Die deutsche Fluggesellschaft German Airways, eine Spezialistin im ACMI- und Chartergeschäft, prüft in den kommenden Jahren eine strategische Diversifizierung ihres Geschäftsfelds durch die Umrüstung von bis zu fünf ihrer Embraer E190 Passagierflugzeuge in Frachtmaschinen. Dies erklärten die Geschäftsführer Maren Wolters und Wolfram Simon-Schröter am Rande der Generalversammlung des europäischen Regionalverbandes ERA in Estoril, Portugal. Trotz der Überlegungen bleibt der Passagierverkehr das Kerngeschäft der Airline.
Die Fluggesellschaft sieht eine Marktlücke für eine solche Frachtkonversion der E1-Serie (Embraer E-Jet der ersten Generation). Die umgerüstete E190 würde sich nach Einschätzung der Airline zwischen den größeren Boeing 737-Frachtern und den kleineren Turboprop-Frachtern der ATR-Serie positionieren. Durch ihre Reichweite eigne sich das Flugzeugmuster gut für Expressfrachtdienste innerhalb Europas. Eine endgültige Entscheidung über die Umrüstungen stehe zwar noch aus, da auch Alternativen wie die Zerlegung der Maschinen geprüft würden, jedoch hänge die Wahl stark von der wirtschaftlichen Bewertung der Frachtumrüstung und der zukünftigen Flottenstrategie ab.
Wolfram Simon-Schröter verwies darauf, dass die Entscheidung unter anderem vom Marktgeschehen und insbesondere von der Verfügbarkeit und den Problemen der Triebwerke abhänge. Bei einer anhaltend hohen Nachfrage nach Passagiermaschinen des Typs E1 und einer guten Auslastung könnte die Umrüstung entfallen. Sollte es jedoch zu Frachtumbauten kommen, plant German Airways, die Flotte an Passagierflugzeugen durch gleichwertige neue Maschinen zu ersetzen. Parallel zu den langfristigen Frachtüberlegungen plant German Airways kurzfristig ein Flottenwachstum um ein bis zwei weitere Flugzeuge noch in diesem Winter. Die Herkunft dieser zusätzlichen Maschinen ist noch unbestimmt; die Airline erwägt sogar den Kauf anstatt des Leasings. Maren Wolters betonte, dass der Flugzeugeigentum im Vergleich zum Leasing mehr Flexibilität biete, insbesondere im Hinblick auf den Tausch von Triebwerken, die Zuordnung der Flugzeuge und die Möglichkeit zukünftiger Frachter-Konversionen. Die Airline, die derzeit acht Embraer E190-Langstreckenvarianten betreibt, primär für den Partner KLM Cityhopper, sieht eine komfortable maximale Flottengröße von bis zu zwölf E1-Maschinen. Als natürlichen Nachfolger für ihre Flotte hat German Airways bereits die modernere Embraer E2-Serie ins Auge gefasst, wobei jedoch noch bestehende Triebwerksprobleme von Pratt & Whitney eine endgültige Entscheidung verzögern.