Trotz herausragender operativer Leistungen und einer signifikant gesteigerten Kundenzufriedenheit verzeichnete Austrian Airlines im wichtigen dritten Quartal 2025 einen Gewinnrückgang, der die Erwartungen deutlich verfehlte. Die Fluggesellschaft erzielte von Juli bis September ein bereinigtes EBIT von 119 Millionen Euro, was 14 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresquartals lag (139 Millionen Euro). Als Hauptgründe für die finanzielle Dämpfung identifizierte CEO Annette Mann die schwierige geopolitische Lage in wichtigen Kernmärkten, insbesondere im Nahen Osten, und die anhaltend ungünstigen Rahmenbedingungen am Luftfahrtstandort Österreich.
Mit 4,7 Millionen beförderten Passagieren konnte Austrian Airlines ihre Passagierzahlen leicht steigern, während die operativen Kennzahlen beeindruckende Verbesserungen zeigten: Die Pünktlichkeit bei Abflügen stieg um 13,7 Prozentpunkte, und die Kundenzufriedenheit lag deutlich über dem Vorjahreswert. Dennoch rechnet die Fluggesellschaft insgesamt mit einem positiven Jahresergebnis, das jedoch nicht ausreichen wird, um die geplanten milliardenschweren Investitionen in die Flotte und das Kundenerlebnis aus dem eigenen Cashflow zu finanzieren. Als klares Bekenntnis zum Standort Wien kündigte die Airline trotz der unbefriedigenden Bedingungen eine Kapazitätserweiterung im Sommerflugplan 2026 an.
Geopolitische Belastungen in wichtigen Kernmärkten
Das dritte Quartal, traditionell die stärkste Reisezeit, war für Austrian Airlines von externen Schocks geprägt. Die geopolitische Lage im Nahen Osten, einem seit Langem wichtigen und profitablen Markt für die Fluggesellschaft, wirkte sich direkt negativ auf die Geschäftszahlen aus. Verbindungen von und nach Tel Aviv mussten zeitweise ausgesetzt werden und wurden erst am 1. August schrittweise wieder aufgenommen. Routen nach Teheran sollen nach aktuellem Stand erst am 1. November wieder bedient werden.
Der Ausfall von Flügen in diese Regionen führte nicht nur zu einem direkten Einnahmenverlust, sondern hatte auch indirekte Folgen: Die Nordamerika-Verbindungen blieben ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, da wichtige Umsteigepassagiere aus dem Nahen Osten fehlten. Dies verdeutlicht die kritische Rolle Wiens als europäisches Drehkreuz für den Verkehr zwischen West- und Osteuropa sowie dem Nahen Osten und Nordamerika.
Ein weiterer Belastungsfaktor war die schwierige Wirtschaftslage in Deutschland, einem weiteren zentralen Markt für die Airline, der sich auf das Buchungsverhalten und die Nachfrage auswirkte. Der Gesamtumsatz der Austrian Airlines sank im dritten Quartal um vier Prozent auf 754 Millionen Euro (Vorjahr: 783 Millionen Euro), während die bereinigten Gesamtbetriebskosten lediglich um drei Prozent sanken. Trotz der Fortführung eines internen Effizienzprogramms konnte die Lücke zum Vorjahr nicht geschlossen werden.
Operative Exzellenz als Lichtblick
Während die finanziellen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben, zeigten die operativen Kennzahlen eine bemerkenswerte Stärke. Die intensiven internen Bemühungen zur Verbesserung der Betriebsabläufe trugen Früchte, was der neue COO, Stefan-Kenan Scheib, hervorhob. Er trat vor wenigen Wochen sein Amt an und ist für Flugbetrieb, Technologie und it zuständig.
Die Pünktlichkeit der Airline verbesserte sich signifikant:
- Die Pünktlichkeitsquote bei Ankünften stieg um 11,5 Prozentpunkte auf 79,9 Prozent.
- Die Pünktlichkeitsquote bei Abflügen stieg sogar um 13,7 Prozentpunkte auf 74,4 Prozent.
- Die Regelmäßigkeit des Betriebs lag bei hohen 99,2 Prozent.
Diese Steigerung der Zuverlässigkeit ging einher mit einer deutlich erhöhten Kundenzufriedenheit. Dies ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in einem hochkompetitiven Markt. Die 68 Flugzeuge umfassende Flotte war mit einer Kapazitätsauslastung von 88,2 Prozent gut ausgelastet.
Klare Standortbekenntnis trotz politischer Kritik
Trotz der weiterhin als „unbefriedigend“ bewerteten Bedingungen am Luftfahrtstandort Österreich bekräftigt Austrian Airlines ihr klares Bekenntnis zu Wien als Drehkreuz. Die Fluggesellschaft wird im Sommerflugplan 2026 ihr Streckennetz und die Frequenzen erweitern und reagiert damit auch auf den angekündigten Rückzug anderer Billigfluggesellschaften vom Markt. Zur Kapazitätserweiterung konnten rechtzeitig zwei zusätzliche Flugzeuge des Wet-Lease-Partners Air Baltic gesichert werden.
CEO Mann betonte, dass die Airline intensive Gespräche mit allen Beteiligten über die Zukunft des Luftfahrtstandorts Österreich führt: „Ungeachtet dessen appellieren wir weiterhin an die Entscheidungsträger, gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“ Sie hob hervor, dass die schwachen Ergebnisse trotz operativer Exzellenz sowie der teilweise Rückzug anderer Airlines die dringende Notwendigkeit langfristiger, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger Lösungen für den Standort unterstreichen. Die hohen Flugbetriebskosten in Österreich sowie der stark verzerrte Wettbewerb, insbesondere mit außereuropäischen Fluggesellschaften, machen das profitable Anfliegen globaler Ziele von Wien aus extrem schwierig.
Investitionsprogramm und Flottenharmonisierung
Austrian Airlines arbeitet konsequent an der Steigerung der internen Effizienz durch weitreichende strategische Entscheidungen. Ein zentraler Punkt ist die Flottenharmonisierung. Die derzeitige Flotte, bestehend aus fünf Flugzeugtypen (Embraer 195, Airbus A320, Boeing 767, Boeing 777 und Boeing 787-9), wird künftig auf nur noch zwei Typen reduziert: die Airbus A320-Familie für die Kurz- und Mittelstrecke und die Boeing 787-9 Dreamliner für die Langstrecke.
Die 17 Embraer-Maschinen sollen bis Ende 2028 ausgemustert und schrittweise durch sechs zusätzliche Airbus A320 ersetzt werden. Die Umstellung und geplante Erweiterung der Langstreckenflotte auf die Boeing 787-9 repräsentiert ein Investitionsvolumen von über drei Milliarden Euro (Listenpreis). COO Scheib sieht darin einen wichtigen Schritt, um Austrian Airlines effizienter zu machen.
Zusätzlich investiert die Airline massiv in die Infrastruktur und das Kundenerlebnis:
- 35 Millionen Euro fließen in neue Lounges am Drehkreuz Wien.
- Jährlich werden über zehn Millionen Euro in digitale Kundenservices investiert.
Diese umfassenden Investitionen unterstreichen die langfristige Strategie, die Airline zu modernisieren und die Kundenzufriedenheit weiter zu steigern, auch wenn das aktuelle Jahresergebnis die Finanzierung aus eigener Kraft noch nicht vollständig ermöglicht.