Airbus A380 (Foto: Global Airlines).
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Fragwürdige Strategieänderung bei Global Airlines: Scheitert der Traum vom A380-Liniendienst?

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Die Ankündigungen der britischen Fluggesellschaft Global Airlines nährten in der Luftfahrtwelt die Hoffnung auf eine Renaissance des Airbus A380 im Linienverkehr. Doch nun deutet alles auf eine abrupte Kehrtwende hin: Statt Passagiere im eigenen Namen zu befördern, liebäugelt das von James Asquith gegründete Unternehmen offenbar mit dem Geschäftsmodell des Wet-Lease – der Vermietung von Flugzeugen samt Besatzung an andere Airlines. Gleichzeitig sucht Global Airlines händeringend nach Investoren, ausgerechnet in Saudi-Arabien. Diese Entwicklungen werfen ein höchst kritisches Licht auf die Zukunftspläne und die Realisierbarkeit der ambitionierten Visionen Asquiths.

Der Traum vom eigenen Airline-Betrieb mag für den Gründer von Global Airlines ein Herzenswunsch sein. Doch die Realität der Luftfahrtindustrie ist unerbittlich. Der Plan, mit einer Flotte von vier Airbus A380 im hart umkämpften Nordatlantikmarkt zu bestehen, wirkte von Beginn an ambitioniert, wenn nicht gar naiv. Die bisherigen vier Gelegenheitsflüge mit Passagieren an Bord scheinen kaum mehr als PR-Aktionen gewesen zu sein. Asquiths vollmundige Ankündigungen weiterer Flüge, verbunden mit der einschränkenden Frage nach der Regelmäßigkeit, nährten bereits früh Zweifel an der Seriosität der Linienflugpläne. Die nun kolportierte Strategieänderung hin zum Wet-Lease deutet auf ein Eingeständnis hin, daß der Aufbau eines eigenen Linienbetriebs mit dem riesigen Airbus A380 eine kaum zu stemmende Aufgabe darstellt.

Vorbild mit fragwürdigem Ausgang: Hi Fly Malta und der A380

Besonders brisant erscheint die Tatsache, daß Global Airlines für den Betrieb ihres einzigen A380 auf die portugiesische Wet-Lease-Spezialistin Hi Fly Malta zurückgreift. Hi Fly Malta selbst hatte in der Vergangenheit versucht, sich als Betreiberin von Airbus A380 im Wet-Lease-Geschäft zu etablieren – und war damit gescheitert. Nach nur drei Jahren und wenig lukrativen Einsätzen musterte die Gesellschaft ihren einzigen Superjumbo im Jahr 2020 wieder aus.

Dieses Scheitern wirft die Frage auf, ob Global Airlines, ohne eigene operative Erfahrung und ein eigenes Air Operator Certificate (AOC), in einem Geschäftsfeld erfolgreich sein kann, in dem selbst ein etablierter Wet-Lease-Anbieter mit dem A380 Schwierigkeiten hatte. Es drängt sich der Eindruck auf, daß Global Airlines mangels eigener Betriebsgenehmigung und Expertise gezwungen ist, sich an ein Modell anzulehnen, das sich für andere bereits als wenig tragfähig erwiesen hat.

Suche nach dem saudischen Geldgeber als Notlösung?

Die gleichzeitige Suche nach einem Investor in Saudi-Arabien, konkret bei der Kingdom Holding des Prinzen al-Walid ibn Talal, läßt tief blicken. Offenbar fehlen Global Airlines die finanziellen Mittel, um die ambitionierten Pläne einer A380-Flotte zu realisieren. Die Verhandlungen mit einem Investor, der einst selbst einen A380 bestellt und wieder storniert hat, wirken wie ein verzweifelter Versuch, das Projekt doch noch auf eine finanzielle Basis zu stellen.

Ob die Kingdom Holding bereit sein wird, in ein Unternehmen zu investieren, dessen Geschäftsmodell bereits fragwürdig erscheint und das über keinerlei operative Erfahrung als Airline verfügt, bleibt höchst ungewiß. Die kolportierte Absicht, mit saudischem Geld drei weitere A380 zu erwerben, wirkt angesichts der ungeklärten operativen und wirtschaftlichen Grundlagen des Unternehmens mehr als riskant.

Fehlendes AOC als gravierendes Hindernis

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Kritikpunkt ist die Tatsache, daß Global Airlines nach öffentlich zugänglichen Informationen bisher nicht über ein eigenes Air Operator Certificate (AOC) verfügt. Dieses Zertifikat ist jedoch unerläßlich, um eigenständig kommerzielle Flüge durchführen zu dürfen. Die Abhängigkeit von Hi Fly Malta für den Betrieb des einzigen vorhandenen A380 unterstreicht diesen Mangel. Ohne ein eigenes AOC ist Global Airlines nicht mehr als ein Marketingkonstrukt mit einem gemieteten Flugzeug. Die Ankündigung, künftig im Wet-Lease-Geschäft tätig zu sein, könnte somit auch eine Notlösung sein, um überhaupt Einnahmen mit dem vorhandenen Flugzeug zu generieren, solange die Voraussetzungen für einen eigenen Flugbetrieb fehlen.

Insgesamt zeichnet sich ein immer kritischeres Bild des Projekts Global Airlines. Der ursprüngliche Traum vom Liniendienst mit dem A380 scheint angesichts der strategischen Kehrtwende und der verzweifelten Investorensuche in weite Ferne gerückt. Die Wahl des Wet-Lease-Modells, das bereits für Hi Fly Malta wenig erfolgreich war, und das Fehlen eines eigenen AOC lassen ernsthafte Zweifel an der Zukunftsfähigkeit und der Seriosität der Pläne von James Asquith aufkommen. Die „Rückkehr in das Goldene Zeitalter der Luftfahrt“ könnte sich für Global Airlines eher als ein beschwerlicher Irrflug erweisen.

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