Die deutschen Flughäfen verzeichneten im Juli 2025 ein gedämpftes Passagierwachstum, das hinter den Erwartungen an einen klassischen Sommeransturm zurückblieb. Mit 21,76 Millionen Fluggästen wurde zwar ein Anstieg gegenüber dem Vormonat Juni verzeichnet, jedoch erreichte der Passagierverkehr lediglich 87,4 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019.
Die Branche sieht die Hauptursache hierfür in einem eingeschränkten Flugangebot. Während der europäische Verkehr sich nahezu erholt hat, stagniert das innerdeutsche Fluggeschäft weiterhin auf niedrigem Niveau. Die Luftfracht hingegen zeigt sich als Lichtblick mit dem stärksten Zuwachs seit Monaten. Die Diskrepanz zwischen der steigenden Reiselust der Bevölkerung und den begrenzten Kapazitäten der Fluggesellschaften prägt die aktuelle Lage der deutschen Luftfahrt.
Der Juli im Detail: Kaum Dynamik trotz Anstieg
Obwohl der Juli traditionell zu den stärksten Reisemonaten zählt, fehlte dem Passagierverkehr in Deutschland die gewohnte Dynamik. Die Zahlen der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) belegen einen Anstieg von 1,14 Millionen Passagieren im Vergleich zum Juni, doch die Erholung gegenüber 2019 bleibt mit einem Minus von 12,9 Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Besonders auffällig ist die unterschiedliche Entwicklung in den verschiedenen Marktsegmenten. Der innerdeutsche Flugverkehr stagniert weiterhin und konnte sich kaum vom Juni erholen. Mit nur 2,13 Millionen Passagieren erreichte er lediglich 46,5 Prozent des Niveaus von 2019. Die Gründe hierfür sind vielfältig, von einer gestiegenen Beliebtheit alternativer Reisemethoden wie der Bahn bis hin zur Verlagerung von Geschäftsreisen auf digitale Kommunikationsmittel. Viele Fluggesellschaften haben auf diesem Segment ihre Kapazitäten drastisch reduziert, da die Rendite auf den Strecken oft als geringer eingeschätzt wird.
Ganz anders sieht es im europäischen Verkehr aus. Hier nutzten 15,7 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen, was einem Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und eine Erholung von 95,3 Prozent im Vergleich zu 2019 darstellt. Dies zeigt, daß die Reiselust der Deutschen ungebrochen ist, insbesondere zu klassischen Ferienzielen in Südeuropa.
Der interkontinentale Verkehr verzeichnete ebenfalls eine Erholung, stagniert jedoch mit 3,9 Millionen Passagieren knapp unter dem Vorjahresniveau. Hier liegt die Erholung bei 93,8 Prozent des Niveaus von 2019. Fluggesellschaften setzen ihre begrenzten Langstreckenflugzeuge vermehrt auf Strecken ein, die als besonders rentabel gelten, was dazu führt, daß nicht alle Ziele im gewohnten Umfang bedient werden.
Die ersten sieben Monate des Jahres: Angebotsgrenzen prägen die Entwicklung
Die Entwicklung im Juli spiegelt den allgemeinen Trend der ersten sieben Monate des Jahres 2025 wider. Insgesamt wurden 121,2 Millionen Passagiere gezählt, was einem Plus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Jedoch liegt die Gesamterholung mit 84,7 Prozent deutlich hinter dem Stand von 2019 zurück.
Analysen des Marktes zeigen, daß die Nachfrage nach Flugreisen in Deutschland grundsätzlich vorhanden ist. Die Angebotsgrenzen der Fluggesellschaften sind jedoch ein limitierender Faktor. Viele Airlines haben ihre Flotten verkleinert oder die Flugpläne optimiert, um die Auslastung der Maschinen zu maximieren. Dies führt dazu, daß auf Routen, die als weniger profitabel gelten, die Frequenzen reduziert oder diese gänzlich eingestellt wurden. Besonders im innerdeutschen Verkehr macht sich dies bemerkbar, der in den ersten sieben Monaten mit 13,4 Millionen Passagieren nur die Hälfte des Vorkrisenniveaus erreichte.
Der Fokus der Airlines liegt eindeutig auf dem internationalen Geschäft. Mit einer Erholung von 93,1 Prozent im europäischen Verkehr und 96,3 Prozent im interkontinentalen Verkehr im Vergleich zu 2019, zeigt sich, daß hier die Prioritäten gesetzt werden. Diese Strategie der Kapazitätsallokation ist eine direkte Reaktion auf die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen der Branche.
Luftfracht als Motor des Wachstums
Ein positives Signal sendet der Bereich der Luftfracht. Im Juli verzeichnete dieser mit 425.682 Tonnen den stärksten Zuwachs seit Monaten. Dies entspricht einem Plus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt sogar um 4,8 Prozent über dem Niveau von 2019.
Die Entwicklung der Luftfracht ist eng an die Dynamik des Welthandels geknüpft. Die gestiegene Nachfrage im Juli könnte ein Indiz für eine leichte Erholung im globalen Handel sein, der in den letzten Monaten von Unsicherheiten und Lieferkettenproblemen geprägt war. Besonders die Einladungen, also die eingehende Fracht, zeigten mit einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr eine starke Entwicklung. Der Cargo-Bereich hat sich in den letzten Jahren als stabileres Standbein für die Flughäfen erwiesen, da er weniger von den schwankenden Passagierzahlen abhängt. Die positive Entwicklung im Juli könnte daher als ein Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft gewertet werden.
Der Rückgang der Passagierzahlen auf der einen Seite und die positive Entwicklung der Luftfracht auf der anderen Seite spiegeln die komplexen Dynamiken wider, denen der deutsche Luftverkehrsmarkt ausgesetzt ist. Die Herausforderung für die Flughäfen und Fluggesellschaften wird es in den kommenden Monaten sein, die Kapazitäten wieder der steigenden Nachfrage anzupassen, um die vollständige Erholung zu erreichen.