Die britische Eisenbahnregulierung Behörde Office of Rail and Road (ORR) hat eine Rahmenvereinbarung genehmigt, die dem Bahnunternehmen Virgin Trains den Betrieb von internationalen Passagierzügen durch den Ärmelkanaltunnel erlaubt.
Die Vorabgenehmigung betrifft ein Abkommen über den Streckenzugang zwischen Virgin Trains und London St Pancras Highspeed, dem Betreiber der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1. Der Vertrag sieht vor, dass das Unternehmen ab Oktober 2030 bis Ende 2040 täglich bis zu 20 Hin- und Rückfahrten zwischen London und kontinentaleuropäischen Zielen wie Paris, Brüssel oder Amsterdam anbieten kann. Beide Parteien haben nun bis zum 4. September 2026 Zeit, die Vereinbarung formell zu unterzeichnen.
Die Zusage der Aufsichtsbehörde schließt an eine vorherige Entscheidung aus dem Oktober 2025 an, mit der Virgin Trains der Zugang zum Wartungsdepot Temple Mills International in London gewährt wurde. Diese Werkstatteinrichtung gilt als Voraussetzung für die Instandhaltung einer Flotte von internationalen Hochgeschwindigkeitszügen. Mit dem geplanten Markteintritt fordert das Unternehmen den bisherigen Monopolisten Eurostar auf den hoch frequentierten Strecken unter dem Ärmelkanal heraus. Die Behörde erhofft sich durch den Markteintritt neuer Anbieter ein größeres Angebot für Passagiere und eine Belebung des internationalen Schienenverkehrs.
Trotz der behördlichen Genehmigung für die Nutzung der britischen Infrastruktur ist der Start der Zugverbindungen im Jahr 2030 noch an erhebliche operative Bedingungen geknüpft. Virgin Trains muss geeignetes und zugelassenes Hochgeschwindigkeits-Fluggerät beschaffen, da Züge für den Ärmelkanaltunnel spezifischen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen. Zudem stehen die Verhandlungen über Streckennutzungsrechte und Bahnhofskapazitäten auf den Eisenbahnnetzen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden noch aus. Ebenso müssen Sicherheitsgenehmigungen der britischen und europäischen Luft- und Eisenbahnaufsichtsbehörden eingeholt werden.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass der grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitsverkehr extrem hohe Kapitalinvestitionen erfordert. Neben Virgin prüfen auch weitere Anbieter wie Evolyn oder Nederlandse Spoorwegen den Einstieg in den Markt für Kanalüberquerungen. Der wirtschaftliche Erfolg des Vorhabens wird davon abhängen, ob die langwierigen Zulassungsverfahren für das Rollmaterial rechtzeitig abgeschlossen werden können und ob die Terminals in London, Paris und Brüssel ausreichend Passagierkapazitäten für Grenzkontrollen bieten.