Airbus A320 (Foto: Acroterion).
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Gebrauchtflugzeuge: Turkish Airlines prüft Übernahme von Spirit-Jets

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Die türkische Nationalfluggesellschaft Turkish Airlines verfolgt angesichts massiver Lieferverzögerungen bei den großen Flugzeugherstellern eine neue Strategie zur Kapazitätssicherung.

Wie der Verwaltungsratsvorsitzende Murat Seker gegenüber internationalen Medienvertretern bestätigte, führt das Unternehmen fortgeschrittene Gespräche mit verschiedenen Leasinggesellschaften über die Übernahme von Flugzeugen aus dem Bestand der US-amerikanischen Spirit Airlines. Im Fokus stehen dabei sieben bis zehn Maschinen des Herstellers Airbus, die nach der Einstellung des Flugbetriebs der US-Billigairline zur Disposition stehen. Dieser Schritt ist Teil einer breiter angelegten Initiative, den eigenen Flugzeugpark trotz der Engpässe bei Airbus und Boeing kurzfristig zu erweitern, um die ambitionierten Wachstumsziele am Drehkreuz Istanbul realisieren zu können.

Obwohl das Interesse an den Flugzeugen der ehemaligen Spirit Airlines weiterhin besteht, wurden die Verhandlungen laut Seker aufgrund der aktuellen Marktlage und spezifischer Rahmenbedingungen vorübergehend pausiert. Branchenexperten führen diese Unterbrechung auf die komplexen Rückgabeprozesse der Leasinggeber sowie die technische Prüfung der Flotte zurück, die zuvor im Ultra-Low-Cost-Segment eingesetzt wurde. Turkish Airlines steht vor der Herausforderung, die Kabinenkonfigurationen der übernommenen Jets an den eigenen Standard anzupassen, was zusätzliche Zeit und Investitionen in die Umrüstung der Innenausstattung erfordert. Dennoch bleibt die Übernahme von jungen Gebrauchtmaschinen ein attraktives Instrument, um die Lücken im Flugplan zu schließen, die durch die verspätete Auslieferung bestellter Neumaschinen entstanden sind.

Die angespannte Situation auf dem globalen Luftfahrtmarkt zwingt derzeit viele Großfluggesellschaften dazu, ihre Flottenplanung flexibler zu gestalten. Sowohl Airbus als auch Boeing kämpfen mit Problemen in ihren Lieferketten und produktionstechnischen Herausforderungen, was branchenweit zu Wartezeiten von mehreren Jahren für begehrte Mittelstreckenmodelle wie die A320neo-Familie führt. Turkish Airlines hat erst kürzlich Großbestellungen über Hunderte Flugzeuge platziert, benötigt jedoch unmittelbar zusätzliche Einheiten, um die steigende Nachfrage im Transitverkehr zwischen Europa, Asien und Afrika bedienen zu können. Der Rückgriff auf Bestände zahlungsunfähiger oder restrukturierter Airlines wie Spirit stellt hierbei eine seltene Gelegenheit dar, moderne Triebwerkstechnologie ohne die regulären Wartezeiten zu erwerben.

Parallel zu den Verhandlungen über die Spirit-Jets prüft die Airline weitere Optionen auf dem Sekundärmarkt und verlängert bestehende Leasingverträge für ältere Flugzeugtypen. Das Ziel bleibt die Verdopplung der Flottengröße innerhalb der nächsten Dekade, wobei die Effizienz der Betriebsabläufe im Vordergrund steht. Die Entscheidung, die Gespräche vorerst ruhen zu lassen, deutet auf ein vorsichtiges Vorgehen des Managements hin, um keine überhöhten Preise in einem überhitzten Markt für Gebrauchtflugzeuge zu zahlen. Analysten gehen davon aus, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden, sobald die rechtliche Abwicklung der Spirit-Masse in den USA weiter fortgeschritten ist und die technischen Spezifikationen der Triebwerke abschließend geklärt sind.

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