Die indische Fluggesellschaft Air India hat sich an die Regierung ihres Landes gewandt und um finanzielle Kompensation für die erheblichen Verluste gebeten, die durch die anhaltende Sperrung des pakistanischen Luftraums entstanden sind.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Schreiben der Fluggesellschaft berichtet, schätzt Air India, daß ihr jährlicher Verlust über 50 Milliarden Rupien (umgerechnet etwa 590 Millionen US-Dollar) betragen könnte, sollte die Sperrung fortgesetzt werden. Das Unternehmen fordert ein „Subventionsmodell“, das proportional zu den erlittenen Verlusten ist und so lange greifen soll, wie der pakistanische Luftraum für indische Flugzeuge gesperrt bleibt. Eine Anfrage von ch-aviation zu dieser Angelegenheit blieb bisher unbeantwortet.
Nachdem Pakistan am 24. April 2025 seinen Luftraum für alle indischen Flugzeuge gesperrt hatte, sah sich Air India gezwungen, ihre Flüge nach Europa und Nordamerika umzuleiten, um das Land zu umfliegen. Diese Maßnahme führt zu erheblich längeren Flugzeiten und zwingt die Fluggesellschaft, auf ihren Verbindungen von und nach Nordamerika (mit Ausnahme von Vancouver und San Francisco, die über Pazifikrouten bedient werden) zusätzliche Zwischenlandungen zum Auftanken in Kopenhagen und Wien einzulegen. Air India betont, daß neben den zusätzlichen Treibstoffkosten auch die verlängerten Flugzeiten aufgrund des erhöhten Personalbedarfs kostspielig sind.
Indische Luftfahrtbehörde lockert vorübergehend Flugdienstzeiten
Um die Komplikationen teilweise auszugleichen, hat die indische Generaldirektion für Zivilluftfahrt (DGCA) der staatlichen Fluggesellschaft vorübergehend gestattet, die Flugdienst- und Ruhezeiten der Piloten auf Langstreckenflügen zu verlängern. Laut einem internen Vermerk, der Reuters vorliegt, gilt diese Ausnahmeregelung zunächst für zwei Wochen bis Mitte Mai 2025. Es wird davon ausgegangen, daß dies eine Übergangsmaßnahme ist, während die Aufsichtsbehörde nach einer langfristigen Lösung für das Problem sucht.
Während auch die indische Billigfluggesellschaft IndiGo von der Luftraumsperrung betroffen ist, fallen die Auswirkungen auf dieses Unternehmen deutlich geringer aus. IndiGo bedient keine Ziele in Europa über den Flughafen Istanbul hinaus und fliegt auch keine nordamerikanischen Destinationen an. Die Umleitungen und die damit verbundenen Kosten stellen für IndiGo daher eine weitaus geringere Belastung dar als für die auf Langstreckenflüge spezialisierte Air India.
Auswirkungen auf europäische Flughäfen Wien und Kopenhagen
Die erzwungenen Zwischenlandungen von Air India in Wien und Kopenhagen führen zu einem erhöhten Passagieraufkommen und einer veränderten Frequentierung dieser Flughäfen. Während dies kurzfristig zu zusätzlichen Einnahmen durch Landegebühren und eventuelle Serviceleistungen führen kann, stellt es die betroffenen Flughäfen auch vor logistische Herausforderungen hinsichtlich der Abfertigung der zusätzlichen Flugzeuge und Passagiere.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und ob diese Zwischenlandungen zu einer dauerhaften Einrichtung werden, sollte die Sperrung des pakistanischen Luftraums länger andauern. Die Notwendigkeit von Treibstoffstopps in Europa unterstreicht die geografische Zwangslage, in die sich Air India durch die Luftraumsperrung manövriert sieht.