In der österreichischen Tourismuspolitik verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung und der Arbeitnehmervertretung Vida.
Anlass ist ein Treffen der Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner mit der griechischen Tourismusministerin Olga Kefalogianni in Salzburg, bei dem Möglichkeiten zur Anwerbung von Arbeitskräften aus Griechenland und Zypern erörtert wurden. Die Gewerkschaft Vida kritisierte diesen Schritt deutlich und verwies darauf, dass ein vor Wochen übermittelter Fragenkatalog zur Situation der rund 250.000 Beschäftigten in der heimischen Hotellerie und Gastronomie von Seiten des Staatssekretariats weiterhin unbeantwortet geblieben sei.
Der 43 Punkte umfassende Fragenkatalog der Gewerkschaft betrifft zentrale Problemfelder der Branche. Neben Maßnahmen gegen Lohndumping und Ausbeutung stehen die hohe Fluktuation im Gewerbe, der Umgang mit öffentlichen Fördermitteln sowie die Praxis der saisonalen Zwischenparkung von Angestellten beim Arbeitsmarktservice (AMS) im Mittelpunkt. Die Arbeitnehmervertretung fordert Klarheit darüber, wie ausländische Arbeitskräfte vor Ausbeutung geschützt werden sollen, während der Anteil ausländischer Beschäftigter im Sektor bereits bei knapp 60 Prozent liegt.
Nach dem Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen durch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hatte sich das Staatssekretariat als Vermittler zwischen den Sozialpartnern ins Spiel gebracht. Aus Sicht der Gewerkschaft reicht eine reine Anwerbung im Ausland nicht aus, um die personellen Engpässe in den Betrieben nachhaltig zu lösen. Gefordert werden stattdessen höhere Entgelte, planbarere Arbeitszeiten und eine Anhebung der Attraktivität der Arbeitsplätze, damit ausgebildete Kräfte länger im Gastgewerbe verbleiben.
Arbeitsmarktexperten verweisen darauf, dass die Gastronomie und Hotellerie in Österreich vor strukturellen Herausforderungen steht. Während Arbeitgeberverbände auf den akuten Mitarbeitermangel verweisen und beschleunigte Verfahren bei der Anwerbung aus dem Ausland verlangen, bemängeln Interessenvertretungen die im Branchenvergleich oft unterdurchschnittliche Bezahlung und hohe Belastung. Die Reaktion des Staatssekretariats auf die Forderungen der Sozialpartner gilt als entscheidend für den weiteren Verlauf der festgefahrenen Tarifgespräche.