Der künftige Chef von Air India, Tewolde Gebremariam, hat im Rahmen seiner Antrittsansprache vor den Beschäftigten eine Neuausrichtung der betrieblichen Sicherheitskultur angekündigt.
Der ehemalige Chef der äthiopischen Staatsairline Ethiopian Airlines erklärte das Risikomanagement zur primären Priorität im täglichen Flugbetrieb. Mitarbeiter auf allen Ebenen wurden dazu aufgerufen, operative Unregelmäßigkeiten konsequent zu melden und Prozesse im Zweifelsfall sofort zu unterbrechen. Die offizielle Amtsübernahme des Topmanagers erfolgt, sobald die formelle Sicherheitsüberprüfung durch die indischen Behörden abgeschlossen ist.
Gebremariam folgt in der Position des Vorstandsvorsitzenden auf Campbell Wilson, der das Unternehmen im Zuge der Integration von Vistara und der operativen Umstrukturierung geleitet hatte. Die Ankündigung deckt sich mit den Vorgaben von N. Chandrasekaran, dem Verwaltungsratschef der Muttergesellschaft Tata Group. Die Konzernführung strebt neben einer Verbesserung des Kundenvertrauens und der Flottenzuverlässigkeit eine stärkere Disziplin bei den Betriebskosten an. Mit der Verpflichtung des erfahrenen Managers setzt die Airline auf internationale Expertise beim Ausbau der Flotte und der internen Prozesse.
Die demonstrative Betonung der Flugsicherheit erfolgt vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Umgestaltung der Fluggesellschaft. Nach der Übernahme durch das Tata-Konglomerat und dem Zusammenschluss mehrerer Teilgesellschaften steht der indische Carrier vor der Herausforderung, heterogene Wartungsstandards, unterschiedliche Flottenstrukturen und komplexe Personalgefüge zu vereinheitlichen. Gleichzeitig hat Air India Großbestellungen bei den Herstellern Airbus und Boeing platziert, was eine erhebliche organisatorische Skalierung im Boden- und Flugbetrieb erfordert.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Etablierung einer funktionierenden Sicherheitskultur beträchtliche Zeit beansprucht und gegen bestehende Hierarchiestrukturen durchgesetzt werden muss. Um eine dauerhafte Fehlermeldekultur im Schicht- und Wartungsbetrieb zu verankern, genügen Führungserklärungen allein nicht; erforderlich sind vielmehr strukturelle Investitionen in Schulungen und Qualitätskontrollen. Wie effektiv die neue Doppelspitze die operativen Mängel beseitigen kann, wird sich im Zuge des Flottenwachstums und der Auslastung auf den internationalen Langstrecken zeigen.