzte zu versorgen. Mindestens drei Passagiere erlitten Verletzungen, darunter auch der Pilot. Alle wurden umgehend in ein nahegelegenes Krankenhaus ausgeflogen.

Reaktionen der Behörden und laufende Ermittlungen

Polizeikommissar Chester Williams bestätigte auf einer Pressekonferenz, daß es sich bei dem Täter um Akinyela Sawa Taylor, 49 Jahre alt, handelte. Er sei ein früherer Angehöriger des US-Militärs gewesen, der bereits in der Vergangenheit durch auffälliges Verhalten bekannt geworden sei. Noch ist unklar, wie Taylor an Bord gelangen konnte, da sein Aufenthalt im Land zuvor ausdrücklich untersagt worden war.

Die belizianischen Behörden kündigten eine umfassende Untersuchung an. Im Fokus stehen die Sicherheitsprotokolle an kleineren Flughäfen wie Corozal. Es ist davon auszugehen, daß sowohl die Durchleuchtung des Handgepäcks als auch die Überprüfung der Passagiere vor dem Boarding einer grundlegenden Revision unterzogen werden.

Die US-Botschaft in Belize erklärte in einer kurzen Mitteilung, man stehe in engem Kontakt mit den lokalen Behörden und unterstütze die laufenden Ermittlungen.

Sicherheitslage in der Luftfahrt kleiner Nationen

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die besonderen Herausforderungen, vor denen kleine Länder wie Belize in der Luftfahrt stehen. Die meisten Inlandsflüge des zentralamerikanischen Staates werden mit Kleinflugzeugen auf kurzen Strecken durchgeführt. Sicherheitskontrollen sind oft rudimentär, insbesondere an kleineren Startpunkten, die über keine moderne Ausrüstung verfügen.

Ob der Vorfall eine generelle Neubewertung des Luftverkehrs im Land zur Folge haben wird, ist derzeit offen. Fakt ist jedoch, daß das beherzte Eingreifen des bewaffneten Passagiers, der offenbar als ehemaliger Polizeibeamter identifiziert wurde, ein schlimmeres Szenario verhinderte.

Psychologisches Nachspiel

Wie bei ähnlichen Vorfällen weltweit, ist davon auszugehen, daß sowohl Passagiere als auch Crew-Mitglieder psychologische Betreuung erhalten. Fluggesellschaften wie Tropic Air stehen in der Verantwortung, ihren Mitarbeitern nach traumatischen Ereignissen dieser Art Hilfe anzubieten.

Tropic Air veröffentlichte eine schriftliche Stellungnahme, in der der Pilot für sein „besonnenes Handeln unter unvorstellbarem Druck“ gelobt wurde. Die Airline kündigte an, mit den Behörden vollumfänglich zu kooperieren und eigene interne Überprüfungen einzuleiten.

Der Fall könnte auch Auswirkungen auf internationale Fluggastbestimmungen haben, etwa im Hinblick auf das Mitführen von Schußwaffen durch Passagiere. In Belize ist dies unter bestimmten Bedingungen gestattet. Ob künftig strengere Regeln eingeführt werden, wird eine politische wie gesellschaftliche Diskussion nach sich ziehen.

Die Regierung Belize hat sich bislang nicht offiziell zur rechtlichen Bewertung des Falles geäußert. Für die Angehörigen des getöteten Täters dürfte es dennoch offene Fragen geben. Ebenso steht die Frage im Raum, ob die Reaktion des bewaffneten Passagiers strafrechtlich untersucht oder als Notwehr eingestuft wird.

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