Geld reicht nicht: AUA-Mitarbeiter nehmen Zweitjobs an

Flaggen der Austrian Airlines am Flughafen Wien-Schwechat (Foto: Jan Gruber).
Flaggen der Austrian Airlines am Flughafen Wien-Schwechat (Foto: Jan Gruber).

Geld reicht nicht: AUA-Mitarbeiter nehmen Zweitjobs an

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Bei der österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend in der Geldbörse der Mitarbeiter bemerkbar. Bei vielen sollen die Verdiensteinbußen so heftig sein, dass diese Zweitjobs annehmen müssen, um finanziell über die Runden kommen zu können. Betroffen sind jedoch nicht Spitzenmanager, sondern Wenigverdiener, beispielsweise Flugbegleiter, berichtet das Nachrichtenmagazin News in der jüngsten Printausgabe.

Dem Medienartikel nach sind die jüngsten Mitarbeiter der Austrian Airlines besonders stark von den Lohneinbußen, die sich aufgrund der Kurzarbeit, aber auch deutlich weniger Flugstunden ergeben. Deren Normalgehalt beträgt brutto knapp über 1.700 Euro und inkludiert bereits viele Flugstunden. Um in den Genuss der variablen Gehaltsbestandteile zu kommen, müsste das Kabinenpersonal mehr fliegen. Das ist aufgrund der geringen Nachfrage derzeit fast unmöglich, so dass der persönliche Verdient fehlt. Auch Provisionen aus dem Duty-Free-Verkauf entfallen, da dieser aufgrund der Pandemie eingestellt wurde. Dazu kommt noch, dass sich in der Kurzarbeit der tatsächliche Netto-Verdienst nochmals mindert.

Laut News ist das reale Einkommen der jungen AUA-Flugbegleiter um rund 20 Prozent, zum Teil sogar noch stärker, gesunken. Die rund 2.500 Kabinenmitarbeiter zählen ohnehin nicht zu den Besserverdienern, so dass viele mit dem stark verminderten „Monatsbudget“ nur noch schwer über die Runden kommen sollen. Doch Not macht erfinderisch: Viele sollen Zweitjobs angenommen haben, um die Krise aus eigener Kraft möglichst schadlos überstehen zu können und so trat gleich das nächste Problem auf:

Zahlreiche Flugbegleiter sollen ihren niedrigen Verdienst in der Gastronomie und Hotellerie als Servicepersonal aufgebessert haben und waren dort auch sehr gern gesehen, aber diese Branche wurde Anfang November 2020 von der österreichischen Bundesregierung geschlossen. Die Folge daraus ist, dass einige „AUA-Zweitjobber“ ihren dringend benötigten Zusatzverdienst verloren haben. Kurzarbeit ist so gut wie unmöglich und das übrigens gar nicht, weil die Wirte das nicht wollen, sondern weil die Zweitjobs häufig im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung ausgeübt werden und diese sind von den Kurzarbeitsprogrammen nicht umfasst. Die Konsequenz daraus: Den betroffenen Flugbegleitern fehlt erneut das Geld, um über die Runden zu kommen.

„Eine Kürzung von zehn oder 20 Prozent plus der Wegfall der variablen Gehaltsbestandsteile, die in der Kurzarbeitsregelung nicht erfasst sind – das reicht dann für viele Mitarbeiter nicht“, erklärt Bordbetriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger gegenüber „News“. Der Arbeitnehmervertreter sagt aber ausdrücklich, dass nicht nur Flugbegleiter Zweitjobs angenommen haben, um über die Runden zu kommen, sondern „das zieht sich durch alle Unternehmensbereiche“ durch. Manche würden sogar als Stewards in den Nachtzügen der ÖBB aushelfen, um finanziell über die Runden zu kommen. „Da werden alle sich bietenden Möglichkeiten genutzt“, sagte Stratberger weiters.

Variable Gehaltsbestandteile nicht von der Kurzarbeit umfasst

Doch warum bekommen AUA-Flugbegleiter in der Kurzarbeit um so viel weniger Gehalt? Das „Problem“ liegt laut Vida-Fachbereichsleiter Daniel Liebhart in der Gestaltung der Gehälter, denn variable Verdienstbestandteile sind nicht von der Kurzarbeit erfasst. Das hat zur Folge, dass lediglich das niedrige Grundgehalt für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes herangezogen wird. Und genau das führt jetzt beim AUA-Personal so schwerwiegenden finanziellen Einbußen. Liebhart dazu: „Wir haben immer auf das Problem hingewiesen, dass variable Gehaltsbestandteile von der Kurzarbeitsarbeitsregelung nicht erfasst sind.“ Besonders hart betroffen sind ausgerechnet die Wenigverdiener, so Liebhart gegenüber News.

Carrier verbrennt 40 Millionen Euro pro Monat

AUA-Chef Alexis von Hoensbroech hätte die Möglichkeit den mickrigen Verdienst der Wenigverdiener aufzustocken. Gegenüber dem Magazin sagte er: „Kurzarbeit ist für viele eine Herausforderung. Wenn jemand in seiner freien Zeit etwas dazuverdient, ist uns das als Arbeitgeber recht, sofern alle Regularien eingehalten werden“. Nähere Einzelheiten wollte er dazu nicht sagen, jedoch bezeichnete er das Nachgehen von Zusatzjobs als „verständlich“.

Austrian Airlines würde pro Tag „ein bis zwei Millionen Euro“ verbrennen. In Summe soll ein Liquiditätsabfluss von mindestens 40 Millionen Euro pro Monat stattfinden, so von Hoensbroech. Da sich Austrian Airlines erfolgreich Staatshilfe organisieren konnte, soll die Finanzlage derzeit nicht angespannt sein. Der AUA-Chef sagte zu News: „Über den Winter werden wir mit unseren liquiden Mitteln auf jeden Fall kommen. Wir gehen davon aus, dass im Sommer das Geschäft zu 50, 60 oder70 Prozent wieder zurückkommt.“ Bis 2022 will man etwa 1.100 Mitarbeiter abbauen, jedoch hierfür nach Möglichkeit natürliche Fluktuation nutzen. Die Kurzarbeit wurde jedenfalls bis März 2021 verlängert.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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