Das österreichische Bundesheer führt jährlich bei rund 50.000 Stellungspflichtigen eine detaillierte Eignungsprüfung für den Wehrdienst durch.
Dieser eineinhalbtägige Prozess in den Stellungshäusern der Militärkommanden fungiert de facto als größte Reihenuntersuchung des Landes und liefert repräsentative Daten über den physischen und psychischen Zustand junger Erwachsener. Die Untersuchung umfasst neben klinischen Tests auch psychologische Screenings, um die Einstufung in die Kategorien tauglich, vorübergehend untauglich oder untauglich vorzunehmen. Laut aktuellen Auswertungen weisen mittlerweile etwa 85 Prozent der Untersuchten mindestens eine medizinische Diagnose auf, was die Bedeutung dieser Begutachtung für die präventive Gesundheitsüberwachung unterstreicht.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betonte die Rolle des Bundesheeres bei der Früherkennung gesundheitlicher Risiken. Für viele junge Männer und freiwillig meldende Frauen stellt die Stellung die erste umfassende medizinische Bestandsaufnahme seit der Schulzeit dar. Die medizinischen Register dokumentieren einen signifikanten Anstieg von Stoffwechselstörungen, insbesondere Übergewicht, sowie eine Zunahme von Haltungsschäden im Bereich der Wirbelsäule. Ein langjähriger Trend zeigt zudem, dass die Stellungspflichtigen im Durchschnitt zwar größer werden, das Körpergewicht jedoch überproportional ansteigt. Ein wachsender Anteil der Probanden bringt mittlerweile mehr als 90 Kilogramm auf die Waage, was die militärische Tauglichkeitsrate unmittelbar beeinflusst.
Die Entscheidung über die Wehrdienstfähigkeit obliegt den regionalen Stellungskommissionen, die in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Tirol tätig sind. Diese Gremien bestehen aus Offizieren, Ärzten sowie Psychologen und entscheiden mit Stimmenmehrheit, wobei für ein Tauglichkeitsurteil zwingend die Zustimmung eines Mediziners vorliegen muss. Neben der Feststellung der militärischen Verwendbarkeit bietet das Bundesheer den Betroffenen im Abschlussgespräch konkrete Empfehlungen für weiterführende Behandlungen an. Dies umfasst Hinweise auf fachärztliche Versorgungen bei Sehschwächen, Allergien oder orthopädischen Beschwerden, die ohne diesen Check oft unentdeckt blieben.
Ergänzende Analysen zeigen, dass psychologische Testergebnisse zunehmend relevanter für die Beurteilung der Dienstfähigkeit werden. Die Belastungsgrenzen und die psychische Belastbarkeit junger Erwachsener stehen verstärkt im Fokus der militärpsychologischen Dienste. Durch die systematische Erfassung dieser Daten kann das Bundesheer nicht nur den Personalbedarf für das kommende Dienstjahr planen, sondern dient dem Staat auch als Frühwarnsystem für die allgemeine Volksgesundheit. Die Ergebnisse der Stellung fließen anonymisiert in statistische Berichte ein, die als Grundlage für öffentliche Gesundheitsstrategien und Präventionsprogramme außerhalb des militärischen Bereichs herangezogen werden.