Die rumänische Fluggesellschaft Fly Lili gibt ihren Linienbetrieb auf. Weniger als ein Jahr nach ihrem holprigen Start wird die Airline ab dem 11. Januar 2025 ihre letzten Verbindungen vom Flughafen Brașov nach Deutschland und anderen Zielen einstellen. Künftig will sich das Unternehmen auf das Geschäft mit Wet-Lease- und Charterflügen konzentrieren. Die Entscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf deutsche Flughäfen wie München, Nürnberg und Stuttgart, die bisher von Fly Lili bedient wurden.
Fly Lili hatte ursprünglich geplant, Anfang 2024 den Betrieb aufzunehmen. Doch der Start verzögerte sich, und die erste Phase des Betriebs im Juni wurde von massiven Problemen überschattet: Verspätungen und Flugausfälle führten zu einem vorübergehenden Betriebsstopp. Ein Neustart folgte im August, und die Airline begann, Strecken zwischen Brașov und Zielen wie München, Nürnberg und Stuttgart zu bedienen.
Trotz einer Ankündigung, zusätzliche Verbindungen zwischen München und den rumänischen Städten Bukarest und Iași sowie von Nürnberg und Stuttgart nach Sibiu aufzunehmen, blieben diese Routen bis heute unverwirklicht. Nun hat Fly Lili bekanntgegeben, daß der Linienbetrieb vollständig eingestellt wird.
Gründe für den Rückzug
Hauptgrund für die Aufgabe des Liniengeschäfts ist die geringe Auslastung der Flüge. Laut Angaben des Airline-Chefs Jürgen Faff lag die durchschnittliche Auslastung der Verbindungen bei nur 30 Prozent. Dies führte zu monatlichen Verlusten in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwangen Fly Lili schließlich zu dem radikalen Schritt.
Die Airline hat in den letzten Tagen ihres Betriebs versucht, Buchungen zu minimieren, um die Auswirkungen von Stornierungen auf die Passagiere zu begrenzen. „Deshalb mussten wir ab dem 11. Januar hohe Preise für Tickets festlegen, um möglichst wenige Passagiere von Stornierungen betroffen zu machen“, erklärte Faff gegenüber lokalen Medien.
Auswirkungen auf Brașov und deutsche Flughäfen
Der Flughafen Brașov, der erst 2023 eröffnet wurde und als wichtige Drehscheibe für die Region geplant war, verliert mit Fly Lili einen seiner zentralen Anbieter. Die Verbindungen nach Deutschland – eine Schlüsselstrecke für Geschäftsreisende und die rumänische Diaspora – fallen damit weg. Auch die deutschen Flughäfen München, Nürnberg und Stuttgart müssen sich nach neuen Partnern umsehen, um das Angebot an Flügen nach Rumänien aufrechtzuerhalten.
Mit dem Ende des Linienbetriebs möchte Fly Lili sich neu positionieren. Laut Faff wird die Airline in Zukunft verstärkt auf Wet-Lease-Dienstleistungen und Charterflüge setzen. Derzeit umfasst die Flotte von Fly Lili zwei Airbus A319 und zwei Airbus A320. Dieses Flugzeugmaterial könnte für Wet-Lease-Vereinbarungen mit anderen Fluggesellschaften interessant sein.
Die Entscheidung von Fly Lili wirft ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen kleine Fluggesellschaften in einem hart umkämpften Markt konfrontiert sind. Ein schwacher Passagierstrom, unzureichende Marketingstrategien und operative Probleme haben letztlich dazu geführt, daß die Airline ihre Pläne aufgeben mußte.