Boeing 737-Max (Foto: Jan Gruber).
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Fortschritt im Zertifizierungsprozess für den Boeing 737 Max 10: Abschluss der Erprobungsflüge bringt Hersteller der Zulassung näher

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Der US-amerikanische Luftfahrtkonzern Boeing hat einen wesentlichen Schritt im Zulassungsverfahren für sein größtes Schmalrumpfflugzeug der Baureihe 737 Max absolviert. Die geplante Serie von Zertifizierungsflügen für die Variante 737 Max 10 wurde von der Testflotte erfolgreich abgeschlossen.

Der finale Testflug startete und landete auf dem Werksflugplatz Boeing Field in Seattle, wo unter anderem die akustische Wahrnehmbarkeit der Toiletten-Rauchmelder sowie das Passagierinformationssystem im Passagierraum überprüft wurden. Mit der Beendigung des Erprobungsprogramms richtet das Unternehmen seinen Fokus auf die Erstellung und Übermittlung der verbleibenden Sicherheits- und Entwicklungsberichte an die US-Bundesluftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA). Boeing strebt weiterhin die behördliche Musterzulassung für die Max 10 im weiteren Verlauf des Jahres 2026 an, um die ersten Kundenauslieferungen ab dem Jahr 2027 zu ermöglichen. Parallel dazu steht auch die kleinere Variante Max 7 kurz vor dem Abschluss der administrativen Dokumentationsphase.

Umfangreiche Flug- und Boden-Testreihen der Erprobungsflotte

Das Testprogramm für die Boeing 737 Max 10 umfasste insgesamt 976 Erprobungsflüge, bei denen mehr als 2.060 Flugstunden absolviert wurden. Ergänzend dazu absolvierte der Flugzeugtyp rund 1.040 Stunden an intensiven Tests am Boden. Die Erprobungsflotte bestand aus den drei Testmaschinen mit den Kennungen 1G001, 1G002 und 1G003. Nach Angaben des Herstellers werden diese Flugzeuge nach Abschluss der Datenanalyse von den verbauten Messeinrichtungen befreit und vor der späteren Übergabe an Kunden in reguläre Kabinenkonfigurationen umgebaut.

Im Verlauf der Flugerprobung unterzogen die Ingenieure und Testpiloten das Flugzeug einer Reihe von Funktions- und Belastungstests. Schwerpunkte bildeten dabei das Hauptfahrwerk sowie das Bremsverhalten der Maschine auf nassen Start- und Landebahnen und bei Vollbremsungen mit maximaler Energieeinwirkung. Zudem standen Überprüfungen von Anpassungen am Triebwerks-Enteisungssystem sowie an den Messsystemen für den Anstellwinkel auf dem Prüfstand.

Chris Payne, Vizepräsident und General Manager für die 737-Entwicklungsprogramme bei Boeing, bezeichnete den Abschluss der Tests als einen wichtigen Schritt im Gesamtablauf. Dennoch betonte das Management, dass bis zur endgültigen Erteilung der Zulassung durch die FAA noch wesentliche Prüf- und Dokumentationsschritte ausstehen.

Stand der behördlichen Überprüfung und Sicherheitsgutachten

Nach Beendigung der Erprobungsflüge muss der Hersteller die verbleibenden Sicherheits- und Konstruktionsanalysen fertigstellen und den Regulierungsbehörden zur Abschlussevaluierung vorlegen. Die behördliche Aufsicht hat sich seit den Flugsicherheitskrisen der Vergangenheit deutlich verschärft, was den zeitlichen Aufwand für die Validierung der Unterlagen erhöht.

Boeing teilte mit, dass die dritte Überprüfung der Entwicklungssicherheit vollendet ist, während die vierte Prüfphase zu etwa 60 Prozent abgeschlossen ist. Die detaillierten Sicherheitsbewertungen der einzelnen Flugzeugsysteme liegen derzeit bei einem Bearbeitungsstand von etwa 32 Prozent. Dieser schrittweise Prozess soll sicherstellen, dass alle modifizierten und neu integrierten Systeme den strengen Vorgaben der FAA entsprechen.

Technische Überarbeitungen an Enteisungs- und Sensorsystemen

Das Triebwerks-Enteisungssystem war einer der Hauptgründe für die jahrelangen Verzögerungen bei der Erteilung der Musterzulassung sowohl für die Großvariante Max 10 als auch für das kleinere Modell Max 7. Untersuchungen hatten gezeigt, dass ein übermäßig langer Betrieb des Enteisungssystems unter spezifischen Witterungsbedingungen mit trockener Luft zu einer Überhitzung von Bauteilen des Triebwerkseinlasses führen konnte.

Boeing entwickelte daraufhin eine konstruktive Überarbeitung dieser Komponente. Das modifizierte Enteisungssystem soll künftig direkt in die Neuproduktion von Flugzeugen der Max-Reihe einfließen. Zudem kündigte das Unternehmen an, diese technische Anpassung auch für die bereits im Liniendienst befindliche Flotte der Betreibergesellschaften im Wege von Umrüstungen zur Verfügung zu stellen.

Ein weiteres zentrales Feld der Modifikationen betraf das Anstellwinkelsystem („Angle of Attack“). Die Entwickler fügten zusätzliche Sicherungselemente ein, um zu verhindern, dass fehlerhafte Sensordaten irreführende Warnmeldungen oder ungewollte Systemreaktionen im Cockpit auslösen. Auch diese Systemanpassung soll standardmäßig in Neubauten integriert und als Nachrüstsatz für die Bestandsflotte angeboten werden.

Verzögerungen im Zeitplan und Marktbedeutung

Die 737 Max 10 ist die kapazitätsstärkste Variante innerhalb der Max-Familie und soll auf stark frequentierten Mittelstrecken eingesetzt werden. Ursprünglich hatte der Hersteller geplant, die ersten Einheiten dieses Typs im Jahr 2020 an Kunden zu übergeben. Die weltweiten Flugverbote nach den Abstürzen früherer Max-Modelle, die darauffolgenden Anpassungen der behördlichen Prüfmaßstäbe sowie die Notwendigkeit technischer Neukonstruktionen führten jedoch zu einer mehrjährigen Verschiebung des Zeitplans.

Derzeit visiert das Unternehmen den Erhalt der Zulassung für das Modell Max 10 im weiteren Verlauf des Jahres 2026 an. Erste Auslieferungen an Fluggesellschaften sind für das Jahr 2027 vorgesehen. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an der Zulassung des kleineren Typs 737 Max 7. Für dieses Modell sind die Erprobungsflüge ebenfalls abgeschlossen, und die Einreichung der Zulassungsdokumente bei den Behörden liegt nach Unternehmensangaben bei einem Fertigstellungsgrad von 95 Prozent. Auch für die Max 7 ist die Zulassung für 2026 und der Beginn der Auslieferungen für 2027 angepeilt.

Die rasche Erreichung der Marktreife ist für Boeing von erheblicher Bedeutung, um bestehende Großaufträge internationaler Kunden abzuwickeln und im Wettbewerb auf dem Weltmarkt für Schmalrumpfflugzeuge stabil zu bleiben. Ob der angestrebte Zeitplan gehalten werden kann, liegt nun in den Händen der Prüfingenieure der US-Luftfahrtbehörde FAA.

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