Hühner-Schnitzel (Foto: Jan Gruber).
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Getestet: So schmeckt das teure AUA-Paid-Catering

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Mit dem Wechsel auf den Winterflugplan 2025/26 hat Austrian Airlines wieder eine neue Speisekarte für den On-Board-Verkauf in der Economy-Class auf der Kurz- und Mittelstrecke aufgelegt. Neu ist, dass man die Möglichkeit der Vorbestellungen nun forciert. Doch wie schmecken die Speisen, die im Rahmen der Melangerie zum Kauf angeboten werden und von der AUA stets als besonders frisch angepriesen werden?

Vor vielen Jahren, in etwa zur Mitte der 2000er-Jahre, hat Austrian Airlines einen ersten Ausflug ins Paid-Catering unternehmen. Dies war nicht von Erfolg gekrönt und wurde vom damals neuen Generaldirektor Alfred Ötsch dann wieder abgeschafft. Irgendwann hat man die Möglichkeit eingeführt, dass bestimmte Speisen vorbestellt werden können. Inkludiert waren Getränke sowie ein Snack wie zum Beispiel Soletti-Stangerl. Mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs – Einstellung wegen dem Beginn der Corona-Pandemie –hat man unter dem Deckmantel der Vermeidung von Ansteckungen den inkludierten Eco-Service auf Kaffee, Tee und Wasser reduziert, ehe dann im Frühjahr 2021 Paid-Catering eingeführt wurde. Damit ist man in guter Gesellschaft, denn auch Lufthansa, Swiss, Brussels Airlines und Air Dolomiti setzen auf dieses Konzept.

Speisekarte wurde spürbar dünner

Gestartet ist man bei Austrian Airlines, deren Bordverkäufe im Namen und auf Rechnung der deutschen Retail in Motion GmbH erfolgen, mit einer durchaus sehr dicken Speisekarte, die auch Mehlspeisen wie Sachertorte beinhaltet haben. Mittlerweile ist die Auswahl deutlich dünner geworden und auch Salate oder Leberkäse-Semmeln sucht man nun vergeblich. Das berühmte Schnitzel ist aber weiterhin fixer Bestandteil der Melangerie.

Das Paid-Catering an Bord der Kurz- und Mittelstreckenflüge von Austrian Airlines wird durchaus auch kritisch gesehen, da man gegenüber Billigfliegern wie Ryanair oder Wizz Air kein „Premium-Merkmal“ mehr liefert, denn auch die beiden Konkurrenten bitten bei Durst und Hunger zur Kasse. Zu erwähnen ist aber, dass bei der AUA – im Gegensatz zu den genannten Lowcostern – zumindest ein Becher Wasser unentgeltlich ausgeschenkt wird.

Argumentiert wird das Paid-Catering damit, dass man den Passagieren mehr Individualität bieten möchte und besonders frische Speisen auftischen will. Allerdings ist das ein eher schwaches Argument, wenn man bedenkt, dass es Tyrolean Airways früher in der Economy-Class schaffte auch auf kurzen Flügen mehrgängige Menüs samt Auswahlmöglichkeit zu inkludieren und zu servieren. Der Trend in Richtung Paid-Catering auf Europa-Flügen zeichnet sich schon sehr lange ab. Erfunden wurde dieser von Billigfliegern und nach und nach auch von Netzwerkcarriern übernommen.

Verkostung in der Hofburg

Am 26. November 2025 lud Austrian Airlines in die Spanische Hofreitschule, die sich in der Wiener Hofburg befindet, zur Verkostung des aktuellen Sortiments der Melangerie ein. Mit Ausnahme der Lasagne, die an diesem Abend nicht vorgestellt wurde, gab es sämtliche kalten und warmen Mahlzeiten, die an Bord kostenpflichtig erworben werden können, zur Verkostung. Deutlich wurde von AUA-Vertretern darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht, dass bis 36 Stunden bzw. 31 Stunden (Flüge ab Wien) vor dem planmäßigen Abflug das Wunschgericht auch online vorbestellt werden kann, so dass dieses garantiert serviert wird. Theoretisch ist es nämlich möglich, dass es ohne Vorbestellung ausverkauft sein könnte.

Das liegt auch daran, dass man bei der AUA sehr genau weiß, dass viele Passagiere großen Hunger haben, wenn es nichts kostet, aber wenn die Kreditkarte gezückt werden muss, eher darauf verzichten. Aufgrund von Erfahrungswerten lädt man vor dem Abflug in Wien die vermutete Menge ein. Dies soll auch so genannten Foodwaste vermeiden, denn es macht keinen Sinn Speisen durch die Welt zu fliegen, um sie anschließend zu entsorgen, weil sie niemand gekauft hat.

Was es gibt und wie es schmeckt

In der aktuellen Ausgabe der Melangerie-Speisekarte finden sich im Bereich der kalten Speisen ein veganer Süßkartoffel-Wrap, eine Laugenecke und ein Chicken-Ceasar-Sandwich. Diese werden zunächst betrachtet, gefolgt von den warmen Möglichkeiten.

