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Gault & Millau Genussmesse 2025: Licht und Schatten der österreichischen Kulinarik

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Die Gault & Millau Genussmesse 2025, die am 13. und 14. September 2025 in der Ottakringer Brauerei in Wien stattfand, versammelte erneut die Riege der heimischen Gastronomie. Während die Veranstaltung zweifellos einen breiten Überblick über die österreichische Kulinarik bot, werfen einige Aspekte Fragen über die tatsächliche Innovationskraft und die Zugänglichkeit der Szene auf.

Die Messe präsentierte ein breites Spektrum, von prämierter Haute Cuisine bis zu regionalen Delikatessen, doch bei näherer Betrachtung zeigten sich auch die Herausforderungen und bisweilen starren Strukturen einer Branche, die zwischen Tradition und Moderne navigiert. Die Veranstaltung, die als Schaufenster für die im Gault & Millau Führer präsentierten Betriebe dient, spiegelte sowohl die Stärken als auch die Schwächen einer Szene wider, die sich oft im Spannungsfeld zwischen Perfektionismus und Praxis bewegt.

Ein Kulinarisches Schaufenster mit Defiziten

Die Liste der Aussteller las sich wie ein Who’s Who der österreichischen Gastronomie. Über 100 Stände, von etablierten Haubenlokalen bis zu aufstrebenden Produzenten, versprachen ein wahres Feuerwerk für die Sinne. Jedoch war die Zugänglichkeit vieler dieser Gaumenfreuden nicht für jedermann gegeben. Die oft winzigen Portionen, die am Stand angeboten wurden, rechtfertigten in manchen Fällen kaum den hohen Preis des Eintrittstickets. Während das Konzept der Verkostung dazu dienen sollte, einen umfassenden Einblick zu gewähren, blieben viele Besucher am Ende mit dem Gefühl zurück, nur einen flüchtigen und teils unbefriedigenden Eindruck von den eigentlichen Küchenleistungen erhalten zu haben.

Kritiker bemängelten zudem, daß sich das Angebot in weiten Teilen um bereits bekannte Namen und bewährte Konzepte drehte. Zwar gab es einige neue Gesichter, doch der Großteil der Stände war von Betrieben besetzt, die seit Jahren im Gault & Millau Führer präsent sind. Die Messe bot damit weniger eine Plattform für radikale Innovationen, sondern vielmehr eine Bestätigung des bereits Etablierten. Junge, unkonventionelle Konzepte hatten es schwer, neben den großen Namen die notwendige Aufmerksamkeit zu erhalten. Dies wirft die Frage auf, inwiewefern die Messe tatsächlich ein Spiegelbild der dynamischen Entwicklungen in der Branche ist oder ob sie nicht vielmehr eine Bestätigung des Status quo darstellt.

Winzerkunst und die Frage der Authentizität

Im Bereich der Weine präsentierten zahlreiche Winzer ihre Erzeugnisse. Die Qualität der Weine war unbestritten hoch. Doch auch hier gab es einen kritischen Unterton. Viele der präsentierten Weine entsprachen dem etablierten Mainstream und setzten weniger auf Experimente, als man es sich von einer solchen Veranstaltung erhoffen könnte. Der Fokus lag auf den sicheren, am Markt erfolgreichen Sorten und Stilen. Zwar gab es auch einige Ausnahmen, doch der Mut zur Nische und zu unkonventionellen Weinen schien bei vielen Ständen zu fehlen. Dies kann als Zeichen einer Branche gesehen werden, die sich zunehmend an den Erwartungen des Massenmarktes und den Bewertungen der Führer orientiert.

Auch die Präsentation mancher flüssiger Spezialitäten, wie etwa von Edelbränden und Gins, schien bisweilen mehr auf eine gelungene Marketinginszenierung als auf eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Produkt abzuzielen. Die Geschichten über die Herkunft der Botanicals oder die handwerkliche Herstellung waren oft in Werbesprache gehüllt, die eine kritische Distanz zum Produkt erschwerte.

Spitzenküche als Distanzierte Darbietung

Die Präsenz von Spitzenköchen, die ihre Gerichte live zubereiteten, war zweifellos ein Höhepunkt. Die Darbietungen waren präzise und visuell beeindruckend. Doch die Interaktion zwischen Koch und Gast blieb in vielen Fällen minimal. Die Köche arbeiteten oft hinter Theken, getrennt vom Publikum, was die Aura des Unnahbaren verstärkte. Das persönliche Gespräch über die Philosophie oder die Details der Zubereitung war seltener, als man es sich wünschen würde. Statt eines Austausches, fand oft eine Darbietung statt, die die Distanz zwischen der Haute Cuisine und dem „normalen“ Konsumenten betonte.

Die Gault & Millau Genussmesse erfüllt in erster Linie die Aufgabe, die Marke Gault & Millau zu stärken und die ausgezeichneten Betriebe zu feiern. Es ist eine Leistungsschau, die dem elitären Charakter der Spitzenküche gerecht wird. Die Veranstaltung bekräftigte die Bedeutung des Gault & Millau Führers als Gütesiegel, zeigte aber auch, daß der Fokus stark auf den bereits etablierten Größen liegt. Es bleibt zu hoffen, daß zukünftige Messen auch den Mut aufbringen, vermehrt junge, experimentelle und unkonventionelle Konzepte in den Vordergrund zu rücken, um so nicht nur die Erfolge der Vergangenheit, sondern auch die Zukunft der österreichischen Kulinarik zu beleuchten.

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