Inmitten der Erholung des Luftverkehrsmarktes nach den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie zeigt sich eine interessante Entwicklung im Bereich der Wetlease-Airlines. German Airways, ein Spezialist für Flugdienstleistungen und Teil der Zeitfracht-Gruppe, plant den Rückkauf ihrer E190-Maschinen aus Leasingverträgen.
Diese Entscheidung markiert einen strategischen Wechsel und spiegelt das wachsende Vertrauen in die Erholung des Reiseverkehrs wider. Mit der Ankündigung, die Verträge mit dem US-amerikanischen Lessor Azorra vorzeitig zu beenden, zielt German Airways darauf ab, ihre Flotte zu modernisieren und von den potenziellen finanziellen Vorteilen einer eigenen Maschinenflotte zu profitieren.
Der Wetlease-Markt im Aufwind
Der Wetlease-Markt, in dem Fluggesellschaften Flugzeuge zusammen mit Besatzungen von anderen Airlines mieten, erlebt derzeit einen Aufschwung. Nach den drastischen Einbußen während der Pandemie suchen viele Airlines, darunter namhafte Unternehmen wie KLM, Luxair und ITA, nach flexiblen Lösungen, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Wetlease-Verträge ermöglichen es den Airlines, schnell auf saisonale Nachfragespitzen zu reagieren, ohne in teure eigene Kapazitäten investieren zu müssen.
Die Entscheidung von German Airways, ihre E190-Flotte zurückzukaufen, ist Teil einer umfassenden Strategie, die darauf abzielt, die Flotte langfristig zu modernisieren. Wolfram Simon-Schröter, Geschäftsführer von Zeitfracht, betonte die Vorteile des Rückkaufs: „Wir werden unsere Flugzeuge aus den Leasingverträgen rauskaufen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, die E190 länger zu nutzen und Abschreibungspotenzial in die Bilanz zu holen.“
Strategische Entscheidungen und Investitionen
Zeitfracht, das Mutterunternehmen von German Airways, hat sich in den letzten Jahren als ein aktiver Akteur im Luftfahrtsektor etabliert. Während der Pandemie übernahm das Unternehmen den Flughafen Rostock-Laage und investierte in die insolvente Modekette Adler. Zudem wurden die Airlines WDL und LGW in die German Airways integriert, um die Marktstellung zu stärken. Diese proaktive Herangehensweise hat sich ausgezahlt, insbesondere in einem sich stabilisierenden Wetlease-Markt.
Mit der Entscheidung, die E190-Flotte zurückzukaufen, zeigt sich German Airways optimistisch hinsichtlich der Marktentwicklung. Die Flugzeuge sind im Durchschnitt 17 Jahre alt, was einen erheblichen Investitionsbedarf zur Modernisierung mit sich bringt. Simon-Schröter erklärte, dass die Airline in Zukunft eng mit Azorra zusammenarbeiten will, um nicht nur die bestehenden Maschinen zu optimieren, sondern auch neue Möglichkeiten im europäischen Geschäft zu erschließen.
Lufthansa und der Wetlease-Boom
Die gesamte Branche zeigt Anzeichen einer Erholung, und auch Lufthansa setzt verstärkt auf Wetlease-Modelle. Airlines-Chef Jens Ritter kündigte an, dass Lufthansa ab 2025 vermehrt auf externe Partner zurückgreifen werde, um saisonale Nachfragespitzen zu bedienen. Laut Ritter benötigt Lufthansa im Sommer etwa 25 Flugzeuge mehr als im Winter. Dies zeigt den Bedarf an flexiblen Lösungen in einer Branche, die durch Unsicherheiten und schwankende Nachfragen geprägt ist.
Vor diesem Hintergrund hat Lufthansa kürzlich einen Wetlease-Vertrag mit Air Baltic verlängert, um ab 2025 bis zu 21 A220-300 und das dazugehörige Flugpersonal in Anspruch nehmen zu können. Zusätzlich wird dem Unternehmen ein Interesse an einer Kapitalbeteiligung an Air Baltic nachgesagt, was die Strategie von Lufthansa unterstreicht, sich in einem wettbewerbsintensiven Markt zu diversifizieren.