Ein Airbus A321neo der US-amerikanischen Fluggesellschaft Frontier Airlines musste am 16.12.2025 am Vormittag kurz nach dem Start vom Cleveland International Airport (CLE) aufgrund eines Flammabrisses in einem der Triebwerke umkehren. Das nur zwei Jahre alte Flugzeug, das mit Pratt & Whitney (P&W) Triebwerken ausgestattet ist, kehrte sicher zum Flughafen Cleveland zurück. Es wurden keine Verletzten oder weiteren Schäden gemeldet.
Dieser Vorfall, dessen Ursache noch unbestimmt ist, fügt sich in die seit längerem andauernde Krise um die PW1100G Geared Turbofan (GTF)-Triebwerke von P&W ein, die aufgrund von schwerwiegenden Produktionsmängeln und Qualitätsproblemen zu massiven Flugzeugeinstellungen und weltweiten logistischen Herausforderungen geführt hat.
Flammabriss kurz nach dem Start
Der Zwischenfall ereignete sich etwa 15 Minuten nach dem Abheben des Frontier-Fluges in Cleveland. Berichten zufolge erlitt das Flugzeug einen Flammabriss in einem Triebwerk, was zum sofortigen Verlust der Schubkraft auf dieser Seite führte. Die Flugzeugbesatzung leitete umgehend die Notfallverfahren ein und konnte das Flugzeug sicher zurück nach CLE steuern, wo es erfolgreich landete. Es wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, ob es sich um einen einzelnen oder einen doppelten Flammabriss handelte. Angesichts der Tatsache, dass ein doppelter Flammabriss ein Flugzeug in einen Segler verwandeln und die Situation deutlich kritischer machen würde, gilt ein Triebwerksausfall als die wahrscheinlichere Ursache.
Der Flammabriss ist ein extrem seltenes Ereignis. Flugzeuge des Typs Airbus A321neo sind für derartige Notfälle mit hohen Sicherheitsmargen und robusten Notfallprotokollen ausgelegt, was in diesem Fall die sichere Rückkehr der Maschine gewährleistete. Die Tatsache, dass das nur zwei Jahre alte Flugzeug mit P&W-Triebwerken ausgestattet ist, lenkt jedoch unmittelbar die Aufmerksamkeit auf die anhaltenden Probleme mit dem GTF-Aggregat.
Die GTF-Krise: Globale Stilllegung und Produktionsmängel
Das Pratt & Whitney PW1100G GTF-Triebwerk ist ein technologisch fortschrittliches Triebwerk , das ursprünglich mit dem Versprechen einer außergewöhnlich hohen Treibstoffeffizienz auf den Markt gebracht wurde. Leider kämpft der Hersteller seit Monaten mit massiven Qualitätsproblemen, die auf einen seltenen Defekt in den internen Komponenten zurückzuführen sind. P&W entdeckte eine Verunreinigung durch Metallpulver während des Herstellungsprozesses, welche die Anfälligkeit bestimmter Triebwerksteile erhöht.
Die weitreichenden Konsequenzen dieser Produktionsqualitätsprobleme sind beispiellos in der zivilen Luftfahrtgeschichte dieses Typs. Die Krise hat zu einer globalen Welle von Triebwerksinspektionen und notwendigen Überholungen geführt, was derzeit zur Stilllegung eines erheblichen Teils der weltweiten Flotte der Airbus A320neo-Familie führt. Schätzungen zufolge ist momentan ein Drittel der globalen GTF-betriebenen Flotte aufgrund von Herstellungsfehlern, die das Risiko von Rissen und Ausfällen erhöhen, am Boden.
Frontier Airlines, die in den letzten Jahren ihre Flotte mit neuen A320neo und A321neo Jets mit P&W-Triebwerken ausgestattet hat, gehört zu den Fluggesellschaften, die von diesem Dilemma stark betroffen sind. Viele Airlines sehen sich gezwungen, ihre Flugzeuge ein Jahr oder länger in Hangars zu parken, während P&W darum ringt, ausreichend fehlerfreie Triebwerke für den Ersatz, die Versorgung von Airbus und die Überholung der bereits im Dienst befindlichen Aggregate bereitzustellen.
Ein beispielloser Trend in der Luftfahrtindustrie
Der Mangel an funktionstüchtigen GTF-Triebwerken hat zu einem bizarren, nie dagewesenen Trend in der Luftfahrtindustrie geführt: Nahezu fabrikneue Flugzeuge der A320-Familie, oft erst wenige Jahre alt, werden zu sogenannten „Flugzeugfriedhöfen“ oder Zerlegebetrieben gebracht. Dort werden ihre funktionstüchtigen oder noch verwendbaren Triebwerke demontiert, um sie als Ersatzteile oder für den Betrieb anderer, strategisch wichtigerer Flugzeuge zu verwenden.
Lee McConnellogue, CEO des in Großbritannien ansässigen Luftfahrtrecyclingunternehmens eCube, beschrieb die Situation als noch nie dagewesen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass dies in diesem Ausmaß schon einmal passiert ist, weil wir noch nie ein solches Problem bei einem derart beliebten Triebwerk hatten.“
Ein anschauliches Beispiel für dieses Phänomen ist der Flughafen Castellón (CDT) in Spanien. Dort stapeln sich reihenweise moderne Airbus-Jets der Single-Aisle-Familie, die mit ihren intakten Flugzeugzellen als sogenannte „Segler“ auf dem Vorfeld stehen – ohne Triebwerke. Dies betrifft laut Berichten 636 GTF-betriebene A320s, von denen ein Drittel aktuell geparkt oder eingelagert ist, während nur vier Prozent der A320s mit Triebwerken des Konkurrenten CFM International (CFM) stillgelegt sind. Selbst Fluggesellschaften in finanziellen Schwierigkeiten tragen zu diesem Trend bei. Spirit Airlines, die sich in einem weiteren Insolvenzverfahren befindet, wird voraussichtlich Dutzende von GTF-betriebenen A320neos an Leasinggeber zurückgeben. Es wird erwartet, dass auch einige dieser praktisch neuen Jets zur Teilegewinnung ausgeschlachtet werden, um die weltweite A320neo-Flotte am Laufen zu halten. Die Knappheit der funktionstüchtigen P&W-Triebwerke hat deren Wert derart in die Höhe getrieben, dass das Leasing eines funktionierenden GTF-Triebwerks annähernd so viel kosten kann wie das Leasing des gesamten Flugzeugs. Die anhaltende Krise stellt P&W vor eine immense Herausforderung im Umgang mit dem globalen Ersatz- und Wartungsbedarf.