Der Konkurs von FTI, einem der größten Reiseveranstalter Europas, hat vor fast einem Jahr eine Lawine von Problemen für Reisebüros und Kunden ausgelöst. Zehn Monate nach der Insolvenz des Unternehmens sind viele Reisebüros immer noch nicht entschädigt worden.
Die Vorgehensweise des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF), der zur Absicherung von Pauschalreisen dient, sorgt weiterhin für Ärger und Unverständnis innerhalb der Branche. Trotz der Bereitstellung zahlreicher Unterlagen und einer intensiven Kommunikation mit dem Fonds kommen viele Anträge nur schleppend oder gar nicht voran. In dieser angespannten Situation wird nun auch geprüft, ob das Vorgehen des DRSF gegen europäische Richtlinien verstößt und eine Beschwerde bei der EU-Kommission notwendig wird. Doch was sind die genauen Hintergründe dieses Konflikts, und welche Auswirkungen hat er auf die Reisebranche und deren Kunden?
Zögerliche Entschädigung: Ein Jahr nach dem FTI-Konkurs
Der Konkurs von FTI im Sommer 2024, der weltweit Hunderttausende Reisende betraf, stellte für viele Reisebüros und deren KundInnen eine schwierige und nervenaufreibende Zeit dar. Insbesondere die österreichischen Reisebüros, die FTI-Reisen vermittelten, mussten sich nach der Insolvenz mit einer Vielzahl von bürokratischen Hürden auseinandersetzen, um die entstandenen Schäden zu regeln. In der Theorie sollte der DRSF, der als Sicherheitsnetz für Pauschalreisende dient, die entstandenen Schäden und Zahlungen übernehmen, die für die abgewickelten Reisen noch nicht erstattet worden sind.
Doch die Realität sieht anders aus. Der Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich, Gregor Kadanka, äußerte sich in einer Pressemitteilung frustriert über die langwierige und unzureichende Abwicklung des DRSF. „Obwohl die österreichischen Reisebüros bereits vor Monaten alle vom DRSF angeforderten Kundendaten – oftmals auf mehreren Wegen, online und per Post – übermittelt haben, sind auch zehn Monate nach dem FTI-Konkurs vielfach noch keine Auszahlungen vom DRSF erfolgt“, erklärte Kadanka. In den Berichten der Reisebüros geht es immer wieder um unbearbeitete Anträge und eine chaotische Kommunikation, bei der Fristen mehrfach überschritten wurden und wichtige Informationen nicht rechtzeitig verfügbar waren.
Probleme bei der Kommunikation und der Bearbeitung
Laut Kadanka sind viele Reisebüros mit der Arbeitsweise des DRSF alles andere als zufrieden. Ein zentrales Problem sei die langwierige Bearbeitung der Anträge und die schwierige Erreichbarkeit des DRSF. „Die Hotline ist schwer erreichbar und bietet wenig Unterstützung“, so der Fachverbandsobmann. Auch die Tatsache, dass Dokumente mehrfach angefordert wurden, obwohl sie bereits vor längerer Zeit eingereicht worden seien, sorgt für Unmut. „Die Reisebüros sind für die Verzögerungen nicht verantwortlich“, betont Kadanka. Vielmehr müsse der DRSF für diese Probleme zur Rechenschaft gezogen werden.
Ein weiteres Ärgernis für die betroffenen Reisebüros ist die verspätete Einführung eines Online-Portals durch den DRSF, das für die Datenübermittlung und Antragstellung genutzt werden sollte. Dieses Portal war jedoch erst vier Monate nach der Insolvenz verfügbar und konnte die Erwartungen der Reisebüros nicht erfüllen. Auch wenn in einigen wenigen Fällen schon Auszahlungen erfolgt sind, gab es Berichte, wonach diese Zahlungen um die Provision des Reisebüros gekürzt wurden, was laut Kadanka rechtswidrig sei. Denn sowohl die EU-Pauschalreiserichtlinie als auch das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sehen eine vollständige Rückerstattung des Reisepreises vor, und nicht eine Reduzierung um die Provision des Vermittlers.
Das rechtliche Durcheinander: Die Sicht des Fachverbands
Ein weiteres Problem, das der Fachverband für Reisebüros in Österreich sieht, ist die unklare Handhabung von Fällen, bei denen Reisevermittler im Namen ihrer KundInnen in Vorleistung getreten sind. Die EU-Pauschalreiserichtlinie sieht auch für diese Zahlungen eine Absicherung vor, die durch den DRSF gewährleistet werden sollte.
Doch die konkrete Auslegung des DRSF, wie in diesen Fällen verfahren wird, sorgt für Verwirrung. Die Reisebüros sehen sich mit einer rechtlichen Grauzone konfrontiert, und der Fachverband fordert eine klare und transparente Lösung, die der Richtlinie entspricht.
Mangelnde Klagemöglichkeit und die geplante Beschwerde bei der EU-Kommission
Da der DRSF derzeit keine klare Antwort auf diese Fragen gibt, müssen sich betroffene Reisebüros und Kunden unter Umständen selbst an die rechtlichen Stellen wenden. Der Fachverband klagt die Tatsache an, dass es keine direkte Klagemöglichkeit gegen den DRSF gibt, was für viele Reisebüros ein erhebliches Problem darstellt. Die rechtlichen Mittel, die den betroffenen Reisebüros zur Verfügung stehen, sind begrenzt, sodass viele auf den Rechtsweg angewiesen sind.
In Reaktion auf diese Situation hat der Fachverband bereits Kontakt mit der Aufsichtsbehörde des DRSF, dem deutschen Justizministerium, aufgenommen und auch eine mögliche Beschwerde bei der EU-Kommission in Erwägung gezogen. Diese Beschwerde könnte dazu führen, dass die EU die Vorgehensweise des DRSF überprüft und im schlimmsten Fall gegen die unzureichende Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie vorgeht. Die Branche erwartet sich von der EU-Kommission eine Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine faire und transparente Abwicklung der Entschädigungszahlungen.
Langfristige Auswirkungen auf die Reisebranche
Die unzureichende und fehlerhafte Abwicklung des DRSF hat weitreichende Auswirkungen auf das Vertrauen der KundInnen in Pauschalreisen und die Reisebüros. „Die unzureichende Abwicklung schadet dem Produkt Pauschalreise massiv und stößt bei KundInnen und Reisebüros zurecht auf großes Unverständnis“, warnt Gregor Kadanka. Wenn Kunden das Gefühl haben, dass sie im Fall einer Insolvenz nicht angemessen entschädigt werden, könnte dies langfristig zu einem Vertrauensverlust führen, der die gesamte Reisebranche betrifft.
Zehn Monate nach dem FTI-Konkurs ist die Situation für viele Reisebüros und KundInnen immer noch ungeklärt. Die Verzögerungen bei den Entschädigungszahlungen und die mangelnde Kommunikation des DRSF sorgen weiterhin für Frust.
Der Fachverband der Reisebüros setzt nun auf rechtliche Schritte und eine Prüfung durch die EU-Kommission, um eine faire und zügige Abwicklung der Entschädigungen sicherzustellen. Für die Zukunft der Pauschalreisebranche wird es entscheidend sein, wie die Situation gelöst wird, um das Vertrauen der Kunden und der Reisebüros wiederherzustellen.