Veganer Süßkartoffel-Wrap:

Beim Wort „vegan“ regieren viele gleich empfindlich, denn andere machen reinen regelrechten Hype darum. Umso interessanter ist es zu wissen, ob sich dieser Wrap lohnt, also wie er denn schmeckt. Nun, er ist saftig mit einer leckeren Sauce und auch absolut kritisch betrachtet kommt man zum Schluss, dass dieser einfach gut gelungen ist. Es ist eine leckere Komposition, bei der auch „Vegan-Hardcore-Verweigerer“ sich positiv überraschen lassen können. Preislich ist es mit 8,40 Euro auch die günstigste Option unter den kalten Speisen.

Chicken-Caesar-Sandwich:

Laut AUA-Flugbegleitern handelt es sich um den Bestseller unter den Speisen. Dieses Sandwich wird also von vielen Passagieren bestellt und das obwohl er mit 9,70 Euro so ganz und gar nicht günstig ist. Rechtfertigt der Geschmack den hohen Preis? Sagen wir es so: Das Chicken-Caesar-Sandwich ist tatsächlich sehr gut gelungen und schmeckt auch sehr gut. Belegt ist es mit Hühnerbrust, Salat, Tomaten und Ceasars-Sauce. Man wird auf keinen Fall enttäuscht, aber ob 9,70 Euro ein wirklich angemessener Preis ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Laugeneck:

Belegt ist dieses mit Käse, Schinken und Frischkäse. Abgerundet wird es von passendem Grünzeug und voila ist ein sehr gut schmeckender Belag fertig. Das wird absichtlich betont, denn das Laugen-Semmerl rundherum schmeckte beim Probeessen eher etwas fad. Man hat schon bessere und geschmacksvollere gegessen. Der Belag passt aber. Preislich ist das Laugeneck mit 8,90 Euro der Spitzenreiter unter den kalten Speisen der AUA-Melangerie.

Die warmen Speisen, die an Bord der AUA Kurz- und Mittelstreckenflüge in der Economy-Class zum Kauf angeboten werden, beschränken sich derzeit auf Schnitzel, Tomaten-Mozarella-Focaccia und Lasagne. Das zuletzt genannte Produkt wird nicht vorgestellt, da es im Zuge des Testessens seitens Austrian Airlines nicht präsentiert und damit auch nicht serviert wurde.

Tomaten-Mozarella-Focaccia:

Es ist sozusagen die „vegetarische Alternative“ zum Schnitzel und zur Lasagne. Das Focaccia-Brot ist mit Mozarella, Pesto und Tomaten belegt. Serviert wird es warm und schmeckt auch kritisch betrachtet gut. Wer vegetarisch essen möchte, aber sich nicht über den Süßkartoffel-Wrap traut, ist mit diesem gut beraten. Preislich ist das Focaccia mit 9,50 Euro pro Stück aber nicht gerade preiswert.

Hühner-Schnitzel mit Petersilie-Kartoffeln:

Irreführend wird es in der Speisekarte als „Wiener Schnitzel“ beworben. Das ist natürlich Schwachsinn, denn das echte Wiener Schnitzel besteht bekanntermaßen aus Kalbsfleisch. Austrian Airlines hat sich für ein Hühner-Schnitzel, das nach Wiener Art paniert ist, entschieden. Geschmacklich ist es sehr gut, sowohl das Fleisch schmeckt gut als auch die Panade. Die Kartoffeln als solches waren beim Testessen ein wenig fad, allerdings machte die dezente „Petersilien-Sauce“ das wieder wett. Wer sich über den Wolken ein Schnitzel gönnen möchte, macht sicherlich nichts falsch. Es gibt aber zwei erwähnenswerte Mankos: Es wird in einer Pappbox serviert und das macht es doch etwas kompliziert in Sachen Schneiden und so. Das zweite Manko ist der Preis: Im Vergleich zur bodengebundenen Gastronomie, die mittlerweile für hohe Kosten bekannt ist, ist die Portion eher klein. Verlangt werden bei Austrian Airlines 13,80 Euro.

Teuer, aber Alternative zur Airport-Gastronomie an zu manchem Flughafen

Das Speisenangebot der AUA stammt aus dem Hause Do&Co. Mit diesem Caterer arbeitet man nicht nur schon sehr lange zusammen, sondern er schluckte auch das einst konzerneigene Unternehmen Airest. In den Lounges in Wien stammen die Speisen seit einiger Zeit vom Konkurrenten Donhauser („DoN“). Unabhängig davon bietet Austrian Airlines im Rahmen der Melangerie gute Speisen an, die jedoch ihren Preis haben. Günstig ist es auf keinen Fall, aber wenn man Hunger hat, sich nichts eingepackt hat und am Airport keine Zeit hat, ist man doch gut beraten darauf zurückzugreifen, denn die Qualität ist definitiv höher als in so manchem Flughafen-Restaurant.

Es ist zu beachten, dass warme Speisen (ohne Vorbestellung) nur ab einer gewissen Flugzeit angeboten werden. Wer also unbedingt sein Hühnerschnitzel über den Wolken essen möchte, sollte entsprechend rechtzeitig vor dem Abflug eine Vorbestellung tätigen. Übrigens: Getränke kosten zwischen 3,10 Euro (0,5 Liter Mineralwasser) bis hin zu 17,90 Euro (Champagner). Inkludiert ohne Aufpreis ist lediglich ein kleiner Bescher Wasser.

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