Der Flughafen Lüttich hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem massiven Zuwachs im Logistiksektor abgeschlossen und seine Position als führender Frachtknotenpunkt in Europa gefestigt. Mit einem Gesamtvolumen von 1.324.579 Tonnen verzeichnete der größte Frachtflughafen Belgiens ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit erzielte der Standort das zweitbeste Ergebnis seiner gesamten Geschichte und das stärkste Wachstum unter den zehn größten europäischen Frachtflughäfen. Besonders dynamisch entwickelte sich der Dezember 2025, in dem die Tonnage im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16 Prozent auf fast 120.000 Tonnen anstieg. Auch die Zahl der reinen Frachtflugbewegungen im Kerngeschäft legte um sechs Prozent auf 28.822 Starts und Landungen zu.
Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist die konsequente „Freighters First“-Strategie des Managements, die Frachtmaschinen gegenüber dem Passagierverkehr priorisiert. Die Kundenstruktur hat sich dabei deutlich verbreitert: Ende 2025 bedienten 56 Fluggesellschaften den Flughafen, im Vergleich zu 40 Airlines vor zwei Jahren. Auch die Ansiedlung von Logistikunternehmen nahm zu, wobei die Zahl der Operatoren von 37 auf 62 stieg. Durch diese Diversifizierung ist der Flughafen widerstandsfähiger gegen Schwankungen einzelner Marktteilnehmer geworden; der größte Kunde trägt lediglich 13 Prozent zum Gesamtvolumen bei. Das globale Netzwerk wurde zudem um strategisch wichtige Ziele wie Mumbai, Chicago, Mexiko-Stadt und Taipeh erweitert.
Trotz des Wachstums steht der Standort vor strukturellen Veränderungen. Ein deutlicher Wandel zeigt sich bei der Verteilung der Flugzeiten: Während im Jahr 2020 noch 59 Prozent der Flüge in der Nacht stattfanden, sank dieser Anteil bis 2025 auf 34,5 Prozent. Der Fokus verschiebt sich zunehmend auf den Tagbetrieb, der nun zwei Drittel der Bewegungen ausmacht. Im Gegensatz zum boomenden Frachtgeschäft verzeichnete der Passagierverkehr einen Rückgang um 14,5 Prozent auf rund 138.000 Reisende. Nach dem Rückzug von TUI fehlen derzeit regelmäßige Urlaubsziele. Da der Passagiersektor jedoch nur 1,5 Prozent des Umsatzes generiert, stellt dieser Rückgang für das Unternehmen keine finanzielle Bedrohung dar.
Für das Jahr 2026 rechnet die Flughafenleitung mit einem herausfordernden Umfeld. Ab dem 1. Juli 2026 soll eine neue europäische Steuer auf E-Commerce-Pakete eingeführt werden, die das stark wachsende Segment des Onlinehandels belasten könnte. Zudem beeinflussen internationale geopolitische Spannungen die globalen Lieferketten. Um diesen Risiken zu begegnen, plant der Flughafen eine stärkere Spezialisierung auf hochwertige Güter wie Pharmazeutika, leicht verderbliche Waren und High-Tech-Produkte. Ziel bleibt es, langfristig in die Top 3 der europäischen Frachtflughäfen aufzusteigen und die Kapazitäten für den Export weiter auszubauen, der zuletzt bereits um 11 Prozent zulegte.