“Für die AUA” – Staat will Tickets verteuern

AUA-Flaggen am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
AUA-Flaggen am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

“Für die AUA” – Staat will Tickets verteuern

AUA-Flaggen am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Die AUA wird vom Staat gerettet, doch als Schützenhilfe gegen Billigflieger wie Wizzair und AUA sollen Tickets künftig mindestens 40 Euro kosten. Die Flugscheinsteuer soll sofort auf 12 Euro erhöht werden und auf Strecken unter 250 Kilometer sogar auf 30 Euro.

Der Lufthansa Group ist es gelungen für ihre Tochtergesellschaft Austrian Airlines insgesamt 600 Millionen Euro an Land zu ziehen. Dabei werden 150 Millionen Euro als „Schadensabdeckung“ von der Republik Österreich überwiesen. Ein Betrag in der selben Höhe wird die Konzernmutter Lufthansa bereitstellen. 300 Millionen Euro werden in Form eines Bankkredits aufgenommen. Dieser muss bis 2026 zurückbezahlt werden.

Die Bundesregierung knüpft die Gewährung von 150 Millionen Euro „zur Abdeckung von Schäden infolge der COVID-19-Krise“ an ökologische Auflagen, Standortgarantien und weitere Sicherheiten. Das gesamte Hilfspaket ist sowohl von der Staatshilfe in Deutschland für Lufthansa, der Zustimmung aller Gremien als auch der Genehmigung der EU-Kommission abhängig.

Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte, dass Wien künftig genau so stark wie München und Frankfurt wachsen wird. Dazu habe sich die Lufthansa Group verpflichtet. Die 150 Millionen Euro, die der Staat zur Verfügung stellt, stammen laut ihm direkt aus dem Steuertopf.

„Austrian Airlines war und ist elementarer Teil der Multi-Hub Strategie der Lufthansa Group. Mit diesem Paket und in Kombination mit den verbesserten Rahmenbedingungen der österreichischen Luftfahrtsystempartner kann Austrian Airlines das Drehkreuz in Wien nach der Krise wieder aufbauen und Österreich mit wichtigen Zielen in Europa und auf der Welt verbinden“, sagt Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Group.

Laut Austrian Airlines sollen künftig Kurzstreckenflüge zunehmend auf die Bahnverlegt werden. Allerdings soll sichergestellt werden, dass die Bundesländerflughäfen an zumindest ein Lufthansa-Drehkreuz angebunden sind. Liegt die Boden-Reisezeit unter drei Stunden, so sollen Flüge entfallen. Bis 2030 soll der innerösterreichische Kohlenstoffdioxid-Ausstoß halbiert werden. Dazu soll die Treibstoffeffizienz pro Jahr um 1,5 Prozent gesteigert werden, so dass sich bis 2030 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 30 Prozent ergibt.

Regierung will mit Anti-Dumping-Regelung Schützenhilfe leisten
Vizekanzler Werner Kogler kündigte auch an, dass es künftig Anti-Dumping-Regelungen für Flugtickets geben wird. Man wolle dadurch vermeiden, dass es zu weiterem Preiskampf im Billigstsegment kommen wird. Laut ihm sollen künftig zumindest Steuern, Gebühren und Abgaben in voller Höhe im Ticketpreis reflektiert werden. Damit wird durchaus indirekt Schützenhilfe für die AUA im Konkurrenzkampf gegen Wizzair und Lauda geleistet.

Verkehrsministerin Leonore Gewessler kündigte an, dass künftig Flugtickets mindestens zum Preis der Steuern, Gebühren und Ticketabgabe verkauft werden müssen. Der ungefähre Mindestpreis soll bei etwa 40 Euro oneway liegen. Europaweit sieht man sich in dieser Hinsicht als Vorreiter. Die Ticketabgabe soll nicht im kommenden Jahr, sondern sofort auf 12 Euro angehoben werden. Neu ist auch, dass für Flüge, die auf einer Strecke unter 250 Kilometer durchgeführt werden, sogar 30 Euro an Ticketsteuer anfallen werden.

Zur Aufsicht der Einhaltung aller Auflagen erhält die ÖBAG die Möglichkeit, zwei Personen in den Vorstand der Österreichischen Luftverkehrs-Privatstiftung (ÖLP), dem Mehrheitseigentümer der Austrian Airlines (über die Österreichischen Luftverkehrs-Holding), zu entsenden. Eine dieser beiden Personen wird außerdem einen Sitz im Aufsichtsrat der Austrian Airlines AG erhalten. So die Auflagen nicht eingehalten werden, fallen laut Finanzminister Gernot Blümel Strafzahlungen an.

Nachdem Austrian Airlines ursprünglich 767 Millionen Euro an Liquiditätsbedarf bei der COVID19-Finanzierungsagentur des Bundes GmbH (COFAG) angemeldet hatte, ermöglicht der frühere Neustart und die seitens des Managements erfolgreiche Umsetzung von liquiditätserhaltenden Maßnahmen nur noch einen geringeren Finanzierungsbedarf von 600 Millionen Euro. Dieser Betrag wurde auch vom Wirtschaftsprüfer PwC bestätigt.

Blümel: Carrier fällt bei Nichtrückzahlung des Kredits ins Eigentum des Staats
300 Millionen Euro davon werden als Kredit über eine Bankenfinanzierung bereitgestellt. Weitere 300 Millionen Euro seitens des Staates und der Lufthansa sollen das Eigenkapital stärken. Dadurch soll nicht nur die Rückführbarkeit der Bankfinanzierung abgesichert, sondern mittelfristig die Investitionsfähigkeit in nachhaltige Technologien sichergestellt werden. Das Bestehen von Austrian Airlines als systemrelevanter Partner für das Drehkreuz Wien kann damit sichergestellt werden.       

Der Kredit über 300 Millionen Euro soll von einem österreichischen Bankenkonsortium bestehend aus Erste Group, Raiffeisenbank International, BAWAG und eventuell weiteren Banken zur Verfügung gestellt werden, wobei die Erste Group auch als Koordinator tätig ist. Nach Abschluss der nötigen Prüfungsschritte und aller Genehmigungen wird der Kredit von der Republik Österreich zu 90 Prozent über die COFAG garantiert. Laut Finanzminister Gernot Blümel würde bei Nichtrückzahlung des Kredits der Carrier faktisch ins Eigentum des Staats fallen.

Mitarbeiter verzichten auf Lohn
Ein weiterer sehr wesentlicher Teil der Corona-Hilfe kommt von den Mitarbeitern der Fluglinie: Die knapp 7.000 Mitarbeiter schultern kumuliert etwa 300 Millionen Euro Krisenbeitrag, indem sie unter anderem auf Gehalt verzichten. Ebenso bedeutsam ist der Anteil von den über 1.000 Geschäftspartnern und Lieferanten von Austrian Airlines: in neuen Vereinbarungen konnte das Auftragsvolumen um mehr als 150 Millionen Euro reduziert werden, teilweise über neue Vereinbarungen, teilweise durch Verzicht.

„Ich bin sehr erleichtert und dankbar, dass es uns gemeinsam gelungen ist, Austrian Airlines wieder startklar zu machen. Austrian Airlines wird ab 15. Juni 2020 nach fast drei Monaten am Boden wieder starten und den Flugbetrieb im Einklang mit den internationalen Reiserichtlinien langsam wieder hochfahren. Wir freuen uns, dass wir schon bald wieder Passagiere an Bord begrüßen dürfen”, so AUA-Generaldirektor Alexis von Hoensbroech.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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