Ein eskalierender Rechtsstreit in den Vereinigten Staaten wirft ein Schlaglicht auf die Arbeitsbeziehungen in der Luftfahrtindustrie. Die amerikanische Fluggesellschaft Southwest Airlines sieht sich in Arizona mit Bußgeldern in Höhe von über 2,3 Millionen Dollar konfrontiert, weil sie angeblich Arbeitnehmer bestraft hat, die ihre rechtmäßig zustehenden bezahlten Freistellungen für Krankheitstage in Anspruch nahmen.
Nach monatelangen Beschwerden von Flugzeugmechanikern entschied ein Verwaltungsrichter zugunsten der Arbeitnehmer und stellte fest, dass die Disziplinarmaßnahmen der Airline gegen die Arbeitsgesetze des Bundesstaates verstoßen. Southwest Airlines weist die Vorwürfe zurück, verteidigt ihre großzügige Regelung für bezahlte Freistellungen und kündigt an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Der Fall könnte weitreichende Konsequenzen für die Arbeitsrechte in der Luftfahrt haben und die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem Management und den Gewerkschaften weiter belasten.
Der Konflikt um die bezahlten Krankheitstage
Der Konflikt begann vor rund zwei Jahren, als Flugzeugmechaniker von Southwest Airlines in Arizona Beschwerden über Disziplinarmaßnahmen wegen der Inanspruchnahme ihrer bezahlten Freistellungen einreichten. Die Arbeitnehmer gaben an, Verwarnungsschreiben in ihren Personalakten erhalten zu haben, nachdem sie eine bestimmte Anzahl von Krankheitstagen innerhalb eines Jahres genutzt hatten. Laut Lee Seham, einem Anwalt, der sechs der betroffenen Mitarbeiter vertritt, erhielten die Arbeiter Verwarnungen, nachdem sie im Laufe von 12 Monaten ihren zehnten bezahlten Krankheitstag genommen hatten.
Die Arbeiterkammer von Arizona (Arizona’s labor department) untersuchte die Angelegenheit und kam zu dem Schluss, dass die Maßnahmen von Southwest Airlines gegen das Gesetz über faire Löhne und gesunde Familien (Fair Wages and Healthy Families Act) verstoßen. Dieses Gesetz, das 2016 von den Wählern in Arizona verabschiedet wurde, verpflichtet Arbeitgeber, bezahlte Krankheitstage zu gewähren, und verbietet es, Arbeitnehmer für die Nutzung dieser Freistellung zu bestrafen. Ein Verwaltungsrichter bestätigte diese Auffassung und sprach sich zugunsten von 18 der betroffenen Angestellten aus. Der Rechtsstreit hat seither weitere Kreise gezogen, da weitere Mechaniker Beschwerden gegen die Airline eingereicht haben.
Southwest Airlines verteidigt seine Politik
Southwest Airlines, eine der größten Fluggesellschaften der Welt, verteidigt ihr Vorgehen vehement. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, das Urteil des Verwaltungsrichters bestrafe Southwest dafür, dass es eine großzügigere Freistellungsregelung anbiete, als es das Gesetz von Arizona vorschreibe. Die Airline erlaubt ihren Mechanikern und verwandten Berufsgruppen, bis zu 2000 Stunden bezahlte Krankheitstage anzusammeln, was deutlich über den 40 Stunden liegt, die das Gesetz schützt. Southwest betont, dass es keine Disziplinarmaßnahmen gegen Mechaniker verhänge, bevor sie mehr als 90 Stunden bezahlte Freistellung pro Jahr genutzt hätten.
Das Unternehmen argumentiert, die verhängten Bußgelder von über 2,3 Millionen Dollar verstoßen gegen verfassungsmäßige Grundsätze des fairen Verfahrens, da keinem Mitarbeiter gekündigt wurde oder es zu Linienbussen kam. Die Airline kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen und ihr Recht zu verteidigen, ihre Mitarbeiter besser zu behandeln, als es die gesetzlichen Mindestanforderungen vorschreiben. Die Führungsebene von Southwest befürchtet, dass das Urteil einen „gefährlichen Präzedenzfall“ schaffen und das Unternehmen zwingen könnte, seine großzügigen Freistellungsrichtlinien zu reduzieren, was letztlich den eigenen Mitarbeitern schaden würde.
Der Rechtsstreit mit den Mechanikern ist nicht das einzige juristische Problem, mit dem sich Southwest Airlines in jüngster Zeit konfrontiert sah. Im vergangenen Jahr musste sich die Airline einer Klage der Stadt Oakland stellen, die ebenfalls Verstöße gegen die Arbeitsgesetze anprangerte. Diese Auseinandersetzungen deuten auf eine zunehmend angespannte Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern hin.
Gewerkschaftliche Spannungen und die besondere Situation der Mechaniker
Die Rechtsstreitigkeit findet vor dem Hintergrund eines bereits angespannten Verhältnisses zwischen der Airline und ihrer Gewerkschaft, der Aircraft Mechanics Fraternal Association (AMFA), statt. Ein Vertreter der Gewerkschaft sagte in einer juristischen Erklärung, dass die Disziplinarmaßnahmen eine „abrupte Änderung“ der bisherigen Praxis darstellten. Die Gewerkschaft wirft der Airline vor, sie habe begonnen, die Krankheitstage ihrer Mitarbeiter zu zählen, obwohl diese für legitime Krankheiten und Verletzungen genutzt wurden.
Der Anwalt der Mechaniker, Lee Seham, betonte, die Arbeit seiner Mandanten sei besonders anspruchsvoll. „Sie melden sich nicht krank, es sei denn, sie sind wirklich, schrecklich krank“, sagte er. Die mechanische Instandhaltung der Flugzeugflotte, die fast ausschließlich aus der Boeing 737 besteht, ist eine kritische Aufgabe, die höchste Präzision und Verlässlichkeit erfordert. Die Mechaniker von Southwest Airlines arbeiten unter hohem Druck, um die Flotte in einem Top-Zustand zu halten und die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Die drohenden Bußgelder, die wöchentlich um etwa 18.000 Dollar steigen, solange der Streit nicht beigelegt ist, verdeutlichen die Ernsthaftigkeit der Situation für das Unternehmen.
Experten der Luftfahrtindustrie weisen darauf hin, dass die Arbeitsbeziehungen in der Branche seit Jahren von Tarifkonflikten und Rechtsstreitigkeiten geprägt sind. Die Fluggesellschaften versuchen, ihre Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, während die Gewerkschaften um die Rechte und die Entlohnung ihrer Mitglieder kämpfen. Der Fall in Arizona könnte als Präzedenzfall dienen und die Beziehungen in der gesamten Branche beeinflussen. Er unterstreicht die Notwendigkeit, eine Balance zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen und den Rechten und dem Wohlbefinden der Arbeitnehmer zu finden.