Ein Frachtflugzeug vom Typ Boeing 737-800 der russischen Fluggesellschaft S7 Airlines ist am 8. August 2026 bei der Landung auf dem Flughafen Norilsk-Alykel über das Ende der Start- und Landebahn hinausgerollt. Die Maschine befand sich auf einem Frachtflug vom Moskauer Flughafen Domodedowo in die sibirische Industrie- und Bergbaustadt Norilsk. Nach Angaben der westsibirischen Staatsanwaltschaft für Transportfragen befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls zwei Besatzungsmitglieder sowie Fracht an Bord des Flugzeugs. Verletzte wurden bei dem Ereignis nicht gemeldet.
Das Luftfahrzeug erlitt nach ersten Ermittlungen geringfügige Sachschäden. Für die Fluggesellschaft S7 Airlines stellt das Vorkommnis den zweiten Vorfall dieser Art innerhalb von weniger als sechs Wochen dar, nachdem Ende Juni 2026 ein Passagierflugzeug desselben Typs auf dem Flughafen Mirny ebenfalls das Pistenende überschritten hatte. Die zuständigen russischen Transportstaatsanwaltschaften haben Untersuchungen eingeleitet, um die genauen Ursachen sowie die Einhaltung der Flugsicherheitsvorschriften im Flugbetrieb der Gesellschaft zu überprüfen.
Verlauf des Zwischenfalls auf dem Flughafen Norilsk-Alykel
Der Frachtflug der S7 Airlines startete am Morgen des 8. August 2026 in Moskau mit dem Ziel Norilsk-Alykel, einem zentralen Verkehrsknotenpunkt im Norden der Region Krasnojarsk. Nach dem Aufsetzen auf der Landebahn gelang es der Besatzung nicht, das Luftfahrzeug innerhalb der verbleibenden asphaltierten Pistenlänge vollständig zum Stillstand zu bringen. Das Flugzeug kam erst auf einer befestigten Überlaufzone hinter den Befeuerungseinrichtungen des Landebahnendes zum Stehen.
Aufnahmen vom Ort des Geschehens zeigen die in der grünen Konzernlackierung gehaltene Maschine auf der Betonfläche jenseits der Pistengrenze. Das Fahrwerk blieb bei dem Manöver intakt, und es trat kein Treibstoff aus. Die Einsatzkräfte des Flughafens sicherten die Landebahn ab, um den regulären Flugbetrieb für den übrigen Passagier- und Frachtverkehr nach der Bergung des Flugzeugs baldmöglichst wieder freizugeben. Die Staatsanwaltschaft in Nowosibirsk prüft im Rahmen der Vorermittlungen, ob technische Defekte am Bremssystem, witterungsbedingte Einflüsse auf der Pistenoberfläche oder Fehler der Besatzung bei der Anflug- und Landeführung für das Überschießen verantwortlich waren.
Vorangegangener Vorfall am Flughafen Mirny Ende Juni 2026
Der Vorfall in Norilsk folgt auf einen ähnlich gelagerten Zwischenfall, der sich am 30. Juni 2026 im ostsibirischen Mirny in der Republik Sachai ereignete. Damals war eine Boeing 737-800 der S7 Airlines mit dem Kennzeichen RA-73359 auf dem Flug S7 5241 von Nowosibirsk-Tolmatschowo nach Mirny unterwegs. Nach dem Aufsetzen auf der Landebahn 25 rollte die Maschine über das Pistenende hinaus und kam erst auf unbefestigtem, schlammigem Areal zum Stillstand.
An Bord jenes Passagierfluges befanden sich 173 Fluggäste und sechs Besatzungsmitglieder. Auch bei diesem Ereignis wurden keine Personen verletzt. Die Evakuierung der Passagiere erfolgte geordnet über mobile Treppenanlagen des Flughafens. Bilddokumente zeigten das Flugzeug im aufgeweichten Erdreich hinter der Piste mit ausgefahrenem Fahrwerk. Auch in diesem Fall leiteten die regionalen Transportstaatsanwaltschaften Ermittlungsverfahren ein. Die Behörden betonten, dass bislang keine Hinweise auf einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen vorliegen, die Überprüfung der betrieblichen Abläufe der Airline jedoch intensiviert werde.
Flottenstruktur und Einsatz der Boeing 737-800 im Frachtbetrieb
S7 Airlines, eine der größten privaten Luftfahrtgesellschaften Russlands, betreibt neben einer Flotte von Verkehrsflugzeugen für den Passagiertransport auch Frachtmaschinen des Typs Boeing 737-800BCF. Diese umgebauten Frachter wurden ab dem Jahr 2021 in den Frachtflugbetrieb des Unternehmens integriert, womit S7 Airlines der erste russische Betreiber dieser Variante war. Die Frachtsparte bedient vor allem regionale Routen nach Sibirien und in den Fernen Osten Russlands, um abgelegene Industriezentren mit Wirtschaftsgütern und Verbrauchsgütern zu versorgen.
Der Einsatz von Frachtflugzeugen auf Regionalstrecken in nördlichen Breitegraden stellt besondere Anforderungen an Fluggerät und Besatzungen. Die Flugplätze in diesen Regionen weisen häufig wechselnde Witterungsbedingungen, plötzliche Windverhältnisse sowie schwankende Reibungswerte auf den Landebahnen auf. Die Ermittlungsbehörden untersuchen vor diesem Hintergrund, inwieweit die Vorgaben für Landungen unter anspruchsvollen Bedingungen von den Besatzungen und der Flugbetriebsleitung eingehalten wurden.
Behördliche Untersuchungen und Rahmenbedingungen des Luftverkehrs
Die Transportsicherheitsbehörden und die Staatsanwaltschaften in Nowosibirsk und der westsibirischen Region haben umfangreiche Prüfverfahren eingeleitet. Dabei stehen die Auswertung der Flugdatenschreiber und Cockpit-Sprachaufzeichner, die Überprüfung der Wartungsprotokolle der betroffenen Flugzeuge sowie die Analyse der meteorologischen Daten zum Zeitpunkt der jeweilig stattgefundenen Landungen im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einhaltung der Arbeits- und Ruhezeiten der Flugbesatzungen.
Die Untersuchungen fallen in eine Phase, in der die russische Zivilluftfahrt unter veränderten Rahmenbedingungen bei der technischen Instandhaltung und Ersatzteilbeschaffung operiert. Internationale Sanktionen erschweren den direkten Zugriff auf Originalersatzteile und Softwareupdates westlicher Flugzeughersteller. Die Ermittler werden im Rahmen der Verfahren auch prüfen, ob die Wartungszustände der Brems- und Landeklappensysteme der beiden Maschinen den vorgeschriebenen Lufttüchtigkeitsstandards entsprachen, um mögliche systematische Risiken im Flugbetrieb der Airline auszuschließen.