Airbus A320neo (Foto: Airbus).
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Führungswechsel in der Luftfahrt: Airbus A320 überholt Boeing 737 als meistverkauftes Passagierflugzeug

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In einem historischen Wendepunkt auf dem Markt für kommerzielle Schmalrumpfflugzeuge hat die Airbus A320-Familie ihren langjährigen Rivalen, die Boeing 737-Baureihe, übertroffen und ist zum meistverkauften Passagierflugzeug der Welt aufgestiegen. Berichten zufolge hat der europäische Hersteller über 12.250 Flugzeuge seiner A320-Familie ausgeliefert. Dieser Meilenstein, den Airbus in etwa 37 Jahren seit der Einführung des Modells in den 1980er Jahren erreichte, markiert das erste Mal, dass die A320 die 737 überholt hat, deren Erstflug bereits in den 1960er Jahren stattfand.

Der Wettbewerb zwischen den beiden Schmalrumpf-Giganten der kommerziellen Luftfahrt war in den letzten Jahren extrem eng, doch die aktuellen Produktionsschwierigkeiten bei Boeing haben Airbus einen entscheidenden Vorsprung verschafft. Die Europäer konnten ihre Auslieferungszahlen auch im September 2025 mit 73 ausgelieferten Jets – deutlich über den Erwartungen – stark halten. Demgegenüber steht eine gedrosselte Produktion der Boeing 737 max, was die Verschiebung der Marktführerschaft nun endgültig manifestiert. Die Entwicklung unterstreicht die veränderte Dynamik im Duopol der Großflugzeugbauer und die wachsende Dominanz von Airbus auf dem wichtigsten Absatzmarkt.

Der historische Wendepunkt bei den Auslieferungen

Die Boeing 737, die ihren Erstflug im Jahr 1967 absolvierte und 1968 in Dienst gestellt wurde, hielt den Titel des meistverkauften Verkehrsflugzeugs für mehrere Jahrzehnte. Die A320-Familie, deren erstes Modell 1988 bei Air France in Dienst gestellt wurde, benötigte im Vergleich lediglich etwas mehr als die Hälfte der Zeit, um diesen historischen Vorsprung aufzuholen.

Laut Berichten von Le Monde hat die A320-Familie bis Ende September 2025 mehr als 12.250 Auslieferungen erreicht. Im August 2025 standen die Auslieferungen von Airbus bei 12.198 Einheiten der A320-Familie. Die Boeing 737-Baureihe, die alle ihre Varianten seit den 1960er Jahren umfasst, wies im August 2025 eine Gesamtzahl von 12.214 Auslieferungen auf. Die starken Auslieferungen von Airbus im September, die laut Reuters 73 Flugzeuge betrugen, haben den knappen Vorsprung endgültig gesichert.

Im Gegensatz dazu konnte Boeing im September lediglich 38 737 max-Jets ausliefern. Diese Zahl ist auf Produktionsobergrenzen zurückzuführen, die von der US-Luftfahrtbehörde (faa) nach einer Reihe von Qualitäts- und Sicherheitsvorfällen auferlegt wurden. Selbst mit den September-Auslieferungen wäre es Boeing nicht gelungen, mit der A320-Familie gleichzuziehen, was die anhaltenden operativen Herausforderungen des US-Herstellers verdeutlicht.

Die Diskrepanz in den jüngsten Produktionszahlen

Die ungleiche Performance der beiden Hersteller bei den Flugzeugauslieferungen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Im Jahr 2024 lieferte Airbus eine Gesamtzahl von 766 kommerziellen Jets aus und konnte damit seine Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr 2023 um rund vier Prozent steigern (2023: 735 Flugzeuge).

Boeing hingegen verzeichnete im Jahr 2024 mit 348 ausgelieferten Jets einen deutlichen Rückgang der Produktion – eine Reduzierung von rund einem Drittel gegenüber den 528 Auslieferungen im Jahr 2023. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig:

  • Herstellungsmängel: Die anhaltenden Qualitätsprobleme und die daraus resultierende verstärkte behördliche Aufsicht durch die faa haben zu einer gedrosselten Produktionsrate der 737 max-Linie geführt.
  • Betriebliche Störungen: Ein Maschinistenstreik und die anhaltenden Engpässe in den globalen Lieferketten beeinträchtigten die Produktionsfähigkeit des Unternehmens zusätzlich.
  • Vorfälle: Der Vorfall mit einer 737 max 9 der Alaska Airlines, bei dem sich Anfang 2024 ein Türpfropfen im Flug löste, führte zu einer weiteren Überprüfung der Herstellungsprozesse und verstärkte den Druck auf die Fertigung.

Diese operativen Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass Airbus seine Führungsposition, die es bereits in den Jahren 2022 und 2023 innehatte (2022: 663 Airbus gegenüber 480 Boeing), kontinuierlich ausbauen konnte.

Die Zukunft der Schmalrumpfflotte: Auftragsbücher und Herausforderungen

Airbus wird seine Führungsposition in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter ausbauen. Die soliden Auftragsbücher des europäischen Konzerns sichern die Produktion für nahezu ein ganzes Jahrzehnt. Die Single-Aisle-Modelle von Airbus, zu denen neben der A320-Familie auch die A220-Reihe zählt, weisen zusammen einen beeindruckenden Bestand von 20.303 Bestellungen auf.

Zum jetzigen Zeitpunkt warten noch 7.164 Flugzeuge auf ihre Auslieferung an die Kunden. Die hohen Bestellzahlen bedeuten, dass die Produktion von Airbus bei den aktuellen Raten nahezu zehn Jahre lang ausgelastet ist. Für das gesamte Jahr 2025 plant Airbus die Auslieferung von rund 820 Flugzeugen über alle Modellreihen hinweg. Das Erreichen dieses Ziels würde den Vorsprung gegenüber Boeing signifikant vergrößern und die Marktstellung von Airbus auf lange Sicht zementieren.

Trotz der guten Auftragslage steht jedoch auch Airbus vor Herausforderungen in der Lieferkette. Insbesondere Probleme im Zusammenhang mit den getriebenen turbofan-Triebwerken (gtf) des Herstellers Pratt & Whitney belasten die Lieferkette. Ein seltener metallischer Kontaminant im Pulvermetall einiger Triebwerkskomponenten hat zu Inspektions- und Reparaturanforderungen geführt, was die Auslieferung von bereits fertiggestellten Flugzeugen verzögert hat. Diese sogenannten „Glider“ sind flugfähige Zellen, die auf die Installation der Triebwerke warten. Obwohl sich die Situation leicht verbessert hat, stellen die anhaltenden Probleme der Triebwerkshersteller weiterhin einen Flaschenhals für die Auslieferungspläne des europäischen Herstellers dar. Die Marktentwicklung zeigt somit eine Verlagerung des Produktionsrisikos von der Flugzeugzelle auf die kritischen Komponenten der Triebwerkslieferanten.

